Abnehmen Es gibt ,Figur-Gene‘, die unsere Kalorienzufuhr beeinflussen

Warum einige Diäten funktionieren und andere nicht, gab der Wissenschaft bislang große Rätsel auf.

Wie unsere Zellen aufs Essen reagieren, untersucht die Nutrigenomik – Interview mit Professorin Hannelore Daniel. Sie hat den Begriff Nutrigenomik „erfunden“: Hannelore Daniel, die Leiterin des Lehrstuhls für Ernährungsphysiologie an der Technischen Universität München. FÜR SIE befragte sie zum aktuellen Stand der Forschung.

Was meinen Sie, Frau Professor Daniel, sind wir in 50 Jahren alle schlank und fit?

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Das mag sein. Allerdings können wir unseren Genen nicht die komplette Verantwortung übertragen. Wir leben einfach in einem Überangebot an Kalorien. Dazu kommt der Lebensstil. Also, wie viel schlafe ich, wie viel Sport mache ich, wie viel Stress habe ich? Erst der Mix aus Genen, Lebens- und Ernährungsstil macht das Bild komplett.

Aber trotzdem beeinflussen unsere Gene doch unser Gewicht, oder?

Warum der eine jeden Tag ein Stück Kuchen essen kann und nichts auf der Waage passiert, während der andere ständig zunimmt – hier kann die Nutrigenomik sicher Erklärungen liefern. Aber es geht uns nicht nur ums Gewicht. Auch die Vorbeugung ernährungsabhängiger Krankheiten wie Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder Krebs sind Forschungsziele.

Wie viel lässt sich denn bisher schon an unseren Genen ablesen?

Noch nicht so viel, wie wir gern möchten. Weil wir im Moment ja noch rückblickend arbeiten: Das heißt, wir haben ein Gen mit verschiedenen Varianten und schauen, wie es sich auf unseren Stoffwechsel, unseren Geruchs- oder Geschmackssinn auswirkt. Eines dieser Gene, das unseren Geschmack und damit die Kalorienzufuhr beeinflussen kann, ist das sogenannte CD36-Gen. Wer eine untypische Version davon hat, bevorzugt fett reiches Essen. Der Einfluss aufs Körpergewicht ist, wie sich herausgestellt hat, jedoch nicht wirklich groß: Er macht nur rund ein Kilo pro Jahr aus. Für die Zukunft kommt es jetzt darauf an zu ermitteln, wie der Stoffwechsel von Menschen mit gleicher Gen- Variante reagiert, wenn er unterschiedliches „Futter“ bekommt. Also was passiert, wenn die Teilnehmer mehr oder weniger von einem Vitamin oder Mineralstoff, mehr oder weniger Fett zu essen bekommen.

Wie geht eigentlich so ein Gentest?

Man nimmt ganz einfach mit einem Wattestäbchen einen Abstrich von der Mundschleimhaut – wie bei einem Vaterschaftstest. Das wird dann in speziellen Labors untersucht.

Diese Tests werden aus ethischen Gründen ja auch kritisiert …

 

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Verständlicherweise. Es muss eben jeder für sich entscheiden, ob er wissen will, welche Gen-Varianten er in sich trägt. Im europäischen Food4 Me-Projekt wurde genau das untersucht. Das Ergebnis: 70 Prozent der Teilnehmer wollten es wissen. Die zwei te Frage, die sich stellte: Isst jemand anders, wenn wir ihm sagen, du hast diese Gen-Variante und solltest daher mehr Blattgemüse essen? Das Tolle ist: Die meisten tun es. Sie beschäftigen sich dann auch sehr intensiv mit ihrem Essverhalten, und das ist schon der halbe Erfolg. Viele der Food4Me-Teilnehmer haben deutlich abgenommen, obwohl das gar nicht das Ziel war.

Es gibt ja schon Stoffwechseldiäten, bei denen ich individuelle Ess-Empfehlungen bekomme. Was halten Sie davon?

Da sind die kommerziellen Anbieter schneller als die Forschung. Was ich damit sagen will: Diese Diäten sind wissenschaftlich bisher nicht unterfüttert. Ob die Tests, die ihnen zugrunde liegen, wirklich etwas taugen, kann ich nicht beurteilen. Ihr Erfolg liegt vermutlich daran, dass die Leute an die Hand genommen und geführt werden.

Was glauben Sie, wann gibt es seriöse personalisierte Empfehlungen?

Das ist eine schwierige Frage. Wir brauchen vor allem gute Studien, die den Bezug zwischen Genetik, Ernährung und Gesundheit belegen. Das wird noch einige Jahrzehnte benötigen.

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Autor:
Kathrin Halfwassen