Stilmix

Wohntrend: Tradition trifft Moderne

Die niederländische Malerin Linda de Vries liebt Gute-Laune-Farben und einen fröhlichen Stilmix. So entstand aus einem alten Haus unter Denkmalschutz ein lebendiges Zuhause.

Haus von außen Wohntrend: Tradition trifft Moderne © Eckard Wentorf

Der Name ist Programm: Waterland heißt die Gegend nördlich von Amsterdam, die vor Jahrhunderten dem Meer abgetrotzt wurde. In Landgewinnung waren die alten Holländer eben schon immer Meister, und Waterland muss eines ihrer schönsten Projekte gewesen sein. Das ganze Gebiet ist von Kanälen durchzogen, dicht gedrängt stehen die Häuschen auf einem Fleck. Der älteste Teil des Ortes ist über eine Drehbrücke zu erreichen und wirkt wie ein Museumsdorf. „Aber hier lebt es sich ausgesprochen fröhlich“, beteuert Linda de Vries. Lindas Haus wurde 1730 gebaut. Historische Stiche dokumentieren den ursprünglichen Zustand mit einem barock angelegten Garten. Den gibt es heute zwar nicht mehr, aber Linda vermisst die in Buchsbaum eingefassten Blumenbeete nicht, da sie ohnehin nicht gern gärtnert. Wichtiger ist ihr der Bootsanleger – von hier aus unternimmt sie mit Freunden häufig eine Tour durch die Kanäle.

Als Linda de Vries mit ihrem Mann Floris Bloemendahl das Haus vor drei Jahren kaufte, stand es schon länger leer. Und unter Denkmalschutz. Das bedeutet: Von außen durften keinerlei Veränderungen vorgenommen werden, um die geschlossene historische Optik des Dorfes nicht zu stören. Im Inneren galten solche Vorgaben nicht. Zum Glück, denn da die Familie zuvor in Indonesien und in der Karibik gelebt hat, wollten sie den Wohnstil von dort gern in ihre niederländische Heimat importieren – und damit Licht und Farbe! Deshalb haben sie das Reetdach im oberen Stockwerk nicht von innen verblendet, sondern mitsamt der Balkenkonstruktion offen stehen lassen. So wirken Schlaf- und Badezimmer, die hier liegen, viel größer und heller. Auch das Erdgeschoss bekommt jetzt Licht von allen Seiten, nachdem einige Wände entfernt wurden. Die Farbe Weiß verstärkt diesen Effekt.

Malen war für Linda de Vries lange Hobby, bevor sie es zum Beruf machen konnte. Im Vorderteil des Hauses, früher ein Krämerladen, sind Werkstatt und Atelier eingerichtet. Einzig in diesem Teil wurden die Wände nicht weiß, sondern grau gestrichen. Das Gros ihrer Bilder stellt Linda aber nicht hier aus, sondern extern in einer Galerie. Die Handschrift der Künstlerin, ihre Begeisterung für Farben und Leichtigkeit, spürt man gleichwohl im ganzen Haus. Da ist zum Beispiel die offene Küche an der rückwärtigen Hausseite, sie dient oft als Treffpunkt. Die Kinder und deren Freunde kommen meist direkt durch die zum Garten gehende Küchentür ins Haus. Die Küchenmöbel hat Linda entworfen: Schlichte Blöcke aus Beton bilden die Schränke, die Türen sind aus Teakbrettern vom Tischler gebaut.

Zweiter Treffpunkt ist der große Wohnraum. Viele antike und einige moderne Möbel sowie persönliche Er - innerungsstücke von Bali und Java prägen die Atmosphäre. Und über Farbe denkt Linda ja ohnehin ständig nach. Wo heute der Akzent auf Orange liegt, kann er morgen schon blaugrün sein. „Leben ist Wandel“, sagt Linda. Und das gilt auch fürs Wohnen: Kein Möbelstück in diesem Haus hat einen festen Platz. Und so darf statt des wuchtigen Esstischs aus der Gründerzeit bei Bedarf ruhig mal die Tischtennisplatte der Kinder mitten im Raum stehen. „Spontan sein und gut gelaunt das Leben genießen“, lautet das Credo der Holländerin. Das strahlt ihr Haus auch aus – in jedem Winkel.

 
Schlagworte: