Freude im Alltag

Zauber der kleinen Dinge

Wer immer dem Glück nachläuft, verpasst etwas Kostbares: die Poesie des Augenblicks 

Schmetterling

Schnell, du musst dir das unbedingt anschauen!“, sagt meine Nachbarin. Und da sehe ich es auch schon, das kleine Eichhörnchen, das in ihrem Garten emsig damit beschäftigt ist, die Füllwatte wegzuschleppen, die meine Nachbarin ihm hingelegt hat. „Heute Morgen hat es eine kleine Serviette stibitzt, um damit ein Nest zu bauen. Ich dachte, es kann noch etwas mehr Polsterung gebrauchen.“ Wie wir beide so dastehen an diesem sonnigen Vormittag und das Eichhörnchen beobachten, fällt mir auf, wie wunderschön die Natur sprießt, wie prachtvoll das erste Grün ist. Ein perfekter Moment. Plötzlich ist aller Stress vergessen – und ich bin einfach glücklich.

Die meisten von uns vermuten das Glück immer gerade dort, wo sie nicht sind. Sie glauben, dass das Glück in der Zukunft liegt – oder in der Vergangenheit. Überall, nur nicht im Augenblick. „Wenn ich geheiratet habe“, „Wenn ich endlich in Urlaub fahre“, „Wenn ich richtig Geld habe“ sind typische Antworten. Oder gar: „Ich war glücklich, früher.“ Diese ziemlich trostlosen Anund Aussichten sind jedoch ganz und gar unbegründet. Das beweisen die Ergebnisse der Glücksforschung.

Denn die sprechen eine andere Sprache: Das Paradies hat durchgehend geöffnet. Und es steht jedem zur Verfügung. Ob man sich nun ein leckeres Eis gönnt, mit dem man sich zehn Minuten in die Sonne setzt, in aller Ruhe eine Tasse Kaffee genießt oder mit der Katze auf dem Sofa schmust – es sind die Kleinigkeiten, denen der stärkste denkbare Zauber innewohnt. Sie besitzen Strahlkraft bis ins Innerste der Seele. Weit mehr noch als die Giganten des Schicksals, nach denen wir alle streben: der Sechser im Lotto, der Traumprinz auf dem weißen Pferd, das Luxus-Eigenheim.

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Autor:
Constanze Kleis