Familienplanung Nina & Simone berichten

Sie will ein Baby, er nicht. Ein Konflikt, der unlösbar scheint. Ist er aber nicht unbedingt. Drei Frauen erzählen von ihren drei Wegen zum Glück.

Simone Munster*, 41

Ich habe dem Schicksal einen Schubs gegeben

Schon kurz nachdem ich Peter kennenlernte, wusste ich, dass ich Kinder mit ihm will. Ich fühlte mich bei ihm geborgen, obwohl wir in verschiedenen Städten wohnten und uns nur am Wochenende sahen. Peter wollte aber erst als Grafiker Fuß fassen, er vertröstete mich. Und in mir wuchs mit Anfang 30 die Angst, zu lange zu warten, nicht mehr schwanger werden zu können. Diese Angst beherrschte mich manchmal komplett. Einmal trennten wir uns, aber das kam uns nach zwei Wochen unsinnig vor. Wir liebten uns ja.

Irgendwann ließ ich es einfach darauf ankommen. Und wurde prompt schwanger! Peter war nicht begeistert. Zum ersten Mal erfuhr ich, was ihm wirklich Sorgen machte: Weil wir noch nie zusammengelebt hatten, fürchtete er um unsere Beziehung. Ich war mir dieser aber sicher. Vielleicht hat das Peter überzeugt. Zwei Jahre nach Nele kam Sebastian zur Welt. Peter arbeitet heute in einer Agentur, ich als PR-Beraterin. Reich sind wir nicht, aber wir sind zusammen, und unser Leben fühlt sich richtig an. Für beide.

Nina Rudelt*, 44

Unsere Firma ist unser gemeinsames Projekt

Als ich mit 33 Jahren Andreas traf, hatte ich das Gefühl, wir könnten uns mit Kindern noch Zeit lassen. Ich bin Sozialpädagogin und wollte mich gerade beruflich verändern. Er hatte schon einen Sohn und brauchte viel Energie für seine Tischler-Firma. Wir genossen unsere Zweisamkeit. Nach zwei Jahren sprachen wir zum ersten Mal über Kinder, und Andreas sagte, er wolle nicht noch einmal Vater werden. Mir zog es den Boden unter den Füßen weg. Wo blieb ich da mit meinen Wünschen? Die Angst, dass mir die Zeit wegläuft, wurde immer stärker.

Bis eine Diagnose jede Zeitrechnung relativierte: Andreas hatte Darmkrebs. Und für mich war sofort klar, dass ich bei ihm bleibe – auch wenn damit so gut wie feststand, dass ich keine Kinder haben würde. Ich fuhr in dieser Zeit oft zu meiner Schwester, ihre Kinder kamen zu mir auf den Schoß, wenn ich weinte. Mir wurde bewusst, dass ich zumindest eine Teilfamilie habe. Heute spüre ich nur selten den Wunsch, Mutter zu sein. Ich schaue Andreas an und bin so froh, dass er noch lebt. Wir arbeiten jetzt gemeinsam, bauen Räume für Kindergärten aus. Das ist auch etwas, das bleibt.

* Namen von der Redaktion geändert

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Autor:
Sabine Henning