Verhaltensweise
Das Geheimnis der Sympathie
Freundschaften, Erfolge und auch die Liebe basieren auf dem Zauber, der Herzen und Türen öffnet. Forscher haben ihn jetzt als Mix aus äußeren Umständen und Verhalten enttarnt: einfach zu erkennen und zu erlernen.
Der kleine Bruder stellt beim Familientreffen seinen neuen Schwarm vor. Klein, dünnes Haar – keine Schönheit, aber noch bevor sie ein Wort gesprochen hat, weiß man: Sie ist sympathisch. Auf der Party am Buffet drängelt sich eine Frau vor, unverschämt. Die Blicke treffen sich, und am Ende des Abends ist man mit ihr im Museum verabredet und hat das Gefühl, sie seit Jahren zu kennen. Und wie ist es möglich, dass der neue Kollege, dem man alles dreimal erklären muss, die ganze Abteilung bezaubert? Der US-Psychologe Rom Brafman und sein Bruder Ori, Unternehmensberater, wollten wissen, worauf die rätselhaften Urteile beruhen, die wir von früher Kindheit an fällen: „Mit der will ich nicht spielen, nur mit ihr.“ Warum entstehen zwischen manchen Menschen ohne Mühe Zuneigung und Vertrautheit – und wie können wir solche Momente herbeiführen?
Gemeinsames Leid – der wirksame Kitt
Die beiden amerikanischen Sympathie-Experten haben „Click-Beschleuniger“ entdeckt, darunter: Stress. Zwischen Karen und Elisabeth, Freundinnen seit zwei Jahrzehnten, funkte es an ihrem ersten Arbeitstag: Beide kamen zu spät, verpassten den Einführungskurs für die neuen Aushilfskräfte und mussten die Peinlichkeit zusammen ertragen. Gemeinsam erlebte Belastungen seien ein idealer Nährboden für Sympathie. „Wenn man miteinander Strapazen durchsteht, ist das eine intensive gemeinsame Erfahrung. Es baut emotionale Barrieren ab, die wir sonst aus Selbstschutzgründen errichten, und es schafft ein Gefühl der Solidarität“, schreiben die Brafmans.
Räumliche Nähe – die große Chance
Ein weiterer Faktor ist räumliche Nähe. Eine Untersuchung in Studentenwohnheimen des MIT (Massachusetts Institute of Technology) in Boston hat gezeigt: Wer an den Enden der Gänge lebt, ist ein relativer Außenseiter; Zimmerinhaber in der Mitte verfügen dagegen über besonders viele Kontakte. Der Grund: Sie haben mehr direkte Nachbarn und kommen häufiger und mit mehr Kommilitonen ins Gespräch. Gelegenheit schafft Sympathien.
Schwäche – die geheime Stärke
Bei dem neuen Kollegen, der mehr Arbeit verursacht, als er leistet, wirkt ein anderer „Click-Beschleuniger“: Er gibt seine Misserfolge und Unsicherheiten offen zu und zeigt sich verletzlich. „Dass wir Schwäche mögen, scheint auf den ersten Blick wenig einleuchtend“, schreiben die Brafmans, denn gerade am Anfang des Kennenlernens wollen wir stark und kompetent erscheinen. Tatsächlich wird Selbstoffenbarung in angemessener Form aber nicht negativ gewertet, sondern als Einladung verstanden, die Beziehung auf einer tieferen, emotionalen Ebene fortzusetzen.
Ehrlichkeit – der Weg zum Vertrauen
Ein berühmtes Beispiel dafür ist Bill Clinton. Fünf Monate vor den Präsidentschaftswahlen 1992 schien seine Lage aussichtslos. Bis seine Wahlkampfberater einen letzten Versuch wagten: Clinton begann, auf Podien und in Talkshows mit authentischen, ehrlichen Worten über seine Kindheit zu sprechen, dass er bei seiner alleiner ziehenden Mutter aufgewachsen und sein Stiefvater Alkoholiker war. Kaum zeigte Clinton sich verletzlich, schnellten seine Sympathiewerte hoch.



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