Der Einfluss des Wetters Bio-Rhythmus

Wieder schlecht geschlafen, alles geht schief. Liegt's am Vollmond? An der Zeitumstellung? Oder dem Temperatursturz? Hier erfahren Sie, wie das Wetter unseren Körper beeinflusst.

Bio-Rhythmus Bio-Rhythmus © Carsten Meyer-Fotolia

Schlafprobleme, Migrane, Verstimmungen. Manche Menschen reagieren extrem auf äußere Reize, sei es das Wetter oder der Mond. Im Frühjahr folgen gleich drei Störfaktoren dicht aufeinander: die Umstellung auf Sommerzeit, kurz darauf Vollmond, dann schlagt der April Kapriolen!

Mythos Vollmond

Mehr Geburten, unruhige Nächte, umherirrende Schlafwandler – das sind nur einige von vielen Vollmond-Mythen. Fest steht, dass der Mond Ebbe und Flut in den Weltmeeren verursacht. Aber auf den Menschen, so Roenneberger, habe der Mond so gut wie keinen Einfluss – weder auf die Menstruation noch auf die Geburtenrate.

Der Vollmond trägt auch keine Schuld, wenn wir eine unruhige Nacht verbringen. Oft suchen wir aber nach einer Erklärung, warum wir schlecht geschlafen haben. Und da kommt uns der Mond gerade recht. Was Schlafwandler betrifft: Sie steuern auf Lichtquellen zu, also auf Straßenlaternen oder den Vollmond.

Wetterwechsel

Stürmischer Wind, Föhn, ein Temperatursturz. Manch einem macht das gar nichts aus, doch jeder Zweite leidet darunter. Frauen mehr als Männer. Professor Angela Schuh, Expertin für Medizinische Klimatologie an der Universität München: „Frauen haben eine dünnere Haut und empfinden etwa Temperaturwechsel als deutlich unangenehmer.“ Schnelle und starke Wechsel von Temperatur und Luftfeuchtigkeit machen uns am meisten zu schaffen. Normalerweise passt sich der Körper an, um die Temperatur im Körperinneren konstant zu halten. Wenn es kalt ist, zittern die Muskeln, um Wärme zu erzeugen. Bei Wärme schwitzen wir, um uns abzukühlen. Bei wetterfühligen Menschen fehlt die natürliche  Anpassungsfähigkeit. Das führt zu Störungen der Körperfunktionen und schlechtem Befinden. Noch mehr leiden Wetterempfindliche – das sind Menschen mit einer Vorerkrankung. Ihre Symptome werden verstärkt. Beispiel: heftigere Schmerzen bei Rheuma.

Buchtipps

INNERE UHR Till Roenneberg: „Wie wir ticken: Die Bedeutung der inneren Uhr für unser Leben“, Dumont, 19,95 Euro.

BIOWETTER Angela Schuh „Biowetter: Wie das Wetter unsere Gesundheit beeinflusst“, Beck, 7,90 Euro.

Zum großen Teil beruht Wetterfühligkeit auf einem Trainingsmangel: Wir halten uns zu viel drinnen auf und bewegen uns zu wenig an der Luft. Professor Schuh hat eine Klimatherapie entwickelt mit Ausdauertraining bei Wind und Wetter – idealerweise am Meer oder im Gebirge. Das trainiert die Gefäße, fördert die Anpassung an Temperaturwechsel. Auch Sauna und Wechselduschen regulieren den Kreislauf und stoppen die Überempfindlichkeit. Wichtig: den Biorhythmus einhalten. Zur gleichen Zeit schlafen gehen und aufstehen, auch am Sonntag.

Problem Sommerzeit

Ab dem letzten Märzwochenende gilt die Sommerzeit. In der Nacht von Samstag auf Sonntag wird die Uhr eine Stunde vorgestellt – auf Kosten der Nachtruhe. Zwar scheinen 60 Minuten weniger Schlaf nicht viel zu sein. Eine Flugreise über mehrere Zeitzonen stecken wir ja schließlich auch meist locker weg. Doch „die Sommerzeit ist eine viel größere Belastung für den Organismus“, sagt der Chronobiologe Till Roenneberg vom Institut für Medizinische Psychologie der Ludwig-Maximilians-Universität in München. Das liegt daran, dass die Sonne, unser wichtigster Taktgeber, die Zeitumstellung nicht mitmacht.

Roenneberg gibt ein Beispiel: „Stellen Sie sich vor, jemand steht immer morgens um sieben Uhr auf. Dann ist es im Januar noch dunkel. Nach und nach wird es früher hell, das Aufwachen fallt leichter. Doch dann wird die Uhr vorgestellt, und auf einmal ist es wieder dunkel, wenn der Wecker klingelt. Das wirft den Körperrhythmus um drei Wochen zurück.“ Die Folgen: Schlafstörungen, Müdigkeit, Konzentrationsschwächen. Statistisch ist sogar ein Anstieg der Herzinfarkte und Unfälle zu verzeichnen. Nachtmenschen und Menschen mit größerem Schlafbedarf leiden besonders unter der Sommerzeit – erst wenn im Herbst die Uhr wieder zurückgestellt wird, ist die Welt für sie wieder im Takt.

Wer weiß, dass er mit der Sommerzeit Probleme hat, sollte schon an den Abenden vor der Zeitumstellung etwas früher als gewohnt zu Bett gehen. Wer sonst immer einen Mittagsschlaf hält, sollte in den ersten Tagen darauf verzichten. Ein Spaziergang am Morgen und helle Raumbeleuchtung tagsüber helfen, die innere Uhr vorzustellen. Abends sollte man helles Licht besser meiden. So kann sich der Biorhythmus leichter umstellen.

 
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Autor:
Uta König