Das Ende einer Beziehung Ein Leben mit hohem Geschwindigkeitslevel

Wenn uns etwas zu sehr belastet, sollten wir einen Schlussstrich ziehen. Doch das ist nicht leicht. Warum es uns oft so schwer fällt, loszulassen – und wie es dennoch gelingt


Wir können einiges kompensieren, schönreden. Doch irgendwann können wir die Unzufriedenheit nicht mehr wegwischen. Und dann endlich schaffen wir es auch, zu handeln. Psychologen sagen, dass der Mensch eine intuitive Trennungskompetenz besitzt. Dass wir spüren, dass unsere eigene Entwicklung blockiert wird und eine Veränderung ansteht. Wann man es sich erlauben darf, eine Sache zu beenden.
Bei Ulrike, 52, aus Rheine, war es vor fünf Jahren so weit. Da setzte sie sich zusammen mit ihrer Familie an einen Tisch und sagte: „Nein.“ Zum Stress, der Belastung und der vielen Zeit, die sie für andere da war. Jahrzehnte lebte Ulrike, wie sie sagt, „ein Leben mit hohem Geschwindigkeitslevel“ und opferte sich für ihre Familie, die Hausarbeit und die Arbeit in einem Immobilienbüro auf. Dann erlitt sie vor sieben Jahren einen leichten Schlaganfall – und machte aber trotzdem so weiter wie bisher. „Ich wollte niemanden enttäuschen, meine Arbeitskollegen nicht und meine Familie ebenso wenig. Ich habe lange gebraucht, um mir einzugestehen, dass ich selbst eigentlich etwas anderes will.“ Nachdem sie merkte, dass ihre Stimmung immer schlechter, ihre Kraft immer weniger wurde und das auch ihre Beziehung belastete, nahm sie sich ein Herz, sprach mit ihrem Mann und ihren Söhnen. Nach vielen Gesprächen entschieden sie sich, in ein kleineres Haus zu ziehen. Außerdem machte Ulrike sich mit einem Immobilienbüro selbstständig, um ihre Zeit besser einteilen zu können. Nun malt sie, trifft sich öfter mit Freundinnen und singt in einem Chor. Sie hat die Prioritäten in ihrem Leben endlich verschoben. „Ich bin froh, dass ich diese Veränderung gewagt habe, obwohl ich Angst vor den Reaktionen meiner Umwelt hatte – und eigentlich war es ganz einfach, Nein zu sagen.“
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