STÄDTE-RANKING ZUR FAMILIENFREUNDLICHKEIT Wo Familien am besten wohnen

Auch wenn vielen Familien das ländliche Idyll vorschwebt, wenn es um das beste Umfeld zum Leben geht – die Realität sieht aus unterschiedlichsten Gründen oftmals anders aus. Dabei zeigen verschiedene Studien und Rankings, dass der alte Gegensatz von Stadt und Land längst überholt ist. Familienfreundliche Städte gibt es sehr wohl und wir stellen sie Ihnen vor.

Photo by Daiga Ellaby on Unsplash Wo Familien am besten wohnen © Photo by Daiga Ellaby on Unsplash

Was macht eine Stadt familienfreundlich?

Die Menschen zieht es wieder mehr in die Städte. Dieser Trend lässt sich seit einigen Jahren beobachten und inzwischen ist er so ausgeprägt, dass selbst abseits der Metropolen die Zuwanderungszahlen steigen. Sogenannte „Schwarmstädte“ versprechen alles, was es in den pulsierenden – und völlig überlaufenen – Großstädten der Republik auch gibt, allerdings vorläufig noch zu geringeren Kosten.

Für Familien mit Kindern gestaltet sich die Situation allerdings noch einmal anders als für Alleinstehende, die den Umzug wagen. Der erste Schritt zu einem solchen Unterfangen muss daher immer der kritische Blick auf die strukturellen Voraussetzungen vor Ort sein: Erfüllt die neue Heimat überhaupt die Kriterien, um als familienfreundlich durchzugehen?

Im Grunde genommen ist es vergleichsweise einfach, grundsätzliche Kriterien festzulegen, mit denen sich die Familien- und Kinderfreundlichkeit einer Stadt „messen“ lässt. Dazu gehören:

  • Paaren wird durch die städtischen Bedingungen die Entscheidung für ein Leben mit Kind(ern) erleichtert.
  • Das heißt unter anderem, dass kindgerechte Entfaltungs- und Lebensräume vorhanden sind und diese gesichert werden.
  • Kernfamilien und Familiennetzwerke haben die Möglichkeit, ihr Leben eigenverantwortlich zu gestalten bzw. werden sie in dieser Eigenverantwortlichkeit gestärkt.
  • Familien werden von strukturellen Rücksichtslosigkeiten (damit ist beispielsweise die verbreitete Benachteiligung von den Menschen gemeint, die sich für eine Familie entscheiden – was sich etwa in rein leistungsbezogenen Löhnen wiederspiegelt, bei denen familiäre Bedürfnisse keine Rolle spielen) entlastet.
  • Geraten die Familien einmal in eine wie auch immer geartete Notlage, können sie sich auf entsprechende Hilfestellungen verlassen.

Um noch einmal auf den Punkt der strukturellen Rücksichtslosigkeiten zurückzukommen: Dabei handelt es sich zwar um ein Problem, dem auf kommunaler Ebene in verschiedenen Bereichen entgegengetreten werden kann. Allerdings liegen die Ursachen dieses Problems viel tiefer – sie sind ein vielfach anzutreffendes gesellschaftliches Thema. Das zeigt sich dann eben nicht nur dann, wenn der Individuallohn keinen Unterschied macht, ob damit eine einzelne Person oder eine Familie ernährt werden muss.

Kinder unerwünscht?

Vielmehr wird die Tendenz, Familien mit Kindern zu benachteiligen, in vielen Kleinigkeiten des alltäglichen Lebens deutlich.  Wenn es beispielsweise nicht mehr selbstverständlich ist, dass Kinder sich gefahrlos auf der Straße aufhalten können, ganz gleich, ob sie dort spielen wollen oder ihren Schulweg zurücklegen. Oder wenn es an baulichen Maßnahmen fehlt, die in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen können. Es wird aber auch deutlich, wenn etwa die Nachbarschaft zu Kindern als Belästigung empfunden wird, weil die ja hin und wieder mal lauter sind als der erwachsene Durchschnittsbürger.

