Interview
Im Gespräch mit Benoîte Groult
Ihr erotischer Roman "Salz auf unserer Haut" war ein Bestseller. Mit 88 erwartet Benoîte Groult zwar keine Affären mehr, flirtet aber immer noch gekonnt
Sie eilen von einem Termin zum nächsten, weil in Frankreich Ihre Autobiografie erschienen ist. Wie geht es Ihnen dabei?
Eigentlich sollte ich ja inzwischen tot sein. Aber wie Sie sehen, bin ich 88 Jahre alt und lebe immer noch.
Welche Frage wird Ihnen in Interviews am häufigsten gestellt?
„Wie viele Liebhaber hatten Sie in Ihrem Leben?“
Und wie viele waren es?
Ach, nur ein paar. Und nur einer war wirklich wichtig – Kurt, ein aus Deutschland ausgewanderter Jude. Er arbeitete im Zweiten Weltkrieg als Pilot für die amerikanische Luftwaffe.
Kurt ist der Mann, der Sie zu Ihrem Roman „Salz auf unserer Haut“ inspirierte.
Im Buch ist er ein Fischer namens Gauvain. Ich lernte Kurt am Tag der Befreiung Frankreichs kennen. Diese Soldaten waren für uns sehr attraktiv: gut aussehend, gut genährt, gut angezogen. Sie hatten Seife, Zigaretten, Whiskey – alles Dinge, die es bei uns Jahre nicht mehr gegeben hatte. Das machte die Männer natürlich noch attraktiver. Also hatte ich Affären mit einigen von ihnen. Aber in Kurt war ich wirklich verliebt.
Warum haben Sie ihn nicht geheiratet?
Er machte mir sogar einen Antrag. Aber ich konnte einfach nicht in einem gottverlassenen Dorf in den Staaten leben und darauf warten, dass mein Pilot mal wieder nach Hause kommt. Ich wusste, ich würde unglücklich sein. Und dass Liebe nicht ausreichen würde, um mein Leben mit ihm zu verbringen. Wir weinten viel, aber ich sagte Nein.
Doch der Kontakt brach nie ab?
Zunächst schrieben wir einander nur an Weihnachten und zu Geburtstagen. Er heiratete, ich heiratete. Und doch versteckte sich diese Liebesgeschichte in einer Ecke unserer Herzen. Zehn Jahre später hielt ich einen Vortrag in New York. Also schrieb ich ihm: „Wollen wir uns treffen?" Wir verbrachten zwei Tage miteinander. Es war, als wäre ich wieder 18. Wir beschlossen, dass es zu schade wäre, dieses Gefühl aufzugeben.
Und trotzdem blieben Sie 54 Jahre mit Ihrem Mann Paul verheiratet.
Ist das nicht wundervoll? So etwas gibt es heute nur noch selten. Die Leute lassen sich scheiden, sobald Probleme auftauchen. Als wir heirateten, wussten wir, es würde auch schwierige Momente geben.
Aber wir wurden damit fertig.



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