Freitag, 14. August 2015 - 9:53

Erfahrungsbericht: Juice Cleanse

In den USA ist er zum festen Bestandteil vieler körperbewusster Frauen geworden: der Juice Cleanse, also eine Saft-Kur, die den Körper entgiften und revitalisieren soll. Bei einer solchen Kur darf man sich über mehrere Tage nur von Säften ernähren - richtiges Essen ist nicht erlaubt. Laura, Maxi, Clarissa und Kristin haben die Anbieter Cardea Detox, Bergblut, The Frank Juice und Pressbar ausprobiert - und ihre Erfahrungen von Tag zu Tag dokumentiert.

Juice Detox Test der Redaktion Erfahrungsbericht: Juice Cleanse © romrodinka/iStock

Die Vorbereitung

Die Preise

Cardea Detox: 165 Euro (3 Tage, je 500 ml)

Bergblut: 155 Euro (3 Tage, je 500 ml)

Frank Juice: 199 Euro (5 Tage, je 500 ml)

Pressbar: 89 Euro (3 Tage, je 250 ml)

Cardea Detox, Laura
Die Detox-Saftkur soll meinen Körper entschlacken und entgiften, das ist mein Ziel. Drei Tage lang trinke ich nur Säfte, sechs Stück je 500 Milliliter am Tag, wobei der letzte eine Art Nussmilch ist und nur 250 Milliliter enthält. Da ich am Wochenende vor dem Cleanse auf einem Festival war, habe ich mich entschlossen, die Saftkur im Anschluss dazu auszuprobieren. Denn gerade an so einem Wochenende ernährt man sich natürlich ziemlich schlecht und auch unregelmäßig.

Bergblut, Maxi

Maxi strahlt mit Saftflasche in der Hand

Maxis erster Cleanse-Tag: Noch strahlt sie.

Ich nenne unser Büro oft „Büro des Grauens“ – nicht, weil die Kollegen grauenvoll sind, sondern weil einem fast täglich neue Leckereien wie Kuchen oder Schokolade vor die Nase gesetzt werden. Ich komme nicht drum herum, mal hier ein Stückchen oder dort ein Riegelchen zu probieren. Doch jetzt ist Schluss mit dem ganzen ungesunden Süßkram – Detox, ich komme! Drei Tage Juice Detox heißt für mich: fünf Flaschen Saft am Tag und eine kleine Flasche Mandelmilch am Abend. Klingt erst einmal lecker und ich bin motiviert, den Cleanse auszuprobieren! 

The Frank Juice, Clarissa
Für den Start der 5-tägigen Entgiftungskur mit den Säften von Frank Juice bereitete ich mich schon zwei Tage vorher mit einer ausschließlich veganen Ernährung vor. Milch tauschte ich gegen vergleichbare Hafer-, Soja- oder Mandelprodukte und statt Fleisch nahm ich Hülsenfrüchte, wie Linsen oder Kichererbsen zu mir. Da ich mich normalerweise sowieso überwiegend vegetarisch ernähre, fielen mir die Vorbereitungstage und der Verzicht auf tierische Produkte nicht schwer.

Box voller nummerierter Säfte

Clarissas Säfte für die ersten drei Tage.

Pressbar, Kristin
Ich möchte diesen Cleanse machen, um zu entschlacken, weniger Zucker zu mir zu nehmen und mich einfach ein bisschen fitter zu fühlen. Wäre es nicht toll, mehr Vitamine durch Obst und Gemüse zu sich zu nehmen und dafür weniger zu snacken? Ich bin ein klassischer Stress-Esser: neben den vielen Büro-Meetings bleibt manchmal keine Zeit für ein ordentliches Mittagessen, sodass meine Heißhungerattacken durch den meist vorhandenen Bürokuchen gestillt werden. Meine Vorbereitung auf den Cleanse aber waren vorbildlich: Drei Tage vorher habe ich mich vegetarisch ernährt, keinen Kaffee und (ja, es fiel mir schwer) wenig Süßes zu mir genommen. So startete ich schon ein bisschen müde in das Experiment.

