Veränderungen im Leben
Sehnsucht und Veränderung
Manchmal tut sie weh, manchmal kribbelt sie verführerisch: Sehnsucht kann Flügel verleihen und dem Leben die entscheidende Wende geben
So recht verstehen konnte es zunächst keiner. Claudia, 39, besaß gemeinsam mit zwei Freundinnen eine gut laufende Firma, einen kleinen, feinen Internetversand. Ihre Eigentumswohnung in Hamburg hatte sie gerade zusammen mit ihrem Freund liebevoll renoviert. Und trotzdem: Im Sommer 2003 überraschten Claudia und ihr Partner Freunde und Familien mit der Neuigkeit: „Wir gehen ins Ausland!“ Drei Monate später war es so weit. Die Wohnung war vermietet, die Firmenunterlagen in Kisten verpackt – Claudia würde ihren Bereich, das Marketing, übers Internet und mit Hilfe von Telefonkonferenzen von nun an aus ihrem Homeoffice in einem Appartement auf Mallorca betreuen. Ihr Lebensgefährte hatte schnell einen Job in einem Hotel gefunden. Dass damals viele Freunde und auch die Familien über diesen Schritt überrascht waren, kann Claudia verstehen. „Es musste aber einfach sein“, sagt sie. „Wir hätten sonst immer das Gefühl gehabt, etwas ganz Wichtiges in unserem Leben nicht gemacht zu haben. Und da wir beide schon fast 40 waren, dachten wir: Jetzt oder nie.“
Es war die Sehnsucht nach Neuem, die sie angetrieben hat, ein unglaublich starkes Gefühl. „Sehnsucht entsteht immer dann, wenn eines unserer zwei zentralen seelischen Grundbedürfnisse ungestillt bleibt. Wir werden unruhig, weil wir nicht bekommen, was wir brauchen“, erklärt der Göttinger Hirnforscher Professor Gerald Hüther. Die beiden großen Bedürfnisse, um die es dabei geht, sind Nähe und Freiheit. Wir wollen mit anderen Menschen verbunden, Teil einer Gruppe sein. Gleichzeitig ist in uns ein großes Streben nach Autonomie und Entwicklung. Gerald Hüther: „Alle Sehnsüchte, die wir jemals empfinden werden oder empfunden haben, beziehen sich in letzter Instanz auf diese beiden zentralen Bedürfnisse.



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