Für viele mag das kurios und unwahrscheinlich klingen, in der Realität hingegen sind Beschwerden über „Kinderlärm“ hingegen keine Seltenheit. Ein Trost für Familien: Die deutschen Gerichte sind meistens toleranter als die Nachbarn, ganz einig sind allerdings auch sie nicht, wie weit die Grenzen für Kinderlärm gezogen werden sollen – nur ein Beispiel für eine Problematik, die gerade in den Städten, in denen alle viel enger zusammenleben, vorherrscht.

Kinderlos – auch nicht der richtige Weg

Übrigens: Es ist umgekehrt nicht zwingend ein Vorteil, in Deutschland kinderlos zu leben. Zumindest als Frau bedeutet das nämlich – immer noch – mit Vorurteilen konfrontiert zu werden. Offensichtlich schließt es sich trotz aller Widersprüchlichkeit nicht aus, auf der einen Seite eine gewisse Gleichgültigkeit gegenüber Familien an den Tag zu legen und auf der anderen Seite mit Unverständnis zu reagieren, wenn eine Frau keine Kinder hat oder will. Sicher ist das auch eine Frage der Perspektive, trotzdem würde man sich wünschen, wenn ein wenig mehr Verständnis für Lebensentwürfe bestünde, die nicht dem eigenen entsprechen.

Wo die Städte handeln können und müssen

Die Städte haben also prinzipiell schon genug damit zu tun, den unterschiedlichsten Lebensstilen gerecht zu werden (dazu gehört im Übrigen auch ein neues Verständnis von Familie, das sich mit unterschiedlichen Lebensphasen durchaus verändern kann). Dass sie darüber hinaus etwas in Sachen Familien- und Kinderfreundlichkeit tun, ist einer gewissen Notwendigkeit geschuldet: Es geht schließlich um nicht weniger als die Sicherung der eigenen Zukunft. Zu den Bedingungen, die eine zukunftsfähige Entwicklung einer Stadt fördern können, zählt nämlich unter anderem eine ausgewogene demographische Entwicklung. In Zeiten einer alternden Gesellschaft eine kaum zu unterschätzende Herausforderung, die aber eben deutlich macht, wie wichtig Familien letzten Endes für die Städte sind.

Aber wo setzen die bei einer familienfreundlichen Gestaltung an, wo können sie überhaupt ansetzen?

Die soziale und kulturelle Infrastruktur

Wo Familien und Kinder leben sollen, da müssen sie alles Notwendige finden. Naheliegend ist in dieser Hinsicht die Versorgung der Kinder, sprich: Es müssen ausreichende Betreuungs- und Erziehungsangebote geschaffen werden, die nicht als Ersatz für das Familienleben dienen, sondern dieses sinnvoll ergänzen. Das schließt ein differenziertes Schulangebot (inklusive sicherer Betreuungszeiten) ebenso ein wie Tagesmütterdienste oder Freizeit- und Kultureinrichtungen.


Das bedeutet aber eben auch, dass die Eltern genügend Angebote vorfinden, um für sich selbst Hilfe in Anspruch nehmen zu können, unabhängig davon, um welchen Lebensbereich es sich gerade dreht.

Das städtische Wohnen

Aus Perspektive einer Familie ist ein Umzug in eine Stadt keine kleine Herausforderung. Nicht nur wegen des logistischen Aufwands, sondern auch wegen der vielen finanziellen Belastungen, die damit einhergehen. Die größte davon sind und bleiben die Immobilienpreise in deutschen Städten, gegen deren steigenden Kurs auch die Mietpreisbremse ein allenfalls unzureichendes Mittel ist.

Aus städtisch-kommunaler Perspektive gilt es daher, andere Lösungen zu finden und anzubieten. Wenn es um die Erschließung von Bauland geht, sollten Familien mit Kindern direkt berücksichtigt werden. Interessant auch der Ansatz, das Mehrgenerationenwohnen in der Stadt zu fördern oder mit flexibleren Grundrissen dafür zu sorgen, dass Familien einerseits ihre Bedürfnisse befriedigen können, ohne dabei zu viel bezahlen zu müssen.

Ein nicht unwesentlicher Faktor außerdem: Spiel- und Begegnungsflächen für alle Generationen, die im Idealfall ein wenig Natur in die Stadt bringen.

