Das Ende einer Beziehung Ein Schritt ins Unbekannte

Wenn uns etwas zu sehr belastet, sollten wir einen Schlussstrich ziehen. Doch das ist nicht leicht. Warum es uns oft so schwer fällt, loszulassen – und wie es dennoch gelingt


Im Unterschied zum Neuen gibt uns das Gewohnte, allein schon weil wir es kennen, etwas Bequemes: Stabilität. „Es ist wie eine Komfortzone, in der wir mit dicken Pantoffeln an den Füßen in einem Lehnstuhl sitzen“, sagt Barbara Berckhan. „Es fällt schwer, aus dieser Zone aufzustehen, die Schuhe anzuziehen, die Haustür zu öffnen und neue Wege zu gehen.“ Denn es wären Schritte ins Unbekannte. Und das könnte herausfordernd, anstrengend – oder sogar noch schlimmer als das Bestehende sein. So finden sich Menschen lieber mit dem vertrauten Unglück ab, als nach dem vielleicht wahren Glück zu suchen.

Eva wusste schon lange,
worauf sie sich bei ihrem Mann eingelassen hatte. Als sie sich in ihn verliebte, erfuhr sie: Er hat Schulden. Und sie merkte schnell, dass er aufbrausend war. „Aber ich spürte, da gab es Hoffnung. Ich hatte immer das Gefühl, dass er ein guter Vater werden würde.“ Doch nachdem ihr erstes Kind auf der Welt war, ging ihr Mann lieber mit Freunden aus. Also kümmerte sich Eva allein um die Tochter, nahm vier Jahre Erziehungszeit und steckte damit auch finanziell zurück. Während ihr Mann voller Wünsche war, gönnte sie sich nichts. Ein Phänomen, das viele Frauen kennen: Die Familie steht im Vordergrund, die eigenen Bedürfnisse werden zurückgeschraubt. Man verdrängt, was einen stört. Und klammert sich an die Zukunft. Auch Eva hielt sich daran fest, dass nach jedem Tief immer wieder ein Hoch kam, sah Licht am Ende des Tunnels. „Ich dachte: Es wird schon alles wieder. Sobald ich wieder arbeiten gehe, bin ich mit meinen Bedürfnissen dran. Und dann würden auch wir zwei es erneut packen.“

Wenn sie heute auf ihre Entscheidung zurückblickt, sich von ihrem Mann zu trennen, sagt sie: „Es war ein schleichender Prozess.“ Tatsächlich ziehen wir oft erst dann einen Schlussstrich, wenn die Situation, in der wir uns befinden, sehr wehtut und uns über geraume Zeit quält. Es muss viel zusammenkommen, um die Ängste, die uns am Aufbruch hindern, zu besiegen. „Obwohl das Beenden zu jeder Lebensgeschichte gehört, wehren sich viele eine lange Zeit dagegen“, sagt Barbara Berckhan. Denn dem Beenden haftet ein Makel an: Wir denken, wir hätten versagt, die falsche Entscheidung getroffen. Wir müssen andere zurücklassen. So ist der Weg zum „Nein“ belegt mit schwierigen Gefühlen: Angst, Trauer und Scham. „Für einen Neuanfang gibt es deshalb oft nur zwei Impulse“, sagt Barbara Berckhan. „Der eine ist die Verlockung, weil wir etwas sehen, das wir unbedingt haben wollen – und der andere ist der Schmerz.“
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