Eheglück

Was Ehen wirklich glücklich macht

Die amerikanische Psychologin Sara Gorchoff fand heraus, dass es Paaren besser geht, wenn die Kinder aus dem Haus sind.

Was Ehen wirklich glücklich macht

Frau Gorchoff, Sie haben uns auf einen schrecklichen Verdacht gebracht. Ruinieren Kinder das Leben ihrer Eltern?
Um Gottes willen, wie kommen Sie denn bloß darauf?

Die Botschaft Ihrer Langzeit-Studie mit mehr als hundert befragten Frauen haben wir so verstanden: Sind die Kinder erst mal aus dem Haus, geht es aufwärts mit der Partnerschaft.
Richtig, aber das bedeutet nur, dass Kinder es den Eltern etwas schwerer machen, ihre Partnerschaft zu gestalten. Wenn die Kinder erwachsen sind, kommt es dann nach unseren Erkenntnissen der Ehe wieder zugute.

Aber seit Jahrzehnten arbeiten Psychologen mit einem Bild von Eltern, die verzweifelt allein zurückbleiben, wenn ihre Kinder ausziehen. War das falsch?
Natürlich nicht. Aber die Vorstellung, dass Frauen verstört und traurig im leeren Nest sitzen, ohne Aufgabe im Leben, ohne Selbstvertrauen, gehört doch mehr in die Vergangenheit. Natürlich ist dieser Übergang für Frauen, die vor allem Hausfrau und Mutter sind, schwieriger. Aber die trifft man nicht mehr so oft. Bei gut ausgebildeten, berufstätigen Frauen stehen eher die Chancen im Vordergrund, wenn die Kinder ausgezogen sind. Wir haben auch einen schönen Nebeneffekt entdeckt: Frauen im leeren Nest schätzen ihre Kinder eher als erfolgreich im Leben ein.

Sie haben eine Hoffnung für alle Mütter formuliert: Haltet durch, es wird wieder besser! Befürchten Sie nicht, dass bald massenhaft halbwüchsige Jugendliche aus dem Nest geworfen werden?
Wir hatten sogar Sorgen, dass Schulkinder massenhaft in Internate gesteckt werden. Nein, im Ernst: Es ist nicht so, dass ihr Leben vorher schrecklich war. Die Eltern waren glücklich mit ihren Kindern. Trotzdem ist die Ehe besser geworden, als die Kinder weg waren.

Das Glück in der Partnerschaft nahm zu, aber nicht die allgemeine Zufriedenheit. Wie passt das zusammen?
Wir haben konkret nach beidem gefragt. Das muss sich nicht widersprechen, die Frauen genießen einfach die Zeit mit ihren Partnern intensiver.

Die von Ihnen befragten Frauen sind alle in den 50er Jahren auf dasselbe College in Kalifornien gegangen. Was sagt Ihnen, dass diese Ergebnisse verallgemeinert werden können?
Die sind repräsentativer, als man denkt. Zum Beispiel haben 50 Prozent eine Scheidung erlebt, genau wie der Schnitt der Bevölkerung. Nein, diese sogenannte „Mills-Gruppe“ ist ein seltener Glücksfall für die Forschung: Man beobachtet sie seit 50 Jahren, wir wissen sehr viel über diese Frauen. Natürlich gibt es Einschränkungen: Es wurden nie Männer befragt, und alle hatten einen höheren Schulabschluss. Aber für diese Generation, in der Frauen erstmals überwiegend berufstätig waren, sind die Studienteilnehmerinnen sehr typisch.

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