Kinderwunsch

Letzte Rettung Samenspende

Samenspende ist für viele ein Tabuthema. Dabei sind Samenspender für manche Müttern der letzte Ausweg zur Realisation des Kinderwunsches.

Frau mit Baby Letzte Rettung Samenspende © iStockphoto/Thinkstock

Kabine 1 ist besetzt. Im Wartezimmer der Samenbank Cryos International zeigen rote Lämpchen an, in welchem der drei Räume gerade ein Samenspender seinen Auftrag erledigt. Auf etwa drei Quadratmetern, zwischen Pornoheften, Fernseher und Waschbecken. Wenn die Männer ihren Becher abgegeben und das Honorar – etwa 25 Euro – eingesteckt haben, bringt eine Mitarbeiterin die Samenspende ins Labor. Unterm Mikroskop schätzt sie die Zahl der Spermien. Aus dem Behälter, in dem der Samen tiefgefroren wird, dampft flüssiger Stickstoff. Was Männer in dem Backsteingebäudeim dänischen Städtchen Aarhus produzieren, bestellen Frauen aus der ganzen Welt. Dänische Samenbanken führen den globalen Markt der künstlichen Befruchtungan, Cryos ist laut Gründer Ole Schou (58) die größte.

Dänen-Spender bleiben anonym

Dass besonders viele dänischeMänner – ähnlich wie der Held der Kinokomödie „Starbuck“ (Start: 16. 8.) – Kinder aufder ganzen Welt haben, liegt anden liberalen Gesetzen ihres Landes. Anders als in Deutschland werdenhier auch Singles und lesbische Frauen in Fruchtbarkeitskliniken behandelt. Und anders als bei uns und in vielen anderen europäischen Staatendürfen Männer in Dänemark anonym spenden, was ihre Bereitschaftstark erhöht. Die Anonymitätbedeutet aber auch, dass dieKinder keine Chance haben, denSpender kennenzulernen. Vieleempfinden diese Leerstelle in ihrer Biografie als schmerzhaft. Ole Schou sagt dazu nur: „Ohne unswürden sich die Frauen den Samenauf andere Art besorgen – und sich dabei Krankheiten holen. Oder sie blieben kinderlos.“

Immer mehr Singles bestellen Samen

Etwa die Hälfte der Kunden sind Paare, bei denen der Mann unfruchtbar ist. Zehn Prozent sind lesbische Paare, 40 Prozent Singlefrauen. Deren Anteilwächst am stärksten, sagt Schou. Sie allekönnen wählen zwischen dem blauäugigen, schlanken Blonden, dem muskulösenDunkelhaarigen und vielen anderen.Spender „Zellel“ gibt an, er seheein bisschen aus wie Matt Damon. Esgibt Wirtschaftswissenschaftler, Elektriker,Musiker. 600 Männer hat Cryos inder Datenbank, die meisten davon Studenten. Billigen Samen gibt’s ab 40 Europro Dosis, für bessere Qualität zahltman bis zu 450 Euro: Das kostet eine Spende mit extra vielen, sehr beweglichen Spermien, was die Chancen einer Schwangerschaft erhöht. Dazu kommen169 Euro für den Versand im Stickstoffbehälter. Bevor er Chef der weltgrößten Samenbankwurde, studierte Schou Wirtschaft. Eines Nachts hatte ereinen seltsamen Traum von gefrorenenSpermien.

Sperma in Mamas Eiswürfelfach

Das Bild ließ ihn nicht mehr los. Er recherchierte und experimentierte. Las an der Uni Fachartikelund stellte probehalber eigenes Sperma ins Eiswürfelfach seiner Mutter. „Sie war ziemlich sauerund fragte, ob ich verrückt gewordensei“, sagt Schou und lacht. 1987 gründeteer Cryos (griechisch für „Eis“), radelteanfangs noch selbst durch die Fußgängerzoneauf der Suche nach Spendern. Er hängte Plakate auf, sprach Männer an. Heute hat er 35 Angestellte und liefertin 70 Länder. Eigenes Sperma verkaufthabe er aber nie, sagt der hagere Zwei-Meter-Mann mit den grauen Schläfenund grinst. Die Qualität sei einfach nicht gut genug.

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