Interview

Sonnenschutz ab 40: Wie viel Anti-Aging steckt wirklich in der Tube?

Braucht unsere Haut ab 40 wirklich jeden Tag LSF 50 – selbst im Büro? Und halten Kombi-Produkte mit Hyaluron überhaupt, was sie versprechen? Dermatologe Dr. Philipp M. Buck räumt im Exklusiv-Interview mit Mythen auf und verrät, worauf es beim Sonnenschutz wirklich ankommt.

Frau mit dem besten Sonnenschutz auf den Lippen
© Foto: shockshots korea/iStock

Ab 40 verändert sich der Blick in den Spiegel: Feine Fältchen um die Augen, kleine Pigmentflecken oder eine Haut, die spürbar an Feuchtigkeit verliert. Dass Sonnenschutz eine Schlüsselrolle für gesunde Haut spielt, ist längst kein Geheimnis mehr. Doch im turbulenten Alltag zwischen Job und Terminen lösen die unzähligen Beauty-Regeln oft eher Überforderung als Strahlen aus.

Müssen wir selbst bei grauem Himmel zu LSF 50 greifen? Reicht die vertraute Tagespflege aus der Drogerie noch aus? Und was bringen Hype-Wirkstoffe wie Niacinamid in der Sonnencreme wirklich? Schluss mit Halbwissen und Marketing-Mythen: Dermatologe Dr. Philipp M. Buck bringt im Gespräch wissenschaftliche Klarheit in unser Badezimmer – pragmatisch, ehrlich und erfrischend undogmatisch.

Wie viel LSF braucht die Haut ab 40?

fuersie.de: "Welche Lichtschutzfaktoren empfehlen dermatologische Leitlinien für die tägliche Anwendung im Gesicht ab dem 40. Lebensjahr? Reicht eine Tagespflege mit LSF 15 oder 20 im Alltag aus, oder ist ein höherer Lichtschutz aus dermatologischer Sicht sinnvoll?"

Dr. Buck: "Ab 40 wird Sonnenschutz nicht plötzlich wichtiger als vorher, aber die Folgen jahrelanger UV-Exposition werden sichtbarer: Pigmentflecken, Elastizitätsverlust, Rötungen, aktinische Schäden. Ich halte allerdings wenig von der pauschalen Botschaft, jede Frau müsse jeden Morgen ganzjährig LSF 50 tragen, völlig unabhängig davon, ob sie überhaupt relevante UV-Strahlung abbekommt.

Entscheidend ist die tatsächliche UV-Last: Jahreszeit, UV-Index, Aufenthaltsdauer im Freien, Arbeitsplatz am Fenster, Hauttyp oder auch medikamentöse Einflüsse. Eine Tagespflege mit LSF 15 oder 20 ist besser als gar kein Schutz, aber für das Gesicht im Sommer oder bei regelmäßiger Außenexposition aus dermatologischer Sicht meist zu wenig.

Der Haken liegt in der Praxis: Der angegebene LSF wird unter Laborbedingungen mit einer sehr großzügigen Auftragsmenge bestimmt. Im Alltag cremen wir alle deutlich dünner, wodurch der reale Schutz weit unter dem Packungswert liegt. Besonders trügerisch ist das, wenn die Creme morgens viele Stunden vor der ersten echten Sonnenexposition aufgetragen wird: Sie vermittelt Sicherheit, liefert nachmittags aber kaum noch belastbaren Schutz.

Wenn relevante UV-Exposition ansteht, empfehle ich deshalb mindestens LSF 30. Bei heller Haut, Pigmentflecken, Rosazea, nach Laserbehandlungen oder im Sommer ist LSF 50 beziehungsweise 50+ die bessere Wahl. Immer kombiniert mit einem soliden UVA-Schutz (zu erkennen am eingekreisten UVA-Symbol).

