Welche Impfungen sind wirklich wichtig? Welche sogar ein unnützes Risiko? Impfungen mit Nebenwirkungen

Von Masern bis zur Grippe – mittlerweile existieren für 14 Krankheiten Impfempfehlungen. Einige sind umstritten.

Am heftigsten tobt der Streit beim Impfstoff gegen Gebärmutterhalskrebs, der 2007 für junge Mädchen zugelassen wurde. Die Vakzinen sollen eine spätere Ansteckungmit Humanen Papilloma-Viren (HPV) verhindern, die beim Sex übertragen werden. Erst vor einigen Monaten kritisierte eine Gruppe von dreizehn Wissenschaftlern, das die Wirksamkeit der Impfung nicht belegt sei.

Ebenfalls umstritten ist die saisonale Grippeimpfung, die von offiziellen Stellen vor allem für Ältere und chronisch Kranke – etwa Diabetiker – empfohlen wird. Bei diesen Menschen kann eine Influenza Schlimmeres auslösen, etwa Herzrhythmusstörungen oder eine Lungenentzündung. Solche Komplikationen sollen mit der Impfung vermieden werden. „Doch dafür fehlt ein echter Nachweis. Es ist nicht belegt, dass geimpfte Menschen seltener ins Krankenhaus müssen oder sogar eine höhere Lebenserwartung haben als ungeimpfte“, sagt der Münchner Kinderarzt und Buchautor Dr. Martin Hirte („Impfen – Pro und Contra“, Knaur Taschenbuch). Er stützt sein Urteil auf eine Studie der internationalen Ärzte-Vereinigung Cochrane Collaboration, die medizinische Therapien nach strengen Kriterien bewertet.

Zu den ebenfalls viel diskutierten Vorsorgemaßnahmen zählt die seit Sommer 2004 für Kleinkinder empfohlene Impfung gegen Windpocken. „Varizellen sind eine harmlose Kinderkrankheit, die in über 99,99 Prozent der Fälle problemlos ausheilt“, weiß Hirte. „Von Komplikationen sind vor allem Erwachsene bedroht. Diese werden zukünftig vermehrt mit Windpocken kämpfen, weil die Impfung niedrigere Antikörperspiegel erzeugt als die natürlichen Windpocken – und man sich leichter anstecken kann.“

Trotz aller Kritik gilt: Für den Großteil der Impfungen gibt es kaum Alternativen. Impfungen gegen Tetanus schützen vor einem lebensgefährlichen Bakterium, das über Wunden in die Haut eindringt. Die Immunisierungen gegen Diphtherie oder Kinderlähmung verhindern ein mögliches Wiederaufflackern dieser Epidemien. Und die Masernimpfung wird mittlerweile auch von ehemaligen Gegnern als nötig betrachtet – um die Erwachsenen zu schützen. Haben Eltern die Kinderkrankheit nicht mehr selbst durchgemacht, könnten sie trotz früherer Impfung von ihren erkrankten Sprösslingen angesteckt werden – was zu heftigen Komplikationen führen kann.

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Autor:
Bernhard Hobelsberger