Die Verkehrsplanung


Daran schließt sich auch gleich ein weiteres, stadtplanerisches Problem an – die Gestaltung der Verkehrsinfrastruktur. Wie etwa kann dafür gesorgt werden, dass der öffentliche Nahverkehr optimal auf die Bedürfnisse von Familien und Kindern zugeschnitten ist? Wie können Wege, die häufig von Kindern genutzt werden, sicherer gestaltet werden?

Das sind nur die vermutlich drängendsten Fragen einer familienfreundlichen Verkehrsplanung. Dabei kann die Thematik noch viel weiter aufgefasst werden, viel kreativer. Was ist zum Beispiel mit Stadtplänen, die sich mehr an den Interessen von Kindern orientieren? Und wie verhält es sich mit der Umweltverträglichkeit? Das ist immerhin kein Thema, um das sich nur die Kommunen kümmern, sondern das auch bei den Einwohnern eine immer größere Rolle spielt – gibt es damit nicht genug Anknüpfungspunkte, um die Verkehrserziehung gleich um den Nachhaltigkeitsgedanken zu erweitern?

Der Arbeitsmarkt

Ein Faktor, der für die Stadtentwicklung in ihrer Gesamtheit von größtem Belang ist: die wirtschaftliche Entwicklung. Üblicherweise ist die schon Anreiz genug, damit Familien mit Kindern in die Städte ziehen. Immerhin sind die Chancen deutlich größer, auf dem Arbeitsmarkt fündig zu werden und noch dazu ist Pendeln längst nicht für alle eine – oder besser: die optimale – Option. Wenn es um die Ausgestaltung des Arbeitsmarktes geht, ist damit nicht allein das Schaffen neuer Arbeitsplätze gemeint (denn sie sind meistens ohnehin vorhanden).


Wichtiger ist es vielmehr, neu zugezogene Familien außerhalb ihres beruflichen Umfelds aufzufangen, ihnen die sozialen und schulischen Angebote gezielt näherzubringen. Auf der anderen Seite kann die Stadt auf die Betriebe einwirken und diese bei der Entwicklung von Angeboten unterstützen, die sich der Familienfreundlichkeit der Arbeitgeber widmen: von betrieblicher Kinderbetreuung bis hin zu regionalen Ausbildungsmärkten können nämlich auch die Unternehmen ihren Teil dazu beitragen, dass die Stadt familienfreundlicher wird.

Unterstützung in allen Lebenslagen

Da in den Städten häufig Kernfamilien auf sich allein gestellt sind und nicht, wie es etwa auf dem Land oft sehr viel leichter zu bewerkstelligen ist, von einem vergleichsweise engen Beisammen sein des Familiennetzes profitieren können, brauchen sie einfach mehr Unterstützung. Die kann von ehrenamtlicher Seite geleistet werden, kann aber auch mit verschiedensten wirtschaftlichen Hilfen – etwa durch ermäßigte Gebühren, wo diese fällig werden – erreicht werden.

Die Kommunen selbst müssen sich dabei auch fragen, ob ihre Angebote kinder- und familienfreundlich sind. Wie ist es zum Beispiel um die Öffnungszeiten der Ämter bestellt, sind diese für Familien mit Kindern erreichbar, wenn diese die Zeit dafür aufbringen können?

Worauf Familien besonders achten

Jede noch so gut gemeinte Maßnahme muss letztlich aber doch ins Leere laufen, wenn nicht explizit danach gefragt wird, was für die Familien am wichtigsten ist, wenn es um die Stadt als Wohnumfeld und „Lebensraum“ geht. Das ist nicht wirklich einfach zu beantworten, da die Vorstellungen der Familien keineswegs homogen sind – was im Grunde genommen nicht verwundern kann, sich aber bei einer nur oberflächlichen Beschäftigung mit dem Thema leicht übersehen lässt.

Preis und Leistung müssen stimmen

Ungeachtet der vielen Handlungsfelder, in denen sich die urbane Familienfreundlichkeit verbessern ließe, bleibt am Ende aber vor allem die Wohnfrage stehen, auf die es Antworten zu finden gilt. Zentral hierbei: das bestmögliche Preis-Leistungsverhältnis, gemessen an den jeweiligen Bedürfnissen.