Sonnenschutz ist für mich übrigens die letzte Stufe der Prävention, nicht die einzige. Am wirksamsten bleibt es, die intensive Mittagssonne zu meiden und auf Schatten, Hüte, Sonnenbrillen sowie Textilien zu setzen. Die Sonnencreme schützt dann gezielt die Hautstellen, die unbedeckt bleiben.

Für einen reinen Bürotag mit niedrigem UV-Index und kurzem Arbeitsweg braucht es keinen Daily-SPF-Zwang. Sobald aber regelmäßige UV-Exposition ins Spiel kommt, hat ein echter Gesichtssonnenschutz mit LSF 30 bis 50 klar die Nase vorn."

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Unser Experte
Dr. Philipp M. Buck

Dr. med. Philipp M. Buck ist niedergelassener Facharzt für Dermatologie und leitet die Praxis CUTANEUM für Dermatologie, Lasertherapie und medizinische Kosmetik in Hamburg-Eppendorf. Als Experte für Hautgesundheit, Hautkrebsvorsorge und moderne medizinische Ästhetik legt er besonderen Wert auf evidenzbasierte Aufklärung. Sein Fokus liegt darauf, komplexe wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu übersetzen und Patientinnen pragmatische, wissenschaftlich fundierte Empfehlungen für eine gesunde Haut im Alltag an die Hand zu geben.

fuersie.de: "Kann eine moderne Sonnencreme im Sommer gleichzeitig die Funktion einer Tagespflege übernehmen und als Make-up-Unterlage dienen, oder bietet eine separate Feuchtigkeitspflege zusätzliche Vorteile für die Haut?"

Dr. Buck: Ja, absolut. Bei normaler, Misch- oder fettiger Haut kann eine moderne Gesichtssonnencreme im Sommer problemlos die Tagespflege ersetzen. Viele aktuelle Formulierungen enthalten Feuchthaltefaktoren, hautberuhigende Substanzen oder Antioxidantien und funktionieren kosmetisch hervorragend wie ein Primer. Wichtig ist nur, dass das Produkt angenehm ist, nicht brennt, nicht abrollt und Sie es großzügig auftragen. 

Eine separate Feuchtigkeitspflege braucht man vor allem dann, wenn die Haut trocken, irritiert oder barrieregestört ist, wie bei Neurodermitis, Rosazea, unter Vitamin A-Säure-Therapie oder in den Wechseljahren. In diesem Fall trägt man zuerst eine dünne Pflege auf (z. B. ein Serum), lässt diese kurz einziehen und schließt mit der Sonnencreme ab, bevor das Make-up folgt. Auch getönte Sonnencremes sind eine tolle Option.

Achten Sie nur darauf, dass Hauptzweck des Produkts wirklich der Sonnenschutz ist. Normale Tagescremes oder Make-ups mit integriertem UV-Filter werden im Alltag meist viel zu dünn und nur einmal täglich aufgetragen, um verlässlichen Schutz zu bieten. 

fuersie.de: "Ist täglicher Sonnenschutz auch dann sinnvoll, wenn man den Großteil des Tages im Büro verbringt? Welche Rolle spielt die UVA-Strahlung, die durch Fensterglas dringen kann, für lichtbedingte Hautalterung und das Hautkrebsrisiko?"

Dr. Buck: "Das hängt stark von den tatsächlichen Bedingungen ab. Wer überwiegend weit weg vom Fenster sitzt und nur kurze Wege draußen zurücklegt, hat im Grunde keine relevante UV-Last. Für solche Tage halte ich einen starren Daily-SPF-Zwang für unnötig. Passen Sie den Schutz lieber an Ihre reale Exposition an: UV-Index, Weg zur Arbeit, Mittagspause im Freien oder lange Autofahrten sind hier entscheidend.

