Beauty-Produkte Perlmutt, Meerseide und Rotalgen

Perlmutt gegen Falten, Meerseide für glänzendes Haar, Algen als Wirkstoff der Zukunft: Immer mehr Forscher tauchen ab in die Beauty Schatzkammer Ozean – und fördern nicht nur Neues für die Schönheit zu Tage. Auch die Umwelt profitiert!

Perlmuschel Pinctada Maxima Perlmutt, Meerseide und Rotalgen © Jürgen Freund

Braunalgen sind Kraftfutter für die Konturen

Wetten, dass Sie schon mal ein Produkt mit Braunalgenextrakt benutzt haben? Aus den Zellwänden dieser Algenart, die bis zu 70 Meter lang werden kann, wird nämlich Alginat hergestellt – ein gelartiger Stoff, der sowohl für Pudding als auch für Cremes eingesetzt wird. Wissenschaftler haben jetzt herausgefunden, dass in Braunalgen auch Wirkstoffe gegen erschlaffendes Bindegewebe stecken. Einer davon ist der Pflanzenfarbstoff Fucoxanthin, der die Kollagenbildung ankurbelt. Aus den Ästen des weiblichen Knotentangs lassen sich sogar Phytoöstrogene gewinnen, die der Haut nach den Wechseljahren neue Spannkraft verleihen. Auch Phytokollagen stammt aus Braunalgen. Dahinter verbirgt sich zwar kein „echtes“ Kollagen, da dieses nur von Menschen und Tieren gebildet werden kann, aber immerhin ein Eiweiß, das nahezu identisch wirkt. Produkte: z. B. „Solution Power Eye Glow Augencreme“ von Laveré mit Phytokollagen, 15 ml ca. 33 Euro; „Corps d’Exception Körpercreme“ von Thalgo* mit Algenhormonen, 200 ml ca. 138 Euro; „Fluidum Emulsion Tag“ von Tautropfen mit Braunalgen, 30 ml ca. 14 Euro; „Me Time Anti-Aging Moisturizer“ von Voya mit Braunalgen, 50 ml ca. 70 Euro.

Was ist anders an ökologischer Algen-Ernte?

Ozean

Der Ozean muss geschützt werden

Glück kann man nicht kaufen. Aber eine etwas heilere Welt! Immer mehr Kosmetikhersteller gewinnen deshalb ihre marinen Wirkstoffe umweltverträglich oder spenden Teile ihres Verkaufserlöses für den Schutz des Ökosystems Meer. Handarbeit Traditionell werden Algen von Schiffen aus geerntet, die die Pflanzen maschinell herausreißen. Ökologischer geht es, wenn man – wie der irische Kosmetikhersteller Voya – per Hand erntet und dabei nur das obere Drittel der Algen abschneidet. So können sie innerhalb weniger Wochen komplett nachwachsen. Anbau an Land Um unsere Meere zu schonen, züchten Firmen wie Daniel Jouvance oder La Prairie die Algen für ihre Kosmetik in Forschungszentren. So bleibt die Welt unter Wasser unangetastet. Außerdem finanziert ein Teil der Verkaufseinnahmen Projekte zum Schutz der Meere (siehe Interview) oder zur Erforschung von Algen als Nahrungsmittel gegen den Hunger in der Dritten Welt. Das „Bio-Meer“ Sie sind selten geworden, aber es gibt sie noch: Meeresabschnitte, in denen die Natur intakt ist. Werden sie zu „Biosphärenreservaten“ erklärt, dürfen sie nur umweltschonend genutzt werden. Bio-Beauty-Firmen wie Laveré und Tautropfen und beziehen ihre Algen z. B. aus solchen Reservaten in der Bretagne.

Mit Kosmetik das Meer retten?

VITAL: Warum ist das Meer so wichtig für unser Ökosystem Erde?

CÉLINE COUSTEAU: Allein die Tatsache, dass 71 Prozent unserer Erde durch Meer bedeckt ist, zeigt seine Bedeutsamkeit fürs Klima. Die Hälfte all unseres Kohlendioxids wird z. B. von Plankton und Muscheln neutralisiert. Außerdem regulieren die Ozeane einen Teil der Welttemperatur durch Verdunstung. Doch dieser Kreislauf gerät zunehmend aus dem Takt. Dagegen müssen wir was tun!

VITAL: Wofür verwendet die Ocean Futures Society das gespendete Geld?

CÉLINE COUSTEAU: Unter Wasser laufen die Umweltkatastrophen oft unsichtbar ab. Deshalb verwenden wir einen Großteil der Spenden zur Sichtbarmachung in Form von Dokumentarfilmen. Einer davon, der im Weißen Haus in Washington gezeigt wurde, hat z. B. bewirkt, dass ein Seegebiet vor Hawaii heute unter Naturschutz steht. Dort gibt es noch intakte Korallenriffe und viele seltene Fischarten.

VITAL: Der Kosmetikhersteller La Prairie z. B. spendet 1 Euro je verkaufte „Advanced Marine Biology Cream“ an OFS. Ist das nicht zu wenig für ein Produkt, das 154 Euro kostet?

CÉLINE COUSTEAU: Überhaupt nicht! Wenn 100.000 Cremes über den Ladentisch gehen, entspricht das doch einer Spende von stolzen 100.000 Euro! Hinzu kommt, dass die Ocean Futures Society durch die Aktion bekannter wird.

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Seite 2 : Perlmutt, Meerseide und Rotalgen
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Autor:
Kerstin Brockmann