In diesem Zusammenhang spielen unterschiedliche Faktoren eine Rolle, nicht zuletzt die steigenden finanziellen Anforderungen, die durch das Leben mit Kind(ern) entstehen – die zu bewältigenden Ausgaben legen quasi automatisch eine gewisse Obergrenze für die reinen Wohnkosten fest. Was an sich schwierig genug wäre, aber das sinkende Budget für eine adäquate Wohnung erweist sich mit den hohen Ansprüchen als tatsächliches Problem. Man denke nur an die Schwierigkeit, in der Stadt Einfamilienhäuser bereit zu stellen.


Unterschiedlichste Vorstellungen und Bedürfnisse

Und dabei ist noch nicht einmal berücksichtigt, dass sich etwa die Ansprüche und Bedürfnisse der Kinder mit der Zeit deutlich ändern und die Wohnfrage zusätzlich verschärfen können. Oder dass etwa die steigende Anzahl von Alleinerziehenden-Haushalten wieder eine ganz eigene Herausforderung für den vorhandenen Wohnraum darstellt – von den ganzen anderen Herausforderungen einmal abgesehen, die Alleinerziehende zu bewältigen haben. Wenn die Kinder zwischen den Wohnungen der Elternteile „pendeln“, können sie trotzdem erwarten, jeweils ein eigenes Zimmer vorzufinden. Gerade mit zunehmendem Alter wird das zu einem Grundbedürfnis.

Abgesehen von der Frage nach der geeigneten Wohnung bei bezahlbaren kosten achten Familien auf sehr verschiedene Dinge, wenn es um den Wohnstandort Stadt geht. Die rheingold-Studie „Wie macht die Stadt Familien glücklich?“ hat auf diese Frage einen bunten Mix von Antworten erhalten. Ein zentraler Aspekt ist die Sicherheit in seinen unterschiedlichen Facetten, daneben spielen vor allem „weiche“ Faktoren eine Rolle, die in gleicher Weise die Stadt auch für Alleinlebende anziehend macht:

  • Die Möglichkeit, sich selbst verwirklichen zu können – und zwar für alle Familienmitglieder – gaben etwa 80 Prozent der Befragten als wichtiges Entscheidungskriterium für die Stadt an.
  • Die Eltern für sich genommen sehen zudem in der Stadt gute Möglichkeiten, ihre Beziehung als Paar zu pflegen.
  • Nicht zu vergessen die verbreiteten Assoziationen, die das Stadtleben so mit sich bringt: Hier ist alles dynamischer, lebendiger, kreativer.

Auf der anderen Seite sind es aber auch ganz „banale“ Dinge, die den Ausschlag für den Umzug in die Stadt geben können: Die Nähe zum Arbeitsplatz etwa, kurze Wege zur Schule oder zum Kindergarten, Einkaufsmöglichkeiten und ein vernünftiger öffentlicher Nahverkehr zählen dabei zu den am häufigsten genannten „harten“ Argumenten.

Die familienfreundlichsten Städte – ein Überblick

Damit steht immer noch die nicht ganz unerhebliche Frage im Raum, welche deutschen Städte sich denn nun aktuell durch ihre Familienfreundlichkeit hervortun. Ergebnisse hierzu liefern sowohl der Homeday Familienindex Deutschland als auch das in jedem Jahr erneuerte Städteranking der WirtschaftsWoche.

Ergebnisse des Homeday Familienindex

Für den Familienindex wurden auf Basis von Eltern- und Expertenbefragungen die relevantesten Kategorien ermittelt und die wichtigsten dazugehörigen Kriterien auf einer Skala zwischen 0 und 10 bewertet.

Die Stadt.

Diese Kategorie ist in insgesamt sechs Unterkategorien gesplittet:

  • Wohnraum bezieht sich auf die Bezahlbarkeit von Wohnraum, verglichen wurden die durchschnittlichen Netto-Jahresgehälter und die durchschnittlichen Kaufpreise pro Quadratmeter.

Eindeutiger Sieger: Wolfsburg mit einem Wert von 9,93. Dicht dahinter folgen Erlangen (9,63) und Ulm (9,41). Schwierig ist die Situation hingegen in Dresden – mit 3,51 Punkten erhielt die sächsische Landeshauptstadt den schlechtesten Wert im Vergleich.

