Affären Fremdgehen in der Ehe

Wie ein Erdbeben erschütterte seine Affäre ihr Leben, rüttelte an den Grundfesten ihrer Beziehung. Sollte sie gehen? Sollte sie bleiben? Karin entdeckte einen dritten Weg für sich: Sie besann sich auf sich selbst.

Fremdgehen in der Ehe Fremdgehen in der Ehe © iStockphoto

Schon seit Tagen war es schwül gewesen, und an diesem Abend zogen schwere Gewitterwolken auf. Ich war mit meiner Freundin Stefanie zum Essen verabredet, und als wir uns vor dem Restaurant trafen, prasselten die ersten großen Tropfen auf den Asphalt, auf der Terrasse war ein Sonnenschirm vom Wind umgestoßen worden. Mir fiel sofort auf, dass Stefanie anders war als sonst. Distanzierter, zugeknöpfter. Unser Gespräch kam nicht richtig in Gang, und dann sagte sie plötzlich: „Karin, ich weiß nicht, ob ich jetzt das Richtige tue, aber ich bin deine Freundin, und ich denke, du solltest es wissen: Gestern habe ich deinen Mann mit einer jüngeren Frau gesehen. Die beiden waren sehr vertraut mit einander.“Stefanie konnte mir nicht ins Gesicht sehen und schob die Speisekarte nervös auf dem Tisch hin und her. „Das glaube ich nicht“, flüsterte ich. Und: „Ich möchte gehen.“ An Essen war sowieso nicht mehr zu denken.

Mein Mann Fred (50) und ich (46) hatten vor 18 Jahren geheiratet. Wir haben zwei Söhne – Leon ist 15 und Philipp wird dieses Jahr 13. Wir leben auf dem Land, haben uns in einem kleinen Ort bei Hannover ein Haus gebaut. Ich habe es eingerichtet, die Kinder sind hier aufgewachsen, es ist unsere Heimat. Fred leitet ein gut gehendes Versicherungsbüro. Ich bin Optikerin. Bei uns wohnt das Glück, dachte ich immer. Bis zu jenem heißen Augusttag, als von einer Sekunde zur anderen alles ins Wanken geriet. Es goss längst in Strömen, als ich an jenem Abend nach Hause kam. Fred stand in der Küche und räumte das Geschirr vom Tisch. Er lächelte mich abwesend an, aber ich schloss die Tür und sagte ihm auf den Kopf zu: „Hast du etwas mit einer anderen Frau? Sag es mir! Stefanie hat euch gesehen.“ Fred stand einfach nur da. Atmete tief ein und aus. Und schwieg. Ich fühlte eine solche Kälte um mich herum, als läge eine Eisschicht auf meiner Haut. Keiner von uns sprach auch nur ein Wort.

Erst später konnten wir reden: Mein Mann hatte sich in eine Kundin verliebt, seit drei Monaten ging das jetzt schon so. „Ich habe keine Affäre gesucht. Glaub mir das bitte. Du und die Jungs, unsere Familie, ihr seid das Wichtigste für mich. Was soll ich sagen? Es ist einfach so passiert, Karin.“ Tja, so klingt das, wenn alles den Bach runtergeht. Einfach so. Tagelang lag ich nur im Bett, im Geschäft hatte ich mich krankgemeldet. Die Jungs dachten, ich hätte Grippe. Ich fühlte mich elend, klein, hässlich, alt. In meinem Kopf tanzten Bilder von der anderen – mit meinem Mann. Fred selbst sprach wenig mit mir. Er akzeptierte meinen Rückzug. Er vermied das Wort Scheidung, machte mir aber auch keine Hoffnung. Alltägliche Sätze, Absprachen und Vereinbarungen bekamen plötzlich eine überraschende Intensität und Schwere. Eines Abends zum Beispiel ging es um ein Schüler-Austauschprogramm. Im Herbst sollte Leon für zwei Monate in Frankreich zur Schule gehen. „Wir müssen da noch einiges klären“, sagte Fred. Wir. Dieses Wort erschien mir wie eine Liebeserklärung. „Wir“ bedeutete immer noch: Fred und ich.

1 2 3