Familienplanung Klarheit hilft! Merle erzählt

Sie will ein Baby, er nicht. Ein Konflikt, der unlösbar scheint. Ist er aber nicht unbedingt. Drei Frauen erzählen von ihren drei Wegen zum Glück.

Dann hilft es, sich zu fragen: Was will ich wirklich? Warum sehne ich mich so sehr nach einem Kind? Wie wichtig ist es mir? Und: Was ist mir wichtiger, die Beziehung oder mein Kinderwunsch? Wie erfüllt werde ich mein Leben empfinden, ohne Kind? Auch hier kann ein Therapeut oder ein Coach helfen, die widerstreitenden Gefühle zu sortieren und zu gewichten. Wer für sich Klarheit gewonnen hat, sollte auch Farbe bekennen. Etwa indem er zum Partner sagt: „Ich will dich. Aber auch ein Kind. Und wenn das nicht geht, trenne ich mich von dir.“ Auch wenn so eine Ansage Angst macht: Die Alternative wäre, die eigenen Lebenswünsche – und damit sich selbst – zu übergehen. Das wäre ein riesiges Zugeständnis. Und es zahlt sich nicht aus, meint Friederike von Tiedemann. „Ein solches Ungleichgewicht und ein solch großer Verzicht belastet eine Beziehung immer wieder neu.“

Merle Berger*, 37

Nach zehn Jahren schaffte ich den Absprung

Ralf hatte schon zwei Kinder, als wir uns trafen. Ich war 24 und gerade mit der Schau spielschule fertig. Wir bauten uns schnell ein kleines Nest, seine Söhne waren oft bei uns, ich brachte sie zum Fußball und kochte für alle. Dass ich eigene Kinder wollte, wusste Ralf – aber wenn ich das Thema anschnitt, mogelte er sich heraus oder brach das Gespräch ab. Also sprach ich nicht mehr darüber. Ich hatte das Gefühl, ihn zu überfordern, und Angst, ihn zu verlieren, wenn ich darauf beharrte. Trotzdem schöpfte ich immer wieder Hoffnung. Warum? Ich weiß es nicht.

Vielleicht war es seine schweigsame Art, die Raum für Spekulationen ließ. Vielleicht waren es Theaterprojekte in anderen Städten, durch die ich immer wieder Abstand hatte. Dann kam ich mit neuem Selbstbewusstsein zurück und glaubte wieder, ihn überzeugen zu können. Zehn Jahre ging das so, dann schaffte ich den Absprung. Ich löste mich von Ralf – und außerhalb unserer kleinen Welt fiel es mir leichter zu akzeptieren, dass ich vielleicht nie Mutter werden würde. Wurde ich dann aber doch: Vor einem Jahr brachte ich Lili zur Welt. Mit ihrem Vater bin ich zwar nicht mehr zusammen. Aber ich bin glücklich.

* Name von der Redaktion geändert

1 2 3
Schlagworte:
Autor:
Sabine Henning