Späte Schwangerschaft Schwanger durch künstliche Befruchtung

Im Geburtsvorbereitungskurs sitzen neuerdings immer mehr Anfang-Vierzigjährige: Spät Kinder zu bekommen liegt im Trend. Was sind die Gründe dafür? Welche Vorteile hat das – und welche Nachteile?

„Nach 24 Versuchen hat es endlich geklappt!“

STEFANIE KAZOKOGLU (44) BEKAM IHREN SOHN EREN DANK KÜNSTLICHER BEFRUCHTUNG

Eigentlich habe ich mir drei Kinder gewünscht. Jetzt bin ich dankbar für das eine! Nach 15 Jahren und 24 künstlichen Befruchtungen halte ich endlich mein Wunschkind im Arm. Mit 27, als ich nach der Hochzeit die Pille absetzte, dachte ich noch, dass es gleich klappen würde. Als sich nach einem halben Jahr nichts tat, suchten mein Mann und ich einen Arzt auf. „Alles okay, das wird schon noch!“, beruhigte der uns. Nach einem Jahr war ich immer noch nicht schwanger. Dann eben mit medizinischer Hilfe, dachten wir. Es blieb nicht bei einem Versuch. Nach 15 – da war ich 35 – konnte ich nicht mehr. Wir hatten alles probiert: Sperma-Aufbereitung, Petrischale, Spermieninjektion. An die täglichen Hormonspritzen habe ich mich nie gewöhnt!

Am schlimmsten aber war das emotionale Auf und Ab: Jeden Monat hofften wir – und wurden enttäuscht. Ich merkte, wie mein Mann darunter litt, so hilflos zu sein. Trotzdem blieb der Wunsch. Als ich mit 40 eine Bekannte traf, die mithilfe einer Klinik in Österreich schwang er geworden war, wollte ich es noch einmal probieren. Beim zweiten Versuch klappte es. Das Glück währte kurz. Es war ein „Windei“, zwar befruchtet, aber es wuchs nichts. Doch ich gab nicht auf. Denn nun wusste ich: Ich kann schwanger werden. Beim vierten Versuch klappte es erneut. Diesmal schien alles in Ordnung. Doch wieder folgte die Enttäuschung: Im sechsten Monat wurde festgestellt, dass sich das Gehirn des Babys nicht richtig ent wickelt hatte.

Ich fiel in ein schwarzes Loch – aus dem ich mich nur mit Hilfe meines Mannes befreien konnte. Nächtelang weinten wir und redeten. Und entschieden gemeinsam, es weiter zu probieren – auch, um über den Schmerz hinwegzukommen. Durch Zufall stieß ich im Urlaub in Istanbul auf eine neue Methode: Dabei reift die Eizelle gemeinsam mit Zellen aus der Gebärmutterschleimhaut heran. Es klappte sofort! Ich konnte mich aber erst freuen, als die Ultraschallunter suchung Entwarnung gab. Trotzdem blieb die Angst: vor der Geburt, vor Kindstod und jetzt, dass Eren sich beim Spielen irgendwo schwer verletzt. Meine Freundin sagt, ich sei eine Glucke. Sie hat recht, aber ich weiß, wie schnell das Glück vorbei sein kann.

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