Sex-Tipps Mehr Lust am Sex

Überall nackte Haut: in der Werbung, im Internet. Wir leben in einer übersexualisierten Welt. Doch unser eigenes Liebesleben ist langweilig geworden. Ein Erklärungsversuch.

Glückliches Pärchen Mehr Lust am Sex © iStock/Thinkstock

Natürlich macht Sex Spaß. Großen sogar. Tatsächlich aber ist bei vielen die Leidenschaft etwas eingeschlafen. Und so fragen wir uns: „Wann hatten wir eigentlich zuletzt richtig guten Sex?“ Laut Ragnar Beer von der Universität Göttingen dürfte das schon eine Weile her sein. Dazu kommt: „Die meisten Menschen haben nicht so viel Sex, wie sie gern hätten“, sagt der Psychologe, der seit 15 Jahren das Lust- und Liebesleben der Deutschen untersucht (www.theratalk.de). Ergebnis: Mehr als die Hälfte der deutschen Paare hat höchstens einmal pro Woche Sex, jedes fünfte nur einmal im Monat – wenn überhaupt. Dabei wünschen sich jede zweite Frau und ebenso viele Männer häufiger Sex – gewürzt mit ein wenig mehr Abwechslung, so eine Studie der Deutschen Gesellschaft für Sexualforschung.

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Wie also können wir nicht nur mehr Sex, sondern vor allem auch noch mehr Spaß dabei haben? Wäre Fremdgehen möglicherweise eine Lösung? „Vielleicht“, sagt Volkmar Sigusch, Deutschlands renommiertester Sexualforscher, dessen jüngstes Buch „Auf der Suche nach der sexuellen Freiheit“ (Campus, 24,90 Euro) gerade erschienen ist. „Aber guten Sex mit jemandem zu haben, den man nicht kennt, ist keine Kunst.“ Eine Kunst dagegen sei es, guten Sex in einer langjährigen Beziehung zu bewahren. Denn statistisch gesehen sinke nach vier bis sieben Jahren das sexuelle Begehren in der Partnerschaft. Dass uns mit der Zeit die Lust ausgeht, liegt aber auch an der Gesellschaft, in der wir leben: zu viel Stress, zu wenig Zeit, zu viel Arbeit. Vor allem aber: übersexualisierte Medien. „Diese gewaltige Veröffentlichung bislang intimer Details und deren Kommerzialisierung hat das Sexuelle völlig banalisiert und zum Teil zerstört“, erklärt Sigusch.

Einen weiteren Grund sieht der Experte darin, dass Sex und Liebe in unserer Kultur völlig unterschiedlich bewertet werden: „Liebe steht für Zuneigung, Vertrauen und Verantwortung. Sex dagegen für Lust, Auffressenwollen und Zerspringen.“ Die Einzigen, die zwischen Sex und Liebe nicht trennen, sind Frischverliebte. Doch nach 15 Jahren Ehe sieht das auch bei ihnen ganz anders aus. Da braucht es eine gehörige Portion Fantasie, um in dem müden Familienvater auf der Couch den heißen Lover von einst zu entdecken. Ulrich Clement, Sexualwissenschaftler und Paartherapeut aus Heidelberg, hat zu diesem Thema mehr als 30 Jahre geforscht („Guter Sex trotz Liebe. Wege aus der verkehrsberuhigten Zone“, Ullstein, 8,95 Euro).

Seine Ratschläge an alle Paare, die mehr Spaß im Bett wollen, lauten: 1. Warten Sie nicht auf erotische Momente. Schaffen Sie welche. 2. Jeder hat andere erotische Vorlieben. Sehen Sie das als Chance. 3. Haben Sie Freude am erotischen Spiel. Und 4. Probieren Sie mal etwas Neues aus. Allerdings: Ohne miteinander zu reden über das, was einen erregt und wonach man sich sehnt, geht es nicht. Doch nichts ist schwerer als das. Was, wenn der Partner einen auslacht? „Tut er nicht“, verspricht Psychologe Beer. „Ganz im Gegenteil. Wir haben herausgefunden, dass sowohl Männer als auch Frauen nur allzu gern die Wünsche ihrer Partner erfüllen würden – wenn sie denn von ihnen wüssten.“ Vielleicht gehört dann auch Tantra künftig zum Liebesspiel. Oder kleine Accessoires aus dem Erotikshop.

 

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