Ist glücklich sein so einfach?
"Wer zu oft das Glück sucht, verzweifelt“
Liebe, Freunde, Kinder, Geld oder guter Sex? Der niederländische Soziologe Ruut Veenhoven erforscht seit Jahrzehnten, was Menschen wirklich zufrieden stimmt.
Herr Veenhoven, Sie beschäftigen sich täglich mit dem Glück anderer Menschen. Wie steht es denn mit Ihnen – sind Sie glücklich?
Oh ja, das bin ich. Tatsächlich habe ich all das, was laut meiner Forschung glücklich macht: eine gute Ehe, Familie und Freunde. Und ich arbeite immer noch, das trägt wahrscheinlich auch zu meinem guten Grundgefühl bei. Arbeit macht die meisten Menschen glücklich.
Sie versuchen also nicht, Ihr Glück irgendwie zu beeinflussen?
Nein, ich tue, was mir Spaß macht, und als Folge bin ich glücklich.
Das klingt sehr einfach. Viele Menschen tun sich aber sehr schwer damit, wirklich froh und zufrieden zu sein.
Natürlich muss man auch etwas tun. Abwarten reicht nicht. Man sollte sich um Freunde bemühen, um einen Job, seine Partnerschaft. Wenn das funktioniert, kommt meistens auch das Glück.
Aber vieles habe ich doch gar nicht in der Hand, ich kann zum Beispiel den Job verlieren oder verlassen werden.
Schwierigkeiten gehören zum Leben. Man muss sie akzeptieren und bewältigen, sonst wäre man gar nicht lebensfähig. Es kann nicht immer alles himmelhoch jauchzend sein. Auch ein glücklicher Mensch ist hin und wieder betrübt.
Kann ich denn mein Glück mit gar nichts erzwingen?
Glück ist das Resultat von gutem Verhalten. Man braucht dafür soziale Intelligenz, muss belastbar sein und viel Energie aufbringen – das kann man natürlich lernen. Aber erzwingen kann man Glück nicht. Wer versucht, einen Gipfelmoment nach dem anderen zu erleben, wird nicht glücklicher. Im Gegenteil.
Was meinen Sie mit Gipfelmoment?
In der Religion würde man Erleuchtungserlebnis sagen. Das sind kurze, aber sehr starke Glücksmomente. Die erlebt jeder anders, der eine empfindet das bei einer Meditation, der andere beim Bungee-Sprung, der Dritte, wenn er eine Pille schluckt.
Und wenn man die nicht haben kann, verzweifelt man daran?
Genau. Wir wissen nämlich aus der Glücksforschung, dass diese Erlebnisse nicht zur allgemeinen Zufriedenheit beitragen. Menschen, die ständig solche Erleuchtungen suchen, sind oft unglücklich und wünschen sich deshalb ständig neue besondere Erlebnisse. Aber wer immer wieder derartige Gipfelmomente hat, dem erscheint der Alltag plötzlich wesentlich grauer, unglücklicher, schließlich ist der Kontrast dann ja viel stärker.



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