  • Beim Bildungssystem wurden unter anderem das Abschneiden bei den PISA-Erhebungen und die Bildungsausgaben der Stadt berücksichtigt.

Hier weiß Berlin mit einer glatten 10 besonders zu überzeugen, auch Hamburg (9,91) und München (9,82) sind in dieser Rubrik vorne mit dabei. Schlusslicht hier ist Düsseldorf, die Rheinmetropole kommt aber immer noch auf 8,00 Punkte.

  • Sicherheit wird im Familienindex sehr eng verstanden und bezieht sich vornehmlich auf Straftaten und das Sicherheitsgefühl der Einwohner.

Wolfsburg kann auch in dieser Kategorie den Spitzenplatz behaupten (9,70) München liegt mit 9,63 Punkten knapp dahinter. Ansonsten schafft es nur noch Dresden über 9er-Marke (9,19). Abgeschlagen sind hingegen Bremerhaven (3,36), Duisburg (3,51) und Oberhausen (3,58). Auch Frankfurt am Main erhält mit einer 3,80 keinen sonderlich guten Wert.

  • Mit Bezahlbarkeit ist wenig überraschend gemeint, wie es um Gehälter und Lebenshaltungskosten in der jeweiligen Stadt bestellt ist.

Einmal mehr wird diese Rubrik von Wolfsburg angeführt (10,00), als bezahlbar erweisen sich außerdem Erlangen (9,77), Stuttgart und Frankfurt/Main (beide 9,55). Kein ausgewogenes Verhältnis von Gehalt und Lebenshaltungskosten gibt es in Hamm (5,00) oder auch Halle an der Saale (5,23).

  • Die Werte für die Arbeitslosigkeit ergaben sich aus der jeweiligen Arbeitslosenquote – je niedriger diese lag, desto höher die vergebene Punktzahl.

Mit einer 10,00 belegt die NRW-Landeshauptstadt Düsseldorf in dieser Rubrik Platz 1, auch Hannover (9,63) oder Erlangen (9,48) schneiden hier gut ab. Anders verhält es sich mit Gelsenkirchen (1,44), überhaupt schneiden die Ruhrgebietsstädte beim Thema Arbeitslosigkeit sehr schlecht ab.

  • Umweltverschmutzung setzt sich zusammen aus Luft- und Lichtverschmutzung sowie dem vorhandenen Lärm.

Das Gesundheitswesen.

Für diese Rubrik gibt es keine weitere Ausdifferenzierung. Es spielen einerseits die Gesundheitsausgaben eine Rolle, andererseits wurde der Anteil der Bevölkerung mit privater oder gesetzlicher Krankenversicherung berücksichtigt.

Anders als bei der Umweltverschmutzung kann die Stadt Erlangen beim Gesundheitswesen voll überzeugen und verzeichnet deshalb den Bestwert. Eine ebenfalls gute Versorgung ist in Hannover (9,91), Jena (9,82) und Halle/Saale (9,73) gewährleistet. Allerdings ist das Gefälle in dieser Rubrik nicht so groß, am schlechtesten schneidet etwa Wolfsburg mit 8,00 Punkten ab. Insgesamt müssen sich Familien beim Thema Gesundheitswesen die geringsten Sorgen machen.

Reisen und Aktivitäten.

Für die deutschen Städte wurden in dieser Kategorie die für Kinder verfügbaren Aktivitäten und die vorhandenen Grünflächen in Augenschein genommen.

  • Aktivitäten für Kinder umfasst unter anderem Freizeitparks, Museen und das Wohlbefinden der Kinder im Allgemeinen.

Am meisten hat die Hauptstadt hier zu bieten, Berlin führt diese Liste mit 9,85 Punkten an. Deutlich schlechter ist die Situation in Gelsenkirchen (3,29) oder auch Herne (3,51). Allerdings sollte beim Blick auf die Ergebnisse berücksichtigt werden, dass bei der Bewertung in erster Linie Aktivitäten für die Ferien, die Wochenenden oder für Feiertage aufgenommen wurden. Damit bleiben weit Teile kindlicher Aktivitäten, die z.B. unter der Woche eine Rolle spielen, außen vor.