Gleichzeitig darf man UVA-Strahlung keineswegs unterschätzen. Sie dringt tiefer in die Haut ein als UVB und fördert oxidativen Stress, Pigmentstörungen sowie Kollagenabbau. Normale Fensterscheiben blocken UVB zwar weitgehend ab, lassen UVA jedoch zum Teil durch. Das wird dann relevant, wenn man regelmäßig direkt am Fenster sitzt, viel Auto fährt oder ohnehin zu Melasma, Rosazea oder aktinischen Schäden neigt. In solchen Fällen ist ein Breitband-Sonnenschutz im Gesicht eine gezielte Prävention. 

Wichtig bleibt die richtige Einordnung: Morgens dünn aufgetragene Creme verliert über den Tag durch Talg, Schweiß und Reibung an Wirkung. Wer mittags länger rausgeht, legt deshalb am besten frischen Schutz nach. Für reine Indoor-Tage gilt: Kirche im Dorf lassen. Für echte Sonnenstunden: konsequent schützen."

Die klassische Gegenüberstellung von 'sanft-mineralisch' versus 'bedenklich-chemisch' greift zu kurz.

Mineralisch oder chemisch: Welcher Filter schützt besser?

fuersie.de: "Beim Blick auf die Inhaltsstoffe stehen Verbraucher häufig vor der Wahl zwischen mineralischen und organischen UV-Filtern. Welche Vor- und Nachteile haben beide Filterarten hinsichtlich Schutzwirkung, Hautverträglichkeit und kosmetischer Akzeptanz? Ist der früher häufig beschriebene Weißel-Effekt mineralischer Filter heute überhaupt noch ein relevantes Problem?"

Dr. Buck: "Die klassische Gegenüberstellung von 'sanft-mineralisch' versus 'bedenklich-chemisch' greift zu kurz. Fachlich unterscheidet man zwischen organischen und anorganischen Filtern, chemische Substanzen sind beide. Organische Filter absorbieren UV-Strahlung; die anorganischen Filter Zinkoxid und Titandioxid tun das ebenfalls, streuen und reflektieren das Licht aber zusätzlich.

Moderne organische Filtersysteme bieten heute einen extrem hohen, stabilen Schutz und sind kosmetisch meist deutlich eleganter. Sie lassen sich transparent formulieren und sind keineswegs automatisch schlechter verträglich. Gerade im Gesicht sind sie für viele der alltagstauglichere Favorit.

Anorganische Filter haben ihre Berechtigung, sind aber nicht per se die „sauberere“ Lösung. Es kommt immer auf die Gesamtrezeptur an. Unbeschichtetes Zinkoxid kann unter UV-Einwirkung beispielsweise photochemisch aktiv werden und in Hybridformulierungen organische Filter destabilisieren.

Der Weißel-Effekt ist dank mikronisierter Partikel zwar deutlich geringer als früher, aber nicht völlig verschwunden. Bei rein mineralischen Produkten mit hohem LSF oder auf dunkleren Hauttönen bleibt er spürbar. Lassen Sie sich bei der Wahl am besten von einer angenehmen Textur und einem verlässlichen Breitbandschutz leiten, den Sie auch gerne in ausreichender Menge tragen."

fuersie.de: "In den vergangenen Jahren wurde wiederholt über den UV-Filter Octocrylen und mögliche Benzophenon-Gehalte in gealterten Sonnenschutzprodukten berichtet. Wie bewerten Sie die aktuelle wissenschaftliche Evidenz zu diesem Thema? Sollten Sonnencremes nach Ablauf der Haltbarkeit oder nach längerer Lagerung grundsätzlich entsorgt werden, und worauf sollten Verbraucherinnen beim Blick auf die INCI-Liste achten?"

Dr. Buck: "Octocrylen ist ein zugelassener Filter. Die Debatte entstand, weil sich Octocrylen in überlagerten Produkten unter ungünstigen Bedingungen zu Benzophenon abbauen kann. Das ist ein Stoff, der wegen möglicher hormoneller Wirkungen kritisch gesehen wird. Das Bundesinstitut für Risikobewertung gibt hier jedoch Entwarnung für den Alltag: In Marktuntersuchungen waren die Werte überwiegend unbedenklich, und bei sachgemäßer Anwendung wird kein gesundheitliches Risiko erwartet. 

