Mimik und Gestik

In Gesichtern lesen

Sich selbst und andere leichter durchschauen: Was Aussehen und Mienenspiel verraten können.

In Gesichtern lesen

Nehmen wir die Ohren: Können Größe oder Form preisgeben, wie sensibel ein Mensch ist? Nehmen wir die Falten auf der Stirn: Sind sie ein Indiz für unsere Persönlichkeit? Physiognomik-Forscher sagen: Ja, sicher. Sie gehen davon aus, dass Gesichter Einblicke ins Innere eines Menschen erlauben. Wenn das stimmt: Sind nur Experten in der Lage, in Gesichtern zu lesen, oder kann jeder das lernen? Praktisch wäre es ja – und vielseitig einsetzbar: Man wüsste, welche Tagesmutter vertrauenswürdig ist. Ob der Waschmaschinenverkäufer die Wahrheit über seine Produkte erzählt. Oder ob die Kollegin ein Geheimnis auch wirklich für sich behält.

Menschenkenntnis trainieren

„Jeder kann Menschenkenntnis trainieren“, sagt Buchautorin Tatjana Strobel. Und fügt begeistert hinzu: „Wenn man sich einmal darauf eingelassen hat, wird das Leben einfacher und die Beziehung zu anderen tiefer.“ Bei ihrer ersten Begegnung mit einem „Gesichtsleser“ war sie skeptisch: „Das klang für mich nach Wahrsagerei.“ Doch was er in ihrem Gesicht las, war richtig. So richtig, dass sie neugierig wurde. Sie belegte Kurse in Physiognomik, tauchte ein in die über 2000 Jahre alte Lehre. Stellte fasziniert fest, wie viel von dieser „Wahrsagerei“ stimmt. Und machte sich damit als Coach selbstständig. Vor Kurzem erschien ihr Buch „Ich weiß, wer du bist“.

Hundert Merkmale

„Ein Gesicht besteht aus mehreren hundert Merkmalen“, erklärt Tatjana Strobel. Jeder Mensch deutet diese intuitiv, auch ohne angelerntes Wissen. „Aber mit Hilfe von physiognomischen Kenntnissen kann man seine erste Einschätzung überprüfen: Bereits zwei, drei Merkmale können uns einen Hinweis geben, ob unsere Intuition richtig oder falsch war.“ Die Stirnquerfalten etwa: Sind sie unterbrochen, so deutet das laut Strobel auf einen unruhigen, lebendigen Geist. Bei durchgängigen Falten können wir davon ausgehen, dass unser Gegenüber das Leben sehr ernst nimmt. Oder die Gesichtsform: Wer ein eckiges Gesicht mit geraden Wangen hat, setzt seinen Willen gerne durch. Menschen mit einem runden oder ovalen Gesicht sind harmoniebedürftig.

Oder die Ohren: Sind sie groß, ist die Person mitreißend, unternehmungslustig. Sind sie klein, gehören sie einem feinfühligen Menschen. Aber Moment: Wären dann nicht alle Menschen mit großen Ohren gleich?! „Natürlich darf man als Gesichtsleser nicht von einem einzelnen körperlichen Merkmal auf die gesamte Persönlichkeit schließen“, sagt Tatjana Strobel. Schließlich spiegelt sich das Wesen eines Menschen laut Physiognomik in insgesamt 330 Merkmalen – vom Haaransatz über Stirn, Nase und Augen bis hin zum Kinn. Ein Profi versucht, möglichst viele zu erkennen, beachtet, wie ausgeprägt sie sind, und kann ihr Zusammenspiel interpretieren, „denn jeder Mensch besteht aus vielen verschiedenen Facetten“.

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