Naturpflege für Ihr Haar

Naturpflege für Ihr Haar

Waschen mit Zucker, Färben mit Pflanzen, Stylen mit Reis: Der Naturtrend ist auf den Köpfen angekommen. Aber kann Bio-Beauty anderen Haarpflegeprodukten tatsächlich das Wasser reichen? Wir haben Experten gefragt.

Bio fuer die Haare 1
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Naturpflege für Ihr Haar

Lange glaubte man, Bio-Beauty stoße bei den Haaren an ihre grüne Grenze. Keine natürliche Substanz könne die gleiche Glanzleistung wie der Wirkstoff Silikon vollbringen. Aber sind derartige Bedenken heute noch gerechtfertigt? Viele Friseure entwickeln mittlerweile erfolgreich Bio- Pflegeserien fürs Haar. Auch Kosmetikfirmen setzen verstärkt auf diesen Trend. Wir sind dem haarigen „Natur-Phänomen“ einmal genauer auf den Grund gegangen.

Organisch, biologisch, natürlich – wo liegt der Unterschied?
„Als ,natürlich‘ werden alle Substanzen bezeichnet, die aus der Natur stammen. Die Bezeichnungen ,organisch‘ oder ,Bio‘ erhalten Produkte mit Rohstoffen aus kontrolliert biologischem Anbau“, erklärt Sonja Maraslis von der Firma Weleda.

Ist auch überall 100 Prozent Bio drin, wo Bio draufsteht?

Haare waschen
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Waschen mit Zucker? Nicht ganz, aber fast: Waschaktive Stoffe (auch Tenside genannt) säubern bekanntlich, indem sie Fett und Schmutz binden, und Bio-Shampoos enthalten Tenside aus natürlichen, nachwachsenden Rohstoffen wie Zucker, Maisstärke, Kokosfett oder Aminosäuren. Sie reinigen sanft, entfetten die Kopfhaut dabei nicht zu stark und sind im Gegensatz zu chemischen Tensiden komplett biologisch abbaubar.

„Die Begriffe Bio- und Naturkosmetik sind nicht geschützt“, erklärt Sonja Maraslis. „Deshalb haben Naturkosmetikhersteller den Verband ,NaTrue‘ gegründet, der Produkte in Naturkosmetik, Kosmetik mit Bio-Anteil und Bio-Kosmetik unterteilt.“ Infos: www.natrue.org Wie gut ist Bio-Pflege fürs Haar wirklich? „Konventionelle Shampoos und Spülungen enthalten synthetische Substanzen, um die Haaroberfläche zu glätten“, sagt Antal Adam vom Naturkosmetikhersteller Dr. Hauschka. „Oft werden dafür Silikone verwendet, die sich als Film auf Haare und Kopfhaut legen. Pflanzliche Bestandteile glätten die Haaroberfläche ebenfalls, lassen die Kopfhaut aber besser atmen.“ Und: Die sanfte Reinigung mit natürlichen Waschsubstanzen laugt das Haar nicht aus. Dr. Doris Brandhuber, Chemikerin und Mitinhaberin der Friseurlinie „Less is More“, nennt noch einen Vorteil: „Da Bio- Shampoos sanft zur Kopfhaut sind, wird oft sogar der Haarwuchs dichter.“

Machen Naturshampoos das Haar stumpf?
Wenn sich durch falsche Pflege synthetische Stoffe im Haar festgesetzt haben, müssen diese zunächst gelöst werden. Und das braucht Zeit. Manchmal dauert es ein paar Wäschen, manchmal aber auch ein paar Wochen, bis das Haar auf natürliche Weise Glanz erhält. Denn Bio-Pflegestoffe wirken step by step. Ein Tipp von Kirsten Luger, der Mitinhaberin der Naturfriseurlinie „CulumNatura“, damit die Mähne schneller schön und gesund schimmert: „Die Haare täglich hundertmal mit einer Wildschweinbürste bürsten. So verteilt sich das Kopfhautfett – die beste Pflege im Haar.“

Naturshampoos schäumen kaum, reinigen sie trotzdem?

Naturshampoos schäumen kaum, reinigen sie trotzdem?

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Grüner Trend beim Färben: Es muss nicht immer Henna sein: Pflanzenfarben gibt es für Blond bis Braun. Der angerührte Brei aus Pflanzenteilen von Gelbwurz bis Kamille wirkt zunächst grünbraun – die gewünschte Farbe entwickelt sich erst im Haar. Die Pigmente lagern sich dauerhaft in der Schuppenschicht ein, ohne das Haar zu verändern, Gerbsäure pflegt es gesund. Nebeneffekt: Glanz und Spannkraft für vier bis sechs Wochen.

„Die Reinigungswirkung waschaktiver Stoffe hängt nicht davon ab, wie stark sie schäumen, sondern wie gut sie Fett und Schmutz lösen“, erläutert Antal Adam (Dr. Hauschka). Warum ist natürliche Haarpflege oft teurer als andere? „Bio-Waschsubstanzen kosten zehnmal mehr als chemische Stoffe“, sagt Dr. Doris Brandhuber („Less is More“). Das gilt auch für andere Bio-Zutaten: Ihre Herstellung braucht mehr Zeit, Aufwand und Zuwendung als etwa konventionell angebaute Gewächse oder synthetische Zutaten aus dem Labor.

Was können Stylingprodukte auf biologischer Basis?
„Reis bringt Volumen, Bio-Tenside formen auch Locken“, sagt Sabine Kästner von der Naturkosmetikfirma Lavera. Looks mit Gel und Wachs sind kein Problem, doch starken Glanz kann man nicht mit Bio- Stylingprodukten erzeugen. Es gibt nur Pumpsprays und keinen Schaumfestiger.

Was muss man bei Pflanzenfarben beachten?
Naturpigmente vertiefen den echten Haarton, färben eine Nuance dunkler oder rötlich – Aufhellungen und Schwarzfärbung sind nicht möglich. Kirsten Luger (Culum- Natura): „Das Farbergebnis bleibt im natürlichen Bereich als Mischung aus der Ausgangshaarfarbe und den Pflanzenpigmenten.“ Adressen von Naturfriseuren gibt es zum Beispiel unter www.culumnatura.at.

Klappt das Färben ohne Chemie auch zu Hause?
Ja, mit einem für die Naturfarbe geeigneten Produkt und wenn das Haar nicht chemisch behandelt ist. Unbedingt vorher eine Probesträhne färben! Individuelle Nuancen mischt Gerty Post, Pflanzenfarbexpertin und Friseurmeisterin: einfach Haarsträhne und Foto einsenden (Infos und Adresse: www.gertypost.com).

Decken natürliche Pigmente auch graues Haar ab?
Graue Haare werden abgedeckt, bleiben aber heller und farbintensiver. Heinz- Jürgen Weiland, wissenschaftlicher Leiter Forschung und Entwicklung Logona: „Dadurch entsteht ein Strähncheneffekt, der sehr natürlich wirkt. Meist muss man dafür aber mindestens zweimal färben.

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