Daher gilt eine einfache Regel: Sonnencreme nach Ablauf des Mindesthaltbarkeitsdatums, nach Überschreiten des PAO-Symbols (z. B. „12M“ nach dem Öffnen) oder nach langer Lagerung in der Sommerhitze gehört entsorgt. Das gilt übrigens unabhängig vom Filter, da auch Textur, Schutzwirkung und Mikrobiologie unter Alterung leiden. Produkte mit verändertem Geruch oder entmischter Konsistenz wandern direkt in den Müll. 

Wer Octocrylen meiden möchte, achtet in der INCI-Liste auf “Octocrylene”. Wer zusätzlich bestimmte ältere Filter meiden möchte, sucht nach “Benzophenone-3” beziehungsweise Oxybenzone. Unabhängig davon fährt man am besten mit einem frischen, gut gelagerten Produkt."

fuersie.de: "Manche Frauen berichten, dass sie durch reichhaltige Sonnenschutzprodukte wieder Unreinheiten entwickeln. Welche Hautreaktionen können Sonnenschutzprodukte tatsächlich begünstigen? Wie unterscheiden sich Mallorca-Akne (Acne aestivalis), klassische Akne und Acne tarda, und woran erkennt man nicht-komedogene Formulierungen?"

Dr. Buck: "Reichhaltige oder stark okklusive Texturen können bei manchen Hauttypen Unreinheiten oder Reizungen begünstigen. Gelegentlich kommt es zu Mitessern, Milien, Reizungen der Haarfollikel oder Überempfindlichkeiten wie einer perioralen Dermatitis. Das sind allerdings insgesamt eher seltene Nebeneffekte. 

Die sogenannte Mallorca-Akne ist dabei gar keine echte Akne. Es handelt sich um eine sonnenbedingte Reaktion, die eher einer Sonnenallergie ähnelt. Typisch dafür sind juckende, gleichmäßige Knötchen nach intensiver Sonne, meist an Dekolleté, Schultern oder Rücken. Klassische Mitesser fehlen hier völlig. Hitze, Schweiß und fettige Produkte können dieses Bild verstärken. 

Klassische Akne zeigt dagegen typische Mitesser, Pusteln und tiefere Entzündungen. Die Erwachsenenakne (Acne tarda) tritt ab dem 25. Lebensjahr auf und konzentriert sich häufig auf Kinn und Kieferlinie, oft getriggert durch hormonelle Schwankungen oder Stress. 

Bei unreiner Haut sind leichte Formulierungen wie Gel-Cremes oder Fluids ideal. Hinweise wie 'nicht komedogen', 'oil-free' oder 'mattierend' geben eine gute Orientierung. Wichtig ist zudem, die Haut abends gründlich, aber mild von Produktresten zu befreien."

Kombi-Produkte: Sinnvoll oder Marketing-Trick?

fuersie.de: "Viele Sonnenschutzprodukte werben zusätzlich mit Inhaltsstoffen wie Hyaluronsäure, Niacinamid oder Vitamin E. Können diese Wirkstoffe in einer Sonnenschutzformulierung einen nachgewiesenen zusätzlichen Nutzen für die Haut bieten, oder steht die Schutzwirkung vor UV-Strahlung eindeutig im Vordergrund?"

Dr. Buck: "Zusatzstoffe können nett sein: Hyaluronsäure bindet Feuchtigkeit, Niacinamid beruhigt Rötungen und Vitamin E puffert oxidativen Stress ab. Aus dermatologischer Sicht steht bei einer Sonnencreme aber ganz klar die Schutzfunktion an erster Stelle.

