Entschlacken Jeder Bissen wird zum puren Glück

Fit wie ein Turnschuh, klar wie der Dalai Lama! Genau so fühlte sich FÜR SIE-Leserin Madeleine Koenigs bei ihrer zweiwöchigen Fastenkur. Wir haben sie dabei begleitet.

 

 

Dreimal täglich versammelt sich die Fastengruppe im eigenen Speisesaal, trinkt und löffelt andächtig das Wenige, das auf den hübsch gedeckten Tisch kommt. Gesprochen wird kaum. „Alle sind mit sich selbst beschäftigt“, hat die Regieassistentin erlebt. „Kurbekanntschaften gibt’s da nicht.“ Diskussionen, weiß Dr. Wemhöner, sind in den ersten beiden Entsagungstagen auch nicht immer motivierend. Auf die ungewohnte Total-Diät reagiert zwar nicht der Magen, manchmal aber die Seele knurrig. „In den ersten Tagen, wenn sich der Körper von der äußeren auf die innere Ernährung umstellt, kann es zu kleinen Krisen kommen“, erklärt die Ärztin. „Viele Fastende frieren auch leichter.“

Nach einem uralten biologischen Programm werden außerdem Aktivitätshormone ausgeschüttet. Schließlich brauchte der Steinzeitmensch Kraft für die Mammutjagd, auch wenn es in der Höhle nichts mehr zu beißen gab. Diesen Rausch der Nüchternheit nutzten übrigens schon die Normannen. Vor wichtigen Schlachten verzichteten sie auf Nahrung, um fleisches- und siegeshungrig dem Feind zu trotzen. Auch die bekanntesten Hungerhaken aller Zeiten, die Spartaner, lebten nach dem Credo: „Weniger essen, besser kämpfen“.

Buddha fand durch Fasten die Erleuchtung. Auch die geistige Erneuerung ist wissenschaftlich erklärbar: Während längerer Phasen ohne Nahrungsaufnahme sinkt der Blutzuckerspiegel und dadurch die Konzentration des Hormons Insulin. Energie wird vor allem aus den Fett-Depots gewonnen. „Diese Prozesse sind beteiligt an Gewebeerneuerung, Muskelerhalt und der Förderung von Leistungsfähigkeit und Ausdauer. Gleichzeitig werden Stresshormone abgebaut“, erklärt Dr. Isabel Wemhöner.

Eine Fastenkur heilt sogar Kopfschmerzen

Madeleine Koenigs kam ohne Krise durch die ersten Tage. Studien zeigen, dass der Körper seinen Rhythmus umso schneller umstellt, je positiver die Einstellung zur Hungerkur ist. Speziell in der Klinik von Weckbecker gibt es zudem ein Rundum-sorglos-Paket zur Regeneration und Entspannung. „Ich habe

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hier vieles kennengelernt, was mir ungeheuer gutgetan hat“, berichtet sie. Qigong, die asiatische Anti-Stress-Technik mit langsamen Bewegungen, trainiert sie seitdem auch zu Hause. Schröpfen, eine Unterdruck-Massage mit Glashalbkugeln, hatte heilsame Wirkung auf ihren Rücken. Osteopath Sebastian Wurster beseitigte mit seinen Händen alte Verspannungen - mögliche Ursachen für die Kopfschmerzen, die Madeleine Koenigs zuvor oft plagten. „Wir bieten hier das gesamte Spektrum naturheilkundlicher Therapien an“, erklärt Dr. Wemhöner. „Fünf Ärzte und 14 Therapeuten sind auf unterschiedliche Disziplinen spezialisiert – von Akupunktur über Homöopathie bis zu Kneippanwendungen.“

Wichtige Ergänzungen zum Fasten sind auch Sauna und Bewegung. „Das Ziel ist ja die Entgiftung“, so die Ärztin. „In der Sauna leitet man Gifte über die Haut aus. Beim Ergometertraining passiert es über die Lunge.“ Krafttraining tut gut, schließlich steckt der Körper bei Nahrungsmangel voller Energie. Hanteltraining, sonst keine Lieblingsdisziplin von Madeleine Koenigs, machte ihr in Bad Brückenau richtig Spaß. „Danach bin ich regelmäßig matt und zufrieden in den Mittagsschlaf gesunken“, berichtet sie. Das Nickerchen vor der blauen Stunde ist ebenfalls Teil der Kur. In der Malteser Klinik von Weckbecker liegt als Bett-Accessoire ein Säckchen mit warmen Kartoffeln bereit. „Das legt man sich auf die Leberregion“, erzählt die Regieassistentin. „Es regt zusätzlich die Entgiftung an.“

Weil das Hungergefühl fehlt, kommen die Patienten nicht auf die Idee, den verführerisch duftenden Sack zu plündern. Fastenbrecher gibt es in Bad Brückenau so gut wie nie. Mehr als die Hälfte der Patienten kommt mit Beschwerden ins Haus – Allergien, Migräne, chronischen Entzündungen. Und fühlen sich schon nach wenigen Tagen besser. Viele leisten sich die Kur mindestens ein- oder sogar zweimal pro Jahr.

Vor 25 Jahren wurde das „gefährliche Fasten“ selbst von Schulmedizinern noch als Raubbau am Körper verteufelt. Heute zeigen wissenschaftliche Untersuchungen: Fasten unter ärztlicher Aufsicht wirkt oft besser als Medikamente. So normalisierte sich in Studien der Blutdruck bei Hypertonie-Patienten. USForscher aus New Orleans registrierten einen Anstieg des „guten“ Cholesterins HDL. Schmerzpatienten wie Rheumatiker erleben deutliche Besserung ihrer Leiden. Und bei Zuckerkranken wirkt sich die Kalorienreduktion positiv auf den Insulin-Haushalt aus.

 

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Autor:
Dagmar Metzger