Das Ende einer Beziehung Der ganz große Knall

Wenn uns etwas zu sehr belastet, sollten wir einen Schlussstrich ziehen. Doch das ist nicht leicht. Warum es uns oft so schwer fällt, loszulassen – und wie es dennoch gelingt


Den ganz großen Knall, um das Alte loslassen und etwas Neues beginnen zu können, braucht es also nicht immer. Die Expertin Barbara Berckhan ist davon überzeugt, dass man wie Ulrike auch zu einer Entscheidung kommen kann, wenn man sich bewusst die Zeit nimmt zum Überlegen. Sie rät:
1. Seien Sie ehrlich mit sich selbst. Bekennen Sie sich dazu, dass es etwas gibt, was Sie innerlich nicht mehr wollen.
2. Schreiben Sie eine Negativliste. Notieren Sie jedes Detail, das Sie nervt oder das Sie nicht mehr wollen.
3. Entdecken Sie Ihre Vision. Schreiben Sie zu jedem negativen Detail, was Sie sich wünschen: Wie könnte das Positive aussehen? Wie hätten Sie es gern?
4. Stellen Sie sich die wichtige Frage: Könnten Sie in den alten Verhältnissen das bekommen, was Sie sich wünschen? Gibt es Möglichkeiten, wie Sie das Bestehende verbessern könnten? Wenn ja, dann setzen Sie sich kleine, konkrete Ziele und machen Sie sich daran, Schritt für Schritt Ihre Vorstellungen durchzusetzen. Wenn Sie das Bestehende nicht wesentlich verbessern können, dann könnte es Zeit für einen Wechsel oder einen Ausstieg sein.
5. Handeln Sie nicht überstürzt. Überlegen Sie zuerst, welche Vorteile Sie von einer Veränderung hätten, aber auch, welche Risiken Sie eventuell eingehen.
6. Gehen Sie planvoll an die Sache heran. Sammeln Sie Informationen, um das Risiko abzuschätzen. Befragen Sie zum Beispiel Leute, die das, was Sie vorhaben, schon mal gemacht haben.
7. Denken Sie immer wieder an das, was Sie sich wünschen. Mit einer klaren positiven Vision können Sie sich selbst motivieren, besonders dann, wenn Ihnen der Umbruch Angst macht.

„Wahres Leben bewegt sich
nach vorn in unbekannte Bereiche“, sagt der Psychoanalytiker Wilhelm Reich. Eva und Ulrike sind diesen Schritt gegangen, haben Altes hinter sich gelassen, Neues begonnen – und dadurch auch mehr Erfahrungen gewonnen. „Ab dem Moment, als ich den Entschluss zum definitiven Ende gefasst hatte, spürte ich in mir eine ganz neue Leidenschaft aufkommen, und mir war klar, wie mein zukünftiges Leben aussehen soll“, sagt Eva, die heute 38 Jahre alt ist.

Als sie sich schlussendlich von ihrem Mann trennte, brachte sie bei ihrem Vermieter eine Mietminderung durch, um sich finanziell ein Polster anzulegen, holte ihre Mutter zur Unterstützung ins Haus und meldete sich bei ihrem alten Arbeitgeber. Der stellte sie zwar nicht wieder ein, aber kurze Zeit später hatte die gelernte Industriekauffrau einen Job bei einer Konkurrenzfirma. Sie hatte auch neues Selbstbewusstsein, war wieder mit sich im Reinen, erfüllt und befreit. Angst davor, irgendwann wieder einen Schlussstrich ziehen zu müssen, hat sie nicht. Eva sagt: „Denn heute weiß ich: Es ist immer möglich, einen anderen Weg zu gehen.“  

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