Ich bin bei solchen Kombiprodukten eher zurückhaltend. Sonnencreme ist eine technisch hochkomplexe Formulierung, bei der die Filter einen stabilen Film bilden müssen. Eingearbeitete Pflege-Wirkstoffe sind darin nicht selten ein Kompromiss: Entweder sie vertragen sich nicht ideal mit der Basis, oder sie sind so gering dosiert, dass der Effekt eher dem Marketing dient.

Eine sauberere Lösung ist es meist, Pflege und Schutz zu trennen: Morgens ein gezieltes Serum (z. B. mit Niacinamid oder Antioxidantien) auftragen und darüber einen gut formulierten Breitband-Sonnenschutz geben. So kann der Wirkstoff optimal einziehen und die Sonnencreme erfüllt ungestört ihren eigentlichen Zweck."

fuersie.de: "Wer im Drogeriemarkt eine alltagstaugliche Sonnencreme fürs Gesicht sucht, wünscht sich meist ein Produkt, das nicht klebt, unter Make-up gut funktioniert und die Augen nicht reizt. Auf welche Eigenschaften, Formulierungen oder Filtertechnologien sollten Verbraucherinnen beim Kauf besonders achten?"

Dr. Buck: "Für den Alltag sind leichte Fluids oder Gel-Cremes meist am angenehmsten. Achten Sie auf LSF 30 bis 50+, das eingekreiste UVA-Logo und Hinweise wie 'nicht komedogen'. Wer zu Glanz neigt, greift zu mattierenden Formulierungen; trockene Haut profitiert von Zutaten wie Glycerin, Ceramiden oder Squalan.

Damit das Produkt unter Make-up funktioniert, braucht es vor allem etwas Zeit zum Setzen. Nach dem Auftragen ein paar Minuten warten und das Make-up danach eher sanft eintupfen statt verreiben. Bei Neigung zu Pigmentflecken oder Melasma lohnt sich ein Blick auf getönte Produkte: Die enthaltenen Eisenoxide schirmen zusätzlich sichtbares Licht ab, das Pigmentierungen ebenfalls verstärken kann. 

Gute Filterbausteine auf der INCI-Liste sind beispielsweise moderne UVA-Filter wie Uvinul® A Plus, Tinosorb® S, Tinosorb® M oder Uvinul® T150. Das europäische UVA-Logo garantiert, dass der UVA-Schutz mindestens ein Drittel des angegebenen UVB-LSF ausmacht." 

Die Lider werden beim Eincremen extrem häufig ausgespart, obwohl dort rund fünf bis zehn Prozent aller Hautkrebsfälle im Gesicht entstehen.

fuersie.de: "Darf eine normale Sonnencreme auch bis an die Augenpartie beziehungsweise den Lidrand aufgetragen werden, oder empfehlen Sie dort spezielle Formulierungen für empfindliche Haut?"

Dr. Buck: "Ja, unbedingt. Die Lider werden beim Eincremen extrem häufig ausgespart, obwohl dort rund fünf bis zehn Prozent aller Hautkrebsfälle im Gesicht entstehen, eine erstaunlich hohe Zahl für so eine kleine Fläche. Ähnliche Stiefkinder im Alltag sind der Haaransatz, der Scheitel und die Ohren. 

Ein gut verträglicher Gesichtssonnenschutz darf und sollte sanft auf Ober- und Unterlid sowie die seitliche Augenpartie aufgetragen werden. Aussparen sollte man lediglich die feuchte Lidkante und das Auge selbst. Ideal sind Augen-freundliche, duftstoffarme Formulierungen, die nicht in die Augen kriechen. Spezielle Augen-Sticks sind eine Option, wenn die normale Creme brennt, aber kein Muss.

Ergänzend gilt: Eine Sonnenbrille mit UV400-Schutz schützt die Augenpartie perfekt, und ein Hut deckt Scheitel und Haaransatz ab."

fuersie.de: "Studien gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil der sichtbaren Hautalterung auf chronische UV-Exposition zurückzuführen ist. Wie groß ist der Einfluss konsequenten täglichen Sonnenschutzes tatsächlich – und lässt sich die Hautalterung dadurch nachweislich verlangsamen?"