  • Der Punkt Grünflächen erklärt sich von selbst: Je größer der prozentuale Anteil von Grünflächen innerhalb des Stadtgebiets, desto besser die Punktzahl.

Stuttgart erweist sich dabei als grünste der untersuchten Städte und kommt auf eine Bewertung von 10,00. Daran reichen am ehesten noch Jena (9,62) und Hagen (9,47) heran. Frankfurt/Main (4,48) und Köln (5,08) markieren das untere Ende der Liste. Nachprüfen lassen sich die Ergebnisse übrigens mit Hilfe der interaktiven Karte der Berliner Morgenpost.

Die Elternmeinung.

Basierend auf einer repräsentativen Umfrage wurde der Wert für die Elternmeinung ermittelt. Abgefragt wurde dabei nicht allein, als wie familienfreundlich die jeweilige Stadt empfunden wird, sondern welche Faktoren überhaupt dazu beitragen.

Die beste Meinung haben Eltern von Hamburg (9,60), Stuttgart (9,10) und Erlangen (9,10). Nachholbedarf gibt es hingegen in Hagen (6,20), Duisburg (6,30) sowie Hamm und Gelsenkirchen (beide 6,40). Fairerweise liegen sie damit immer noch nahe am Durchschnitt in dieser Kategorie.

Die Tops und Flops im Familienindex

Insgesamt wurden für den Familienindex 23 deutsche Städte herangezogen. Angeführt wird die Liste von Hamburg, dass sich mit 8,78 Punkten knapp vor Stuttgart (8,77) und München (8,73). Das Schlusslicht der Studie ist Oberhausen mit 5,96 Punkten – das als einzige Stadt unter sechs Punkten blieb. Nur knapp darüber landeten in der Gesamtschau Gelsenkirchen (6,16) und Herne (6,24). Das sind allerdings immer noch Werte, die Durchschnittsbereich liegen. Verbesserungswürdig sind sie natürlich trotzdem.

Die Ergebnisse des WirtschaftsWoche-Städterankings

Die WirtschaftsWoche legt regelmäßig ein Städteranking an, getestet wurden auch in diesem Jahr insgesamt 71 deutsche Großstädte, um die lebenswerteste zu ermitteln. Der Untersuchung liegen verschieden gewichtete Kategorien zugrunde: Arbeitsmarkt, Wirtschaftsstruktur, Immobilienmarkt und Lebensqualität stellen dabei das Gerüst da, insgesamt wurden 88 Indikatoren für die Rangliste verwendet.

Allerdings sagt das Gesamtabschneiden (die Ergebnisse können in der dazugehörigen interaktiven Infografik überprüft werden) nur bedingt etwas über die Familienfreundlichkeit aus. Dazu braucht es einen Blick ins Detail.

Die Kitaversorgung.

Für berufstätige Eltern ist es eine der wichtigsten Fragen überhaupt, wie es um die Chancen auf Kita-Plätze bestellt ist. Insgesamt lässt sich feststellen, dass die Situation in den neuen Bundesländern besser ist. Keine Überraschung ist es daher, dass die Liste hinsichtlich der Versorgung mit Kita-Plätzen von Rostock und Jena angeführt wird, in denen 60 bzw. 58 Prozent der unter Dreijährigen einen Platz erhalten. Ähnlich gut sind die Voraussetzungen in Potsdam, Cottbus, Dresden, Magdeburg und Halle/Saale.

Aber: Platz 3 geht dennoch an das bayrische Erlangen, zudem konnten vor allem Halle/Saale, Potsdam und Cottbus in den vergangenen Jahren mit dem Bedarf nicht mehr mithalten: Neue Kita-Plätze entstehen nicht schnell genug, in Zukunft könnte die Versorgungsituation deshalb kippen.

Die schulische Ausbildung.

