Gesundheit Schmerzen beim Sex

Wie kommt es, dass die angeblich schönste Sache der Welt so vielen Frauen die Lust verleidet

Frau hat Schmerzen beim Sex Schmerzen beim Sex © iStock/Thinkstock

Seit Monaten habe ich Schmerzen, wenn ich mit meinem Partner schlafe“, klagt eine Patientin, 37, ihrer Frauenärztin Elisabeth Merkle. Die Gynäkologie- Professorin aus Bad Reichenhall kennt das Problem: „In meiner Praxis beobachte ich, dass etwa jede dritte Frau beim Sex Schmerzen hat – und oft über lange Zeit“, erklärt sie. „Doch niemand sollte das einfach so akzeptieren. Gehen Sie lieber gleich zum Frauenarzt!“

Was für Schmerzen gibt es?
Am Scheideneingang, in Vagina oder Unterbauch kann es jucken, brennen, stechen, ziehen, drücken. Der Schmerz kann kommen und gehen – oder anhalten. Bei manchen Frauen geschieht das nur in bestimmten Positionen oder wenn eine empfindliche Stelle berührt wird. Bei anderen tut es beim Orgasmus weh oder danach. „Dyspareunie“ heißt der Begriff für genitale Schmerzen beim Sex. Ähnlich unangenehm: „Vaginismus“, Krämpfe im Unterleib: Scheide und Beckenboden ziehen sich zusammen, sobald der Penis eindringt. Mindestens acht Prozent aller Frauen leiden darunter. „Die Dunkelziffer dürfte noch höher sein“, sagt Frauenärztin Merkle. Oft steckt hinter den Beschwerden ein psychisches Problem, ein Partnerkonflikt oder die Angst vor Schwangerschaft: Unter seelischem Druck verspannt sich die Muskulatur. Das bewirkt Schmerzen, die Angst vorm nächsten Mal auslösen – ein Teufelskreis. 

Was sind die Ursachen?
Auch organische Ursachen kommen infrage, etwa eine Endometriose, also versprengte Gebämutterschleimhautzellen im Beckenbereich. „Diese Stellen bluten bei der Periode und füren zu Verwachsungen“, so Merkle. Auch riskant: Genitalwarzen, Infekte, Narben und Verwachsungen nach Operation oder Geburt. Selbst die Pille oder die Wechseljahre könen schuld sein: Durch Ötrogenmangel wird die Scheidenhaut nälich dün und verletzlich. Organische und seelische Ursachen lassen sich nicht immer trennen. „Eine Frau hat Schmerzen, etwa durch eine Entzüdung. Ist sie ausgeheilt, kann die Angst vor schmerzhaftem Sex bleiben – und der Schmerz anhalten.“

Wo findet man Hilfe?

Wissenschaftler unterschiedlicher Fachrichtungen gründeten das Informationszentrum für Sexualität und Gesundheit e. V. (ISG) am Universitätsklinikum Freiburg, Tel. 0 18 05/55 84 84 (Mo–Fr 10–12 und 15–18 Uhr, 14 Cent/ Min.), www.isg-info.de.

Welche Therapie wirkt?
Besteht ein Konflikt in der Partnerschaft, ist es wichtig, miteinander zu reden. „Paare sollten ihre sexuellen Wüsche ansprechen“, rät Merkle. Sexualmedizinisch ausgebildete Frauenärzte können auch bei psychischen Beschwerden weiterhelfen. Gerade Vaginismus behandelt man am besten durch Gesprähstherapie sowie Einzel- und Partnerschaftsübungen, die man zu Hause macht. Verleiden organische Ursachen das Liebesspiel, helfen Antibiotika, antimikrobielle Löungen oder Hormone. Eventuell ist ein Eingriff nöig. Damit Sex wieder wird, was er sein sollte: die schönste Sache der Welt!

 

 
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Autor:
Karin Riesterer