Kolumne Amelie Fried

Was macht glücklich?

Alle Menschen wünschen sich Glück. Amelie Fried wundert sich, wie manche es zu finden glauben

Der eine träumt vom Lottogewinn, der Nächste von Ruhm und Ehre, der Dritte von der großen Liebe. Die Wahrscheinlichkeit, dass diese Träume sich erfüllen, ist statistisch gesehen sehr gering. Dennoch glauben die Menschen unverdrossen, sie hätten dieses Glück verdient, deshalb müsste es irgendwann eintreffen. Manche denken auch, man könnte ein bisschen nachhelfen. Zu ihnen gehören die Absender der Lebenserinnerungen, selbst gebastelten Kinderbücher und Gedichtsammlungen, die ich erhalte, seit ich ein Büchermagazin im ZDF moderiere. Ihre Schöpfer hoffen ernsthaft und voller Zuversicht darauf, dass ihre Werke in den „Vorlesern“ besprochen werden.

Ich finde es wunderbar, wenn Menschen Erinnerungen, Kindergeschichten oder Gedichte aufschreiben, aber diese Dinge gehören nun mal nicht in eine Literatursendung. Dass die Menschen sich über diesen offensichtlichen Umstand einfach hinwegsetzen, zeigt, welche Kraft ihre Träume haben. Andere machen es sich einfacher. Wie in der Geschichte vom Heini, der jeden Sonntag inbrünstig betet: „Lieber Gott, bitte, bitte schick mir einen Lottogewinn! Der Paul braucht neue Schuhe und die Anna soll in die höhere Schule. Bitte, bitte schick mir einen Lottogewinn!“

Nachdem er jahrelang so fleißig gebetet hat, öffnet sich eines Sonntags das Kirchendach, Blitz und Donner fahren herunter und eine tiefe Stimme dröhnt: „Himmelherrgottsakrament, Heini, ich würd dir ja gern helfen, aber dann musst du endlich einen Lottoschein ausfüllen!“ Ein Trost für Heini, falls es trotzdem nicht klappt: Studien haben gezeigt, dass das subjektive Glücksempfinden eines Lottogewinners nach zwei Jahren wieder auf demselben Stand ist wie vor dem Jackpot-Gewinn. Da lohnt fast der Aufwand nicht. Der größte Traum ist und bleibt der von der Liebe. Meine Freundin hatte die Hoffnung schon fast aufgegeben. Sie fuhr nach Neuseeland, lernte einen Mann kennen, tanzte eine Nacht mit ihm. Die beiden sprachen kaum ein Wort, fragten nicht mal nach dem Namen des anderen.

Wieder zu Hause, wurde ihr klar, dass sie sich verliebt hatte. Dem Neuseeländer ging es genauso. Demnächst wird er um die halbe Welt reisen, um meine Freundin wiederzusehen. Statistisch gesehen haben die beiden keine große Chance. Aber wen hält das schon vom Träumen ab?  „Ein Lottogewinner fühlt sich zwei Jahre nach seinem Gewinn genauso wie vorher. Da lohnt fast der Aufwand nicht“ 

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Amelie Fried