Wenn es um die schulische Laufbahn geht, können natürlich ganz unterschiedliche Zielsetzungen betrachtet werden:

  • Die Städte, in denen Schüler wenigstens mit einem Hauptschulabschluss in ihr Berufsleben starten, sind Mainz, Heidelberg und Leverkusen. Die Abbrecherquote liegt beim Spitzentrio zwischen 1,2 und 3,3 Prozent. Dass es wesentlich schlimmer sein kann, beweisen Gelsenkirchen mit knapp 12 Prozent, kaum besser sind die Bedingungen in Halle/Saale (11,6 Prozent) oder Ludwigshafen (11,3 Prozent).
  • Auch beim Abitur liegt Mainz vorne, ganze 61 Prozent der Schulabgänger können ihr Abi vorweisen. In Jena (58 Prozent) und Darmstadt (57 Prozent) sind es kaum weniger Abiturienten. Zum Vergleich: In Salzgitter liegt die Quote nur bei 20 Prozent.

Die Ausbildungschancen.


Schulabschlüsse sind natürlich nur dann interessant, wenn sie einen guten Start ins Berufsleben ermöglichen. Das setzt wiederum voraus, dass besonders für diejenigen, die es nicht an die Hochschulen zieht, ausreichend viele Ausbildungsplätze vorhanden sind. Die größte Auswahl haben Ausbildungssuchende in Regensburg, wo auf 100 Interessenten 120 mögliche Ausbildungsstellen warten. Ebenfalls gut sind die Aussichten in Würzburg (111), Freiburg (110) sowie Erlangen, Fürth und Nürnberg (je 109) – der Süden der Republik liegt in dieser Hinsicht vor dem Rest. In Kiel und Krefeld hingegen besteht ein Übergewicht auf Seite der Interessenten.

Das Thema Sicherheit.

Beim Thema Sicherheit legt das WiWo-Ranking das Hauptaugenmerk auch auf die Anzahl der Straftaten und die Aufklärungsquote der jeweiligen Polizei. In Augsburg erreicht die Polizei eine Quote von 70 Prozent, ähnlich gut ist die Polizeiarbeit in Offenbach und Dresden (beide 69 Prozent). Umgekehrt drohen den Einwohnern von Fürth, Erlangen und Salzgitter vergleichsweise wenige Straftaten.

Die medizinische Versorgung.

Die medizinische Versorgung wird an zwei Indikatoren festgemacht:

  • Die Anzahl der Krankenhausbetten, gesehen auf 100.000 Einwohner. Die ist in Erlangen mit 200 Betten am besten, gefolgt von Heidelberg (189) und Regensburg (188). In Salzgitter sind es lediglich 43 Betten.
  • Bei der Versorgung mit Ärzten belegt Freiburg Platz 1, dort kommen 391 Ärzte auf 100.000 Einwohner. In Heidelberg sind es auch noch 388 Ärzte. Im Ruhrgebiet insgesamt gestaltet sich die Ärztesituation fast durchweg schlecht: Auf den letzten elf Plätzen befinden sich Städte aus dem Pott, Dortmund mit 131 auf dem letzten.

Die Spiel- und Erholungsflächen.

Betrachtet man das Verhältnis von versiegelten und bebauten Flächen zu Grünflächen, ist das Gefälle ebenfalls recht groß: Während es in Pforzheim anteilig ausgeglichen ist, gibt es in Oldenburg, Mainz und Erfurt nur noch zehn Prozent naturnaher Flächen – das ist nicht nur für Kinder eher unerfreulich.

Kein eindeutiges Ergebnis

Eine grundsätzliche Ablehnung der Stadt als Lebensort für Familien mit Kindern besteht nicht, allerdings bieten die wenigsten deutschen Städte das berüchtigte „Gesamtpaket“ – Abstriche bei der Familien- und Kinderfreundlichkeit müssen im Prinzip überall gemacht werden. Trotzdem bieten sich in vielen Bereichen natürlich Vorteile: auf dem Arbeitsmarkt für die Eltern beispielsweise oder bei der Versorgung mit Kita-Plätzen für die Kinder.

Das „oder“ ist hierbei nicht ganz unerheblich, da die Vorzüge ungleich verteilt sind. Nicht nur auf die relevanten Kriterien gesehen, sondern auch regional betrachtet. Am Ende kommt es ohnehin auf die persönlichen Erfahrungen an. Darauf, ob man sich als Familie vor Ort wohl fühlt. Auf die Ansprüche, die man an das Wohnumfeld Stadt anlegt. Immerhin sind es viele unterschiedliche Faktoren, die eine familienfreundliche Stadt ausmachen.

 
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