Zufriedenheit und Weiblichkeit in unser Gesellschaft

Unglückliche Frauen

Interview mit Bestseller-Autorin Eva-Maria Zurhorst - "Wir müssen wieder lernen, uns im eigenen Körper zu Hause zu fühlen".

Unglückliche Frauen

INFO

Eva-Maria Zurhorst, 47, ist Beziehungs-Coach und Bestseller-Autorin. Zusammen mit ihrem Mann Wolfram Zurhorst hat sie mehrere Ratgeber der erfolgreichen Reihe „Liebe dich selbst …“ geschrieben. Erfahrungen ihres Seminarprojekts „Was macht Frauen satt und glücklich?“ sind auf der knapp 260-minütigen DVD „Satt & glücklich“ (J. Kamphausen, 24,80 Euro) erschienen.

Frau Zurhorst, Sie versuchen in Ihren Seminaren herauszufinden, „was Frauen satt und glücklich“ macht …

Ja, die Frage beschäftigt mich sehr. Und die Antwort interessiert mich auch mit dem Blick auf mein eigenes Leben. Offenbar fällt es gerade Frauen sehr schwer, wirklich glücklich zu sein. Ich glaube, dass die starren Konzepte, die wir teils unbewusst verinnerlicht haben, für viele Frauen ein großes Problem sind. Wir fühlen uns ausgelaugt, leer, erstarrt und wissen nicht warum.

Können Sie das näher erklären?

Ich bin zum Beispiel verheiratet, habe eine tolle Familie und einen Job, den ich richtig gern und auch erfolgreich mache – ich könnte mich also hinsetzen und den ganzen Tag zufrieden und glücklich sein. Satt eben. Aber das bin ich nicht. Auch ich habe immer wieder dies nagende Gefühl und den Eindruck, niemals richtig anzukommen. In meinen zahlreichen Seminaren bin ich mit den Frauen auf die Reise nach mehr Zufriedenheit gegangen.

Woher stammt die Unzufriedenheit? Vielleicht von einer Unsicherheit?

Ja. Die meisten Frauen fühlten sich unsicher, egal was sie erreicht hatten. Sie mussten sich eingestehen, dass sie in ihrem Leben einen ständigen Spagat versuchen: Da ist auf der einen Seite die perfekte Rolle, die sie der Welt vorspielen. Und auf der anderen Seite ihr wahres Ich inklusive aller Zweifel.

Was für Zweifel?

Sie rühren aus einem Dilemma: Alle Zutaten, die uns nötig erschienen, haben wir in unser Rezept für ein zufriedenes Leben eingebaut – alles was wir für gut hielten oder von dem wir gehört haben, dass es richtig sei. Und jetzt steht unser Essen vor uns auf dem Tisch, und es schmeckt nicht. Ich denke, wir Frauen haben einfach vergessen, wie es ist, sich im eigenen Körper zu Hause zu fühlen. Stattdessen haben wir gelernt, den männlichen Weg zu gehen: ständig neue Ziele zu erreichen, pragmatisch und zweckorientiert in Aktion zu sein. Doch dabei kommen wir uns vor, als würden wir ein Programm abspulen, das uns nur leider nicht befriedigt.

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Autor:
Bruntje Thielke