Psychologie Phobien: Wenn die Angst zur Krankheit wird

Jeder kennt das mulmige Gefühl, wenn ein Zahnarzttermin ansteht, oder dieses unangenehme Schaudern beim Anblick einer großen Spinne. Wenn aber eine starke, irrationale Angst auftritt, dann spricht man von einer Phobie.

Ängstliche Frau verschränkt die Arme vor dem Körper Phobien: Wenn die Angst zur Krankheit wird © seasons.agency / Gräfe & Unzer Verlag / Blaschke, Kay

Merkmale einer Phobie

Klaustrophobie, Hypochondrie und Arachnophie, die Angst vor geschlossenen Räumen, vor Krankheit und vor Spinnen, sind wohl die drei bekanntesten Formen von Angststörungen. Besonders die Angst vor den krabbeligen Spinnen ist weit verbreitet und beinahe schon eine 'Standard-Phobie'. Die Liste der möglichen Objekte einer Angststörung ist aber noch viel länger - Angst lässt sich vor allem und jedem haben und ist meist schwer zu behandeln und zu verstehen. Oft sind es gar nicht die eigentlichen Objekte, vor denen der Betroffene Angst hat, sondern die Konsequenz einer Berührung mit diesen. Die Spinne, die unter unser T-Shirt krabbeln könnte und das Ersticken im Fahrstuhl machen mehr Angst, als die Spinne oder der Fahrstuhl selbst.

Diese Furcht vor bestimmten Situationen oder Objekten ist so groß, dass sie sich auf Gedanken, Gefühle und Verhalten auswirkt. Den Betroffenen ist bewusst, dass die Ängste meist unbegründet sind, doch können sie sich trotzdem nicht von ihnen befreien. Sie meiden Konfrontationssituationen bewusst und versagen sich daher die Erfahrung, dass das Objekt der Angst gar nicht so furchteinflößend ist. 

Häufig geht die Angst nicht nur mit bedrohlichen Gedanken einher, sondern auch körperliche Symptome, wie Zittern, Schweißausbrüche oder Herzklopfen, treten auf. 

Phobien im Alltag

Abhängig vom Objekt der Phobie ist die Auswirkung auf den Alltag der Betroffenen unterschiedlich. Arachnophobe Menschen meiden den dunklen und feuchten Keller (der schließlich als Zweitwohnsitz von Spinnen bekannt ist) und werden grundsätzlich andere mit der Entfernung einer Spinne beauftragen. Menschen mit Flugangst werden probieren, dieses Verkehrsmittel zu meiden. Sobald dies nicht möglich ist, sind die Betroffenen extremem psychischen Stress ausgesetzt und sehen sich einem wahren Kraftakt an Selbstbeherrschung gegenüber, wenn Sie dennoch in einen Flieger steigen müssen. 

Noch schlimmer wird es, wenn der Mensch unter Mysophobie leidet, der Angst vor Schmutz und der Ansteckung durch Keime, oder gar unter Trypaphobie, der Angst vor Nadeln. Hier wird der eigentlich hilfreiche Arztbesuch zum unüberwindbaren Hindernis, und die Angst beginnt, das Leben zu bestimmen. 

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Behandlung und Therapie

Nicht jede Phobie muss behandelt werden, wer aber unter den Angstzuständen leidet oder wenn sich aus der Furcht eine Panikattacke entwickelt und das alltägliche Leben massiv eingeschränkt wird, dann sollte ein Arzt um Rat gefragt werden.

Vor einer psychotherapeutischen Behandlung der Angststörung wird nach körperlichen Ursachen gesucht. Sollte beispielsweise eine Herzkrankheit oder eine Schilddrüsenüberfunktion die eigentliche Ursache sein, kann der Patient an den entsprechenden Spezialisten überwiesen werden. Das Ziel einer ärztlichen Therapie, sowohl körperlich als psychotherapeutisch, ist es, die Angstzustände zu überwinden und die persönliche Freiheit zurückzugewinnen.