Egoismus ist gesund
Mut zum klaren Nein
Wieder einmal Ja gesagt, obwohl Sie es nicht meinten? Dabei ist es wichtig, sich auch mal zu verweigern. Warum tun wir uns damit nur so schwer?
Was uns im Alltag ständig passiert, bekäme Harry Potter nicht mal mit einem raffinierten Zauber hin: dass wir freiwillig das Gegenteil von dem verkünden, was wir eigentlich sagen möchten. Statt unsere Mitmenschen klar und deutlich wissen zu lassen: „Am Montag passt es mir nicht“ oder „Nein, dazu habe ich keine Lust“, reagieren wir nämlich auf Anfragen oder Appelle von Freunden und Kollegen nicht selten mit einem schwammigen „Ach, das bekomme ich schon hin“ oder einem „Warum nicht?“. Manchmal geht es sogar so weit, dass wir mit dem Brustton der Überzeugung sagen: „Ja, kein Problem“, obwohl wir bereits ahnen, dass uns die Zusage ganz schön in Zeitnot bringen wird.
In einer Gewis-Umfrage für die FÜR SIE erklärten 94 Prozent der Frauen, dass es ihnen schwerfalle, Nein zu sagen. Überraschend: Für Männer ist es kaum einfacher, klar ihre Bedürfnisse und Überzeugungen zu äußern. Nur 13 Prozent hatten kein Problem mit der Abgrenzung durch ein Nein. Woran liegt es, dass wir das Wort mit den vier Buchstaben so selten aussprechen wollen?
Die Befragten nannten vor allem zwei Gründe: 52 Prozent gaben an, sie möchten, dass andere sie mögen. 67 Prozent sagen Ja, um Streit zu vermeiden. Die Schweizer Psychotherapeutinnen Elisabeth Schlumpf und Heidi Werder beschäftigen sich seit Jahren mit dem Phänomen der ungewollten Zustimmung, darum geht es auch in ihrem Buch „Immer für andere da? So lernen Sie, freundlich Nein zu sagen“ (Mosaik bei Goldmann). Nach ihrer Erfahrung entspringt die Unfähigkeit – oder besser: der Unwille –, Nein zu sagen, nicht selten einem Gefühl von Überverantwortlichkeit. „Diese Lebenshaltung zwingt uns, Sorgen und Lasten anderer Menschen blindlings zu übernehmen. Für eigene Bedürfnisse bleibt dann überhaupt kein Raum.“



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