Tag 1

Cardea Detox, Laura
Meine Säfte sind pünktlich um 9:30 Uhr angekommen. Beim Auspacken bemerkte ich, dass sie für die korrekte Reihenfolge der Einnahme nummeriert sind. Besonders gut fand ich, dass ich an allen Tagen unterschiedliche Säfte trinken konnte. Außerdem wurde meiner Kur noch ein Detox Tee, ein Detox Bad und ein Detox Peeling beigelegt. Klasse! Der erste Saft „Fruity-Detox“ und die Nussmilch am Abend waren besonders lecker. Ersterer war ein Mischung aus Erdbeere, Banane und Apfel, von der Konsistenz erinnerte er eher an einen Smoothie. Nicht so gut haben mir hingegen die „Detox Lemonade“ mit Cayennepfeffer (viel zu scharf!) und der „The Greens“ (zu viel Sellerie) gefallen.

Bergblut, Maxi

Viele Saftflaschen mit Kur-Anleitung

Laura bekam noch ein paar Detox-Goodies zu ihren Säften.

Am ersten Tag freute ich mich sehr darauf, alle Säfte zu probieren. Die Zitronenlimonade am Morgen gefiel mir schon einmal sehr gut und auch die restlichen Säfte waren super erfrischend und lecker. Zwar knurrte mein Magen tagsüber, aber ein richtig starkes Hungergefühl wollte sich bei mir nicht einstellen – zum Glück! Die Mandelmilch am Abend war mein Highlight des Tages, denn sie schmeckte fast wie ein süßlicher Milchshake und meine Geschmacksknospen blühten so richtig auf. Der erste Tag ging schnell vorbei und ich war richtig stolz auf mich, da ich normalerweise alle zwei Stunden etwas zu Essen brauche. 

The Frank Juice, Clarissa
Leider kamen die Säfte erst gegen 14:30 Uhr in der Redaktion an, weshalb ich an diesem Tag zum Frühstück einen Apfel und eine Banane gegessen habe.
Das Paket enthielt alle Säfte für die ersten drei Tage, für jeden Tag waren sechs Flaschen eingeplant. Ich freute mich schon auf meinen Cleanse, war aber auch gespannt. Während der Arbeit grummelte mein Bauch stark, zum Glück waren die Kollegen eingeweiht. Den Abend verbrachte ich bei meinem Freund, der für sich natürlich ausgerechnet heute Bratkartoffeln mit Speck zubereitete. Die gesamte Wohnung roch danach – es fiel mir zu diesem Zeitpunkt schon sehr schwer, zu widerstehen. Mit Hunger, Kopfschmerzen und schlechter Laune ging ich schließlich ins Bett. Aber der erste Tag war geschafft!

Einzelne Saftflasche

Maxis erster Saft ist eine Limonade.

Pressbar, Kristin
Leider kamen die Säfte erst gegen Mittag in der Redaktion an, sodass zum Frühstück noch ein Magermilch-Joghurt und Erdbeeren auf dem Speiseplan standen. Als sie endlich da waren, packte ich kleine Mini-Flaschen aus: Anders als die anderen Tester hatte ich nur 250 Milliliter pro „Mahlzeit“ zur Verfügung. Dafür schmeckten mir an diesem Tag aber alle Drinks sehr gut, besonders ein Smoothie aus Apfel, Ingwer und Zitrone. Am Abend stand noch mein Sportprogramm an, das zwar anstrengend, aber machbar war. Tabletten auf nüchternen Magen schlucken? Ich war skeptisch und musste der ersten Übelkeit nach meinen Schilddrüsen-Tabletten ab dato tatsächlich mit drei Esslöffeln Kartoffelpüree entgegenwirken. 

Tag 2

Cardea Detox, Laura
Am zweiten Tag ging es mit einem „Fruity Detox“ aus Kiwi, Banane, Apfel und Orange los -  echt lecker und ein guter Start in den Tag! Die zweite „Detox Lemonade“ bestand aus filtriertem Wasser, Kokoswasser, Aktivkohle und Limette. Etwas ungewohnt daran war die schwarze Farbe, geschmacklich war er einwandfrei. Mein vierter Smoothie des Tages bestand aus Karotte, Gurke, Ananas, Kokos, Limette und Maca, einem gesunden Superfood. Er schmeckte ziemlich gut und stillte außerdem meinen Hunger, der sich im Lauf des Tages bemerkbar machte. 

Bergblut, Maxi
Am zweiten Tag traten gegen Mittag Kopfschmerzen auf und ich fühlte mich müde und schlapp. Keine guten Voraussetzungen für einen langen Tag im Büro. Trotz leichter Abgeschlagenheit meisterte ich den zweiten Tag, hielt süßen Verführungen stand und fiel am Ende des Tages bereits gegen 20 Uhr todmüde ins Bett.

