Über die Rolle des modernen Mannes

Wann ist der Mann heute ein Mann ...?

Eine aktuelle Studie zeigt, dass sich alte Rollenbilder nur langsam verändern. Der Autor Jochen Metzger über Männer und ihre Modernisierung.

Wann ist der Mann heute ein Mann ...?

Neulich hab ich ein paar alte Freunde getroffen. Da wurden tolle Geschichten erzählt: Jürgen schreibt gerade ein Buch und bekommt unfassbar viel Geld dafür. Volker schwärmt von den „Klassefrauen“ auf seiner Brasilien-Tour. Tom war kürzlich in Kanada, um Schwarzbären zu jagen. Ich habe vergessen, mit welchem Märchen ich die anderen beeindruckt habe. Jedenfalls ist mir danach klar geworden, dass es höchste Zeit ist, mal ein paar Männer-Realitäten auf den Tisch zu bringen. Und die sehen so aus: Ich bin Teil einer Familie, die durchschnittlicher nicht sein könnte. Mama, Papa, eine Tochter, ein Sohn. Abends koche ich manchmal eine Kleinigkeit. Danach mache ich den Abwasch, während meine Frau und die Kinder den Tag bei einer TV-Folge „Hannah Montana“ ausklingen lassen. Später reden wir Eltern noch auf dem Sofa über was auch immer. Auf ProSieben läuft Heidi Klum und in den Werbepausen Fußball.

Früher gab es statt Trost vor allem Durchhalteparolen

Das ist die Männer-Wirklichkeit im Jahr 2009: Man verdient ein bisschen Geld, verbringt aber auch viel Zeit mit der Familie. Man kann zuhören, Gefühle zeigen, Geborgenheit vermitteln und übernimmt ein paar Aufgaben im Haushalt. „Werte wie Familie, Partnerschaft und Freundschaft, die bislang eher Frauen zugeschrieben wurden, haben auch für Männer an Bedeutung gewonnen“, schreibt Familienministerin Ursula von der Leyen im Geleitwort zu der über 400 Seiten dicken aktuellen Studie „Männer in Bewegung“, die das Bundesfamilienministerium kürzlich zusammen mit der katholischen und evangelischen Kirche vorgestellt hat.

Was genau hat sich verändert? Ich denke an die Männer heute, meine Freunde, mich. Und an meinen Vater. Er ist in vielen Dingen ein Vorbild für mich. Aber er kocht schlechter als meine zwölfjährige Tochter. Er wäre nie auf die Idee gekommen, mal kurz das Esszimmer zu wischen. Und wenn man sich das Knie aufgeschlagen hatte, dann gab’s statt Pflaster und Trost vor allem Durchhalteparolen. Winnetou hat schließlich auch nicht geweint. So war das früher mit den Vätern. 27 Prozent der Männer sind laut Studie heute noch immer so drauf, leben in der alten Rollenaufteilung: Der Mann verdient das Geld, die Frau bleibt bei den Kindern. Dennoch bezeichnen die Forscher diese Männer nur noch als „teiltraditionell“. Denn nicht alles ist beim Alten geblieben. Heute darf die Gattin nämlich ein paar Euro dazuverdienen, zumal ein Gehalt ohnehin selten ausreicht. Und es ist auch okay, wenn der Mann nach Feierabend Wäsche aufhängt, ausnahmsweise. Männer haben sich also bewegt. Aber nur ein bisschen, wie die Studie verdeutlicht.

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Kommentare

(nicht ganz ernst zu nehmen)
Viele Bürger unseres Landes haben ein großes Handicap, wodurch sie nach und nach in das gesellschaftliche Abseits flutschen könnten. Auch ich bin betroffen. Unsere Behinderung nennt sich: "Wir sind keine Frauen!" :) gg

von Max Muster-Mann ~