Protokoll
Wo ist nur die Lust geblieben?
Sendepause im Bett stellt die Liebe auf die Probe. Mal will SIE nicht. Mal will ER nicht. Zwei Frauen, zwei Geschichten. Mit unterschiedlichem Ausgang.
Plötzlich kam das Begehren abhanden. Tanja (39) über die Ratlosigkeit einer Liebe
„Der Sex mit ihm kommt mir vor wie eine Pflichtübung“
Ich liege schon im Bett. Die Treppe knarrt. Sebastian geht ins Badezimmer. Gleich wird er zu mir unter die Decke kommen. Dann will er mit mir schlafen. Aber ich will nicht. Die Tür öffnet sich, er legt sich zu mir, streichelt meinen Rücken. Meine Augen bleiben geschlossen. Ich drehe mich weg. „Bin müde, Liebling.“ Mehr sage ich nicht. Er seufzt und zieht die Hand zurück. Klar. Das ist keine schöne Situation. Für ihn nicht. Für mich auch nicht. Schon seit mindestens einem Jahr habe ich keine Lust mehr. Das alles kam schleichend, und ehrlich gesagt weiß ich auch nicht, was da los ist.
Sebastian ist meine große Liebe. An meinem 34. Geburtstag habe ich ihn kennengelernt. Seit fünf Jahren sind wir jetzt zusammen, seit zwei Jahren verheiratet. Wir können reden und lachen, passen perfekt zusammen. Nur im Bett, da passt zurzeit gar nichts mehr. Vor zwei Jahren kam Sven zur Welt. Bestimmt hat es damit zu tun. Wir wussten ja vorher, dass das Leben mit Baby anstrengend ist. Ich habe recht bald wieder angefangen, als Bibliothekarin zu arbeiten. Mein Job, unser kleiner Sven, der Haushalt. Man ahnt ja trotz all der guten Tipps nicht, wie erschöpft man sein kein. Wie genervt man wird von den täglichen Aufgaben. Ab und zu schlafe ich noch mit Sebastian, damit ich wieder meine Ruhe habe. Manchmal ist es dann auch schön. Trotzdem kommt mir der Sex mit ihm vor wie eine Pflichtübung. Das tut mir leid. Das hat er nicht verdient. Er begehrt mich. Eigentlich sollte ich mich darüber freuen. Stattdessen fühle ich mich bedrängt.
Ich denke manchmal: Kann der Kerl nicht endlich mal vernünftig und erwachsen werden? Ab und zu will er wissen, was mit mir los ist. Gute Frage. Ich wüsste das selbst ganz gern. Stimmt irgendwas nicht mit mir? Muss ich zum Arzt? Ich sage dann: Der Stress ist schuld. Das übliche Blabla. Neulich abends habe ich dann wirklich mal ausgepackt. Man denkt ja sonst, man wird verrückt. Die Liebe geht kaputt daran, dass er immer etwas von mir fordert, das ich ihm nicht geben kann. Liebe ich ihn überhaupt noch? Wenn alles okay wäre, würde ich bestimmt noch fühlen wie früher. Oder? Ich brauche mehr Zeit für mich. Dann kommt alles wieder. Das alles sage ich genau so. Es trifft ihn, ich kann es sehen. „Das war’s also? Du willst mich nicht mehr?“, fragt er. Nein. So war das nicht gemeint. „Was kann ich tun? Soll ich auf der Couch schlafen? Ich gebe dir alle Zeit, die du brauchst.“ Er streicht sein Haar zurück. Diese Hände. Am Anfang konnten wir kaum die Finger voneinander lassen. „Ich will nicht, dass du eine andere Frau berührst“, habe ich gedacht. Ich weine ein bisschen. Er nimmt mich in den Arm, ganz so wie immer. Und ich merke, wie ich es zulassen kann. Er ist noch immer meine große Liebe, was soll denn der ganze Quatsch? Wir kriegen das hin. Mit ein bisschen Zeit. Aber die haben wir. Hoffentlich.



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