The Frank Juice, Clarissa

Saftflasche auf einem Balkon

So kann man seinen Frühstückssaft doch genießen!

Am Morgen war ich sehr überrascht als ich aufwachte. Kein Hungergefühl und zack stand schon ein Kilo weniger auf der Waage. In der Nacht hatte ich sehr gut geschlafen, lediglich um 5 Uhr morgens wurde ich von Magenknurren geweckt, konnte aber nach ein paar Schlucken Wasser bis zum Weckerklingeln durchschlafen. Der erste Saft im Büro (eine Mischung aus Spinat, Apfel, Grünkohl und Sellerie) kostete mich große Überwindung, da ich einfach gar keinen Appetit auf ihn hatte. Auch beim Mittagessen erwischte ich mich dabei, wie ich auf die Teller der anderen schielte und langsam schlechte Laune bekam.
Nach der Arbeit versuchte ich, mich abzulenken und begann meine Wohnung zu putzen. Am Abend war dann mein Lieblingssaft an der Reihe, die reichhaltige Cashew-Milch.

Pressbar, Kristin
Ich liebe Frühstück, doch an diesem Tag bestand es eben nur aus einem Saft. Der Vormittag verlief durch das regelmäßige Trinken noch recht angenehm, mittags wurde mir aber zunehmend schlechter und ich bekam Kopfschmerzen. Eine Suppe musste eingeschummelt werden. Der Barabend mit Freunden fühlte sich bei Wasser und Tee dann etwas seltsam an, umso besser aber war das Gefühl, als ich im Bett lag: Durchgehalten! Besonders spannend für mich: Durch die verschiedenen Säfte hatte ich den Tag über gar nicht so viel Lust auf Süßigkeiten.

Tag 3

Cardea Detox, Laura

Maxi betrachtet ihre Flasche

Was genau ist diesmal gesundes drin?

 Der Hunger wurde immer größer,  oder war es einfach der Appetit auf richtiges Essen?  Den ersten Saft trank ich schon früher als an den Tagen zuvor. „Fruity Detox“ aus Mango, Passionsfrucht, Banane, Apfel und Orange. 
Der grünen Smoothie zum Mittag bestand aus Fenchel, Gurke, Zucchini, Ananas, Birne, Apfel, Limette, Ingwer und Weizengras. Bis zum letzten Tag konnte ich mich mit dem Geschmack der grünen Säfte nicht so richtig anfreunden. 

Bergblut, Maxi
Gut ausgeschlafen, außergewöhnlich fit und ohne Schmerzen wachte ich am Morgen des dritten und letzten Tages auf. „Schade, dass heute schon alles vorbei sein wird, einen vierten und fünften Tag hätte ich auch noch geschafft“, dachte ich mir unter der morgendlichen Dusche und als ich meine Wohnung verließ freute ich mich schon auf meine leckere Frühstücks-Limonade. Nachdem am Abend die letzte Mandelmilch getrunken war, überkam mich ein Gefühl von größter Zufriedenheit. Ich hatte es tatsächlich geschafft, drei Tage lang auf feste Nahrung zu verzichten und ich würde es jederzeit wieder tun! 

The Frank Juice, Clarissa
Aua, Zahnschmerzen?! Dabei habe ich doch gar keine Süßigkeiten gegessen...
Während des Zähneputzens am Morgen bemerkte ich die Schmerzen das erste Mal, und sogar beim Trinken der Säfte reagierten meine Zähne direkt. Dafür fällt mir der Kaffeeentzug leichter als gedacht. Tagsüber verfiel ich in ein Müdigkeitstief. Zudem hat sich mein Hautbild etwas verändert: Meine Haut ist allgemein trockener aber dadurch auch reiner, habe ich das Gefühl. Eine kleine Sünde musste ich begehen und aß zu dem ersten Saft am Morgen eine Banane, da ich unbedingt etwas festes zwischen die Zähne bekommen musste. Bevor ich die Entgiftung startete, dachte ich mir, dass fünf Tage übersichtlich sind und ich das leicht schaffe. Jetzt, am dritten Tag der Kur, kann ich gar nicht fassen, wie lange mir die Tage tatsächlich vorkommen.

