Bauchgefühl
Hör auf deinen Bauch!
Wer sein Leben allein vom Verstand bestimmen lässt, handelt nicht immer klug. Denn Intuition kann uns weiter bringen als jedes gute Argument.
Wie oft haben wir das gehört: Sei lieber vernünftig, überleg erst mal! Wichtige Entscheidungen, das lernen wir früh, sollten durchdacht und bewusst gefällt werden. Was als Kind selbstverständlich war, nämlich ganz aus dem Bauch heraus zu leben, geht uns Erwachsenen oft verloren. Viele werden zu Kopfmenschen, die lieber auf Sicherheit setzen. Ein nach rationalen Gesichtspunkten gut klingendes Jobangebot, eine attraktive Wohnung in guter Lage, nicht zu teuer – es erscheint uns gut und vernünftig, solche Möglichkeiten wahrzunehmen. Und doch hat jeder schon mal die Erfahrung gemacht, dass allein mit dem Kopf getroffene Entscheidungen nicht unbedingt glücklich machen.
„Viele leben nach vorgegebenen Konzepten, wie man sein sollte“, sagt die Hamburger Diplom-Psychologin Susanne Kersig, „und übersehen dabei, was für sie selbst stimmig ist.“ Dabei haben wir doch oft schon geahnt, was uns eigentlich guttäte. Unser inneres Gefühl würde uns den richtigen Weg weisen – wenn wir es denn spürten. Oder wenn wir wichtig nehmen würden, was uns diese Empfindungen sagen, und dann mutig danach handelten. Denn der Bauch ist oft klüger, als wir denken. Diese Erkenntnis hat sich zumindest in der Hirnforschung und Psychologie in den vergangenen Jahren immer stärker durchgesetzt: Der Verstand kommt nicht ohne Intuition aus. Sie ist eine zusätzliche Wissensquelle, auf die wir in jedem Moment unseres Lebens angewiesen sind und die wir nicht verdrängen sollten.
Die Fähigkeit zur Intuition, die wir auch Bauchgefühl nennen, liegt zum Teil in den Genen. Hauptsächlich aber schöpft sie sich aus dem, was der Hirnforscher Gerhard Roth das „emotionale Erfahrungsgedächtnis“ nennt. Der Hintergrund: Nur ein winziger Teil von dem, was wir wahrnehmen und erleben, dringt in unser Bewusstsein: etwa 0,01 Prozent. Das Unbewusste hingegen verrichtet das Allermeiste an Arbeit, die für unser Gehirn anfällt, ohne dass wir auch nur das Geringste davon merken. Das fängt schon mit den Empfindungen an, die wir im Mutterleib hatten, und häuft sich über die Lebensjahre zu einem gewaltigen Schatz an Wissen an, dem wir letzlich unser Gespür verdanken.



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