Kolumne Amelie Fried
Suche Schönheit biete Geld
Herzflattern? Romantik? Vergessen Sie’s! In der Krise zählen andere Werte, meint Amelie Fried
Ein „gepflegter, großzügiger Gentleman über 50“ sucht im Kontaktanzeigenteil meiner Tageszeitung unter der Rubrik „Heirat“ eine „junge, hübsche, niveauvolle Frau, die sich auf den Händen tragen und verwöhnen lässt“. Versprochen wird, „dass sie sich ohne finanzielle Probleme ihrer Ausbildung und der lebensfreudigen Zweisamkeit“ widmen kann. Das nenne ich mal ein reelles Angebot! Endlich kehren wir zu den soliden Verhältnissen des 19. Jahrhunderts zurück, als die Ehe noch ein Wirtschaftsunternehmen war und keine, von übergroßen emotionalen Erwartungen befrachtete, romantische Idee. Waren die Ehen damals nicht viel haltbarer als heute, wo jede dritte Verbindung scheitert? Wenn eine Ehe nicht aus Liebe geschlossen wird, sondern auf der Basis des Tauschgeschäfts „Geld gegen Schönheit“, ist auch die Enttäuschung nicht so groß, wenn der Partner sich als Rohrkrepierer entpuppt.
Immerhin zahlt der oben zitierte Inserent sogar eine Berufsausbildung, sodass er seine nicht mehr ganz so junge und hübsche Frau zu gegebener Zeit wieder in die Wüste schicken kann – und das ganz ohne unschöne Unterhalts- Streitereien!
Bislang funktionierte dieses Geschäft meist nur in einer Richtung: Reicher Mann kauft sich schöne, junge Frau. Nun ist die Emanzipation endlich auch in der gesellschaftlich anerkannten Beziehungsprostitution angekommen, wie folgendes Inserat zeigt: „Mann, 59 J., Nichtraucher, Nichttrinker, kfm. Ausbildung, sucht liebesbedürftige Millionärin bei gegenseitiger Hilfe.“ Donnerwetter, das muss ja ein toller Typ sein! Zu dumm, dass wir dem Anforderungsprofil nicht entsprechen!
Interessant wäre, herauszufinden, was „bei gegenseitiger Hilfe“ bedeutet. Dass er ihr großzügig beim Geldausgeben hilft, liegt auf der Hand. Aber wobei könnte sie ihm helfen? Beruhigend jedenfalls, dass hier jemand das Beste aus seiner kaufmännischen Ausbildung macht. Wenn in der Krise die Arbeitskraft nicht mehr gefragt ist, besinnt man sich eben auf seine anderen Produktivkräfte. Wie auf allen Märkten herrscht auch auf dem Beziehungsmarkt das Gesetz von Angebot und Nachfrage. Da kann man unserem 59- jährigen kaufmännisch Ausgebildeten nur wünschen, dass er verteufelt gut aussieht. Denn wenn die Millionärin mit ihrem Geld schon einen Mann aushalten soll, kann sie auch gleich einen jungen, schönen nehmen. Geschäft ist schließlich Geschäft



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