Pressbar, Kristin
Tag drei, und es könnte noch ewig so weiter gehen (naja, im Rückblick zumindest). Die Kopfschmerzen hatten sich verzogen, die Säfte schmeckten lecker wie eh und je, nur mein Frühstück fehlte mir immer noch. Aber der Saft war schließlich auch echt gut. Am Ende des Tages bin ich fast ein bisschen traurig, dass der Cleanse schon vorbei ist. Aber auf das Frühstück am nächsten Tag freue ich mich natürlich trotzdem.

Tag 4 

Nur noch The Frank Juice, Clarissa

Einzelner, roter Saft in der Hand

Lauras Saft: Rot und lecker.

Da die Lieferung für die letzten zwei Tage wieder später in der Redaktion ankam, habe ich normal gefrühstückt. Es gab Sojajoghurt mit Obst und Zimt und ein kleines Stück Lachs mit Meerrettich. Der Verzicht auf Festes wurde zwar immer leichter, aber trotzdem bemerkte ich, dass die Kur psychischen Stress für mich bedeutet. Der Neid auf das Essen der anderen ließ immerhin nach. Ich war beeindruckt, wie schnell der Körper sich an die geringere Lebensmittelzufuhr gewöhnt und wie wenig Nahrung man eigentlich braucht.
Am Abend, nach einer 5-stündigen Reise mit den Säften im Gepäck, wollte ich diese in den Kühlschrank stellen. Der Apfel-, Ananas-, Minze-Saft hatte von gelber Farbe zu einem knalligen Rot gewechselt. Ich beschloss, die letzten Säfte nicht mehr zu trinken, da ich mir der Frische nicht mehr sicher war. Die Detox Kur war also beendet.

Fazit

Cardea Detox, Laura
Abschließend muss ich sagen, dass es ein spannendes Experiment war. Es war sehr interessant, jeden Tag andere Säfte zu probieren und sich selbst dieser Herausforderung zu stellen. Am ersten Tag war ich noch sehr motiviert und hatte richtig Spaß am Cleanse. Es hat mir gar nichts ausgemacht, nichts zu essen. Am zweiten Tag wurde es zum Mittag hin ein bisschen deprimierend, am dritten Tag dachte ich nur noch „bald ist es vorbei, ich will etwas essen“. Körperlich habe ich allerdings keinerlei Verbesserungen gespürt.

Bergblut, Maxi

Mehrere leere Saftflaschen

Alle schon verdrückt.

Der Saft-Detox hat mich positiv überrascht! Da ich ohne große Erwartungen an die Sache herangegangen bin, wurde ich auch nicht enttäuscht. Außerdem freue ich mich sehr darüber, die "Lebensmittelabstinenz" so gut vertragen zu haben. Meine Mentalität ist ab jetzt eine ganz anderen, denn ich weiß, wenn ich so einen Saft-Detox ohne Probleme durchziehen kann, dann schaffe ich auch noch so einiges mehr - Tschacka!  

The Frank Juice, Clarissa
In den vier Tagen der Entgiftung verlor ich insgesamt drei Kilo. In den folgenden zwei Tagen ernährte ich mich weiterhin bewusst und gesund. Trotzdem waren die verlorenen Kilos schnell wieder auf der Waage. Zum abnehmen scheint die Detox Kur also nicht geeignet. Da dies aber auch nicht meine Absicht bei der Kur war, beobachtete ich mein Wohlbefinden in den folgenden Tagen. Leider muss ich gestehen, dass ich körperlich keine Unterschiede zum Status vor der Kur bemerkte. Ich bin jedoch beeindruckt, zu sehen, wie diszipliniert man sein kann, was die Ernährung angeht und hoffe, dass ich das langfristig für mich mitnehmen kann.

Pressbar, Kristin
Die kleine Größe der Flaschen war zum ausprobieren zwar okay, aber einfach zu wenig um tagsüber gar nichts anderes zu essen. Für eine richtige Kur würde ich daher eher die 500-Milliliter-Flaschen empfehlen. 
Generell finde ich die Idee, seinen Körper zu reinigen, sehr gut. Dass man drei Tage vorher und nachher vegan essen soll zeigt mir, dass man die Säfte vielleicht gar nicht braucht. Einfach mal mehr gedünstetes Gemüse essen und den Kaffee weglassen könnte ähnliche Effekte haben. Außerdem empfinde ich die Kur als sehr kostspielig: Vier Flaschen Mandelmilch für 25 Euro sind meiner Meinung nach absurd teuer! Als Snack gegen Heißhunger auf Süßes am Nachmittag könnte ich mir den ein oder anderen Saft aber gut vorstellen.