Dr. Buck: "Ja, das ist klinisch eindrucksvoll belegt. Eine große Studie über 4,5 Jahre zeigte, dass Personen bei täglicher Anwendung eines Breitband-Sonnenschutzes keine messbare Zunahme der Hautalterung aufwiesen. Im Vergleich zu einer Gruppe mit nur gelegentlicher Nutzung entsprach das einer um 24 Prozent geringeren Alterungsprogression. 

Auch beim Hautkrebsrisiko zeigt sich dieser Langzeiteffekt deutlich in reduzierten Raten für Plattenepithelkarzinome und Melanome. 

Man sollte Sonnenschutz natürlich realistisch einordnen: Er stoppt nicht die genetisch oder hormonell bedingte Alterung. Aber er bremst den Großteil der lichtbedingten Schäden wie Knitterfältchen, Rötungen, Pigmentverschiebungen und einen unruhigen Hautton spürbar ab."

fuersie.de: "Viele Menschen konzentrieren sich vor allem auf den Lichtschutzfaktor und damit auf den UVB-Schutz. Welche Bedeutung hat der UVA-Schutz für die Hautalterung, und woran erkennt man ein Produkt mit ausreichend hohem UVA-Schutz?"

Dr. Buck: "Der LSF gibt primär Auskunft über den Schutz vor UVB-Strahlung, die für Sonnenbrand verantwortlich ist. Für die Hautalterung ist UVA aber mindestens genauso relevant: Diese Strahlung dringt tiefer in die Dermis ein, baut Kollagen ab und fördert Pigmentstörungen. Zudem ist UVA das ganze Jahr über recht konstant, dringt durch Wolken und Fensterscheiben. 

Achten Sie beim Kauf deshalb immer auf das eingekreiste UVA-Symbol. Es stellt sicher, dass der UVA-Schutz im angemessenen Verhältnis zum LSF steht. Wer zu Melasma, Rosazea oder Pigmentflecken neigt, profitiert besonders von hohem UVA-Schutz sowie getönten Produkten."

Die häufigsten Fehler beim Eincremen

fuersie.de: "Der angegebene Lichtschutzfaktor wird unter standardisierten Bedingungen bestimmt. Wie wichtig ist in der Praxis die tatsächlich aufgetragene Menge an Sonnencreme, und welche Fehler beobachten Sie im Alltag am häufigsten?"

Dr. Buck: "Die Menge ist die halbe Miete. In der Praxis tragen die meisten Menschen nur etwa 20 bis 50 Prozent der Menge auf, die für den ausgewiesenen Schutz nötig wäre. Für das Gesicht dient etwa ein Teelöffel als grobe Orientierung. Für den gesamten Körper braucht man rund ein Schnapsglas (ca. 30 ml). Eine typische 200-ml-Flasche reicht bei korrektem Eincremen also für gerade einmal fünf Anwendungen. 

Die häufigsten Alltagsfehler auf einen Blick:

  • Zu sparsames Auftragen
  • Vergessen von Zonen wie Ohren, Haaransatz und Lidern
  • Eincremen erst draußen in der Sonne statt vorab
  • Fehlendes Nachcremen nach dem Schwitzen oder Baden
  • Verlass auf Make-up oder Tagescreme mit LSF als alleinigen Schutz
  • Die Verwendung alter, überhitzter Produkte aus dem Vorjahr

Sonnenschutz ist eben immer ein Gesamtpaket. Die beste Wirkung erzielt man, wenn großzügiges Eincremen und regelmäßiges Nachcremen Hand in Hand mit Schatten, passender Kleidung und einem Hut gehen."

fuersie.de: Vielen Dank für das aufschlussreiche Interview, Herr Dr. Buck!