Jüngere Haut Konventionelle Kosmetik wirkt wie ein Blitz-Lifting

Die Natur liefert die Zutaten, das Labor das nötige Wissen: So soll die Anti-Aging-Pflege der Zukunft aussehen. Aber hält die Kombination aus Bio und Hightech wirklich, was sie verspricht?

Konventionelle Kosmetik wirkt wie ein Blitz-Lifting


Während Naturkosmetik auf die Komplexität eines Stoffes setzt und ihn so wenig wie möglich bearbeitet, versuchen Hersteller von konventioneller Beauty meist das Gegenteil: Sie picken gezielt den Wirkstoff heraus, auf den es ankommt. Statt eines kompletten Jasminblüten-Extrakts verwendet L’Oréal Paris für sein „Age Perfect“-Serum z. B. nur die daraus isolierten Polyphenole, da diese Aromastoffe die Hautzellen aktivieren, neue Kollagenfasern zu bilden. Außerdem setzt herkömmliche Kosmetik stark auf synthetische Wirkstoffe, da sie leichter herzustellen sind. Das gilt vor allem für Folsäure, Kreatin, Vitamin C und B3, deren Anti-Aging-Effekt bekannt ist und die in ihrer künstlichen Variante oft stabiler gegenüber Luftkontakt sind. Hinzu kommt, dass sich auf diese Weise eine höhere Konzentration in die Creme einarbeiten lässt. Dadurch erhöht sich meist die Wirkung – manchmal aber auf Kosten der Verträglichkeit. Das gilt z. B. für Retinol, reines Vitamin A. Es pusht die Zellerneuerung so intensiv, dass einige Frauen mit Hautreizungen reagieren.

Einige Hersteller verwenden deshalb Pro-Retinol, eine Vorstufe des Vitamin A, die sanfter ist, oder einen Kombi-Trick, wie z. B. die Marke Vichy. Geschickt mit dem Zellbaustein Adenosin gemischt, wird Retinol nicht nur verträglicher, sondern zeigt auch einen schnelleren Glättungseffekt. Interessant ist auch, dass Anti-Falten-Stars wie Coenzym Q10 oder Peptide zwar in der Natur vorkommen, nach derzeitigem Forschungsstand aber nur in ihrer künstlichen Form effektiv in Kosmetik eingesetzt werden können. Natürliche Peptide aus Milch sind z. B. viel zu groß, um in die Haut zu gelangen, verlieren durch den Kontakt mit Sauerstoff schnell ihre Wirksamkeit und entwickeln einen strengen Geruch. All das ist bei künstlichen Peptiden nicht der Fall. Dr. Seronei Cheison, Leiter der Forschungsgruppe „Bioaktive Peptide und Proteintechnologie“ an der Technischen Universität München: „Der größte Vorteil synthetisch hergesteller Peptide ist aber, dass man sie im Labor gezielt so zusammenstellen kann, dass ein optimaler Anti- Age-Cocktail entsteht. Der kommt von Natur aus in Milch, Gemüse und keiner anderen Quelle so vor.“

Was viele Frauen an konventionellen Anti-Falten- Cremes aber am meisten schätzen, ist die Tatsache, dass sie wie ein Blitz-Lifting wirken. Verantwortlich dafür sind meist Silikonöl und Polymere, die sich in Falten einlagern und so ruck, zuck für eine glatte Hautoberfläche sorgen. Synthetische Hyaluronsäure, die oft hochkonzentriert eingesetzt wird, polstert Fältchen mit jeder Menge Feuchtigkeit auf. Ein weiterer Trick, den es nur in konventioneller Anti-Aging-Pflege gibt, ist das „Retuschieren“ von Fältchen mit „Chromasphären“ – doppelt verkapselten Farbpigmenten, die auf der Haut zerplatzen und dort durch Lichtbrechung den Hautton harmonisieren, ohne ihn abzudecken.

Teamwork im Tiegel: das Beste aus zwei Welten?

Bio oder Hightech? Warum eigentlich nicht beides, fragen sich immer mehr Beauty-Hersteller und versuchen, die Vorteile von beidem miteinander zu verbinden. Das Ergebnis: „grüne Grenzgänger“, die meist zu etwa 90 Prozent aus pflanzlichen Zutaten bestehen, aber kleine Flirts mit der Chemie eingehen. Damit sich die Cremes weniger fettig anfühlen und auf Anhieb Falten kaschieren, mischen einige Hersteller z. B. winzige Dosen Silikon hinein. Andere bleiben stattdessen bei Pflanzenölen, helfen aber bei der Konservierung synthetisch nach, um die Haltbarkeit zu verlängern. Auf Parabene, die in die Kritik geraten sind, weil sie die Haut manchmal reizen und sich im Fettgewebe einlagern können, wird jedoch meist verzichtet.

Der Hauptunterschied zu reiner Naturkosmetik ist aber die Kombination ökologischer und konventioneller Anti- Aging-Zutaten. Das Ziel: eine maximale Wirkung gegen Falten. Bio-Tomaten und Peptide in einem Topf? Daran scheiden sich die Geister. „In meinen Augen ist das einfach nur inkonsequent“, sagt Sabine Beer, Geschäftsführerin des Bio-Beauty-Herstellers Santaverde. „Wer keine Chemie auf der Haut haben möchte, sollte auch bei den Anti- Aging-Wirkstoffen der Natur treu bleiben. Deren Wirksamkeit ist schließlich bewiesen. Begriffe wie ,Coenzym Q10’ auf der Packung sollen wahrscheinlich bloß den Absprung von konventioneller Kosmetik erleichtern, weil sie von dort her vertraut sind.“

Biologe Dr. Jörg Grünwald, der als Autor des Buches „Grüne Apotheke“ (GRÄFE UND UNZER) prinzipiell auf die Heilkräfte der Kräuter schwört, findet die Idee, mit ein paar synthetischen Wirkstoffen nachzuhelfen, trotzdem gut: „Peptide ergeben vielleicht nicht eine so reizvolle Geschichte wie die des Extrakts aus der ersten Blüte eines Baumes, der nur einmal im Leben im geheimen Tal der Nebelberge blüht. Aber wenigstens weiß man, dass sie tatsächlich wirken. Deshalb sollten sie in einer modernen Anti-Age-Creme nicht fehlen.“ Hautärztin Dr. Birgit Kunze: „Wenn der pflanzliche Anteil überwiegt und die Rezeptur gut ist, können solche Mischprodukte eine super Sache sein!“ Eine Bereicherung sind sie in jedem Fall: Nun können Sie noch individueller entscheiden, welche Anti-Aging-Pflege am besten zu Ihnen passt!  

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