Schneller Sex
Ein Lob auf den Quickie
Schnell mal zwischendurch, ohne Vorspiel und Liebesschwüre – ja! Weil das Erotik in den Alltag rettet, wie unsere Autorin am eigenen Leib erfuhr.
Stress-Tag? Zeit für einen Quickie!
Etwas ist immer: Im Januar war es ein wichtiges Projekt, das meine Energie beanspruchte, im Februar die Grippewelle, und Anfang März war ich mit den Kindern verreist – schwups, hatten wir zehn Wochen keinen Sex mehr. Ist einfach so passiert, mangelnde Liebe war es nicht. Meine Gefühle für meinen Mann sind heute tiefer und verbindlicher als zu Beginn unserer Beziehung vor neun Jahren. Und ich weiß von Freunden, dass mein Mann oft sehr liebevoll über mich spricht. Ehekrise sieht anders aus.
Aber über die Jahre ist etwas mit uns passiert: Das große Begehren ist flöten gegangen. Die Sinnlichkeit rückte selbst am Urlaubsort in die Ferne, die Leidenschaft ging unter Legosteinen verloren. Wir hatten uns so in unseren Rollen als Vater und Mutter, als Versorger und Erzieher eingefunden, dass uns wilder Sex (ja, so etwas gab es in der ersten Zeit durchaus!) zunehmend abwegig, ja fast ein bisschen obszön vorkam. Und irgendwie war es auch in Ordnung: Job und Kinder waren anstrengend genug. Einfach nur zusammen gemütlich zu sein war oft ganz prima.
Quickie im Schlafzimmer
Der Quickie kam in unser Leben, als mein Mann eines Abends von einem Konzert kam – ich lag schon mit Wollsocken und Krimi im Bett. Er lehnte sich gegen den Türrahmen unseres Schlafzimmers und fragte ernst: „Können wir wieder öfter Sex haben?“ Meine Antwort: „Ja, klar. Aber nicht jetzt.“ Denn mir schoss durch den Kopf, was so oft der Hinderungsgrund ist: Es ist nach zwölf und ich muss morgen fit und ausgeschlafen sein. Außerdem lese ich gerade ein spannendes Buch. Da sagte mein Mann: „Es muss ja nicht lange dauern.“
So kam es zu unserem ersten Elternschlafzimmer-Quickie: Sex ohne romantische Einstimmung. Sex ohne langes Vorspiel. Die Berührungen waren weniger tastend und fragend, denn das Ziel war ja klar. Und: Es war gar nicht übel. Es war sogar ziemlich gut. Es war die Entdeckung, dass unkomplizierte, schnelle Befriedigung etwas sehr Schönes sein kann. Seltsamerweise empfand ich diesen Moment sogar als intimer als manche romantisch zelebrierte Liebesnacht.
Die Lust an der Lust neu entdecken
Es erfordert Vertrauen, Mut und die Überwindung von Scham, dem Partner und sich selbst einzugestehen, was auch in einem steckt: Geilheit, die mit wenigen Handgriffen geweckt werden kann und sofort befriedigt werden will. Hinzu kommt: Der Ruf des Quickies ist nicht der Beste. Schuld daran ist auch der berühmte Sexualforscher Alfred Charles Kinsey, der in den 50er Jahren – damals durchaus fortschrittlich – postulierte: „Frauen brauchen zur Befriedigung mehr als einen Quickie“ und damit den schnellen Sex in die Schmuddelecke stellte.
Richtig ist: Männer finden den Quickie ganz toll. Laut Umfragen stehen über 90 Prozent darauf. Aber, und das mag überraschen, auch mehr als die Hälfte der befragten Frauen finden schnellen Sex spannend. Aber offen sagen das nur wenige. Denn Quickie klingt frivol, ein bisschen schmutzig. Man erinnere sich nur an den wohl berühmtesten Quickie der letzten Jahrzehnte: Boris Becker, Frau Ermakova und die Londoner Wäschekammer.
Ein Quickie verdient Lob
Doch mit dieser Nummer hat der Ehe-Quickie wenig zu tun. Es ist nicht das spontane Verlangen, das keinen Aufschub duldet. Der Ehe-Quickie ist das Resultat einer pragmatischen Überlegung: Wenn nicht so, dann wird es viele Tage gar nichts mit uns. Ein Quickie kann, muss aber nicht großartig sein. Eines tut er jedoch immer, und dafür verdient er ein dickes Lob: Er hält im Alltagstrott das Gefühl wach, dass wir mehr als eine Firma sind, deren Haupteigner einen Immobilienkredit abbezahlen, Kindergeburtstage organisieren und den Wocheneinkauf erledigen. Dieser Sex ist das Bekenntnis: Wir sind zwei, die miteinander intim sein wollen, auch wenn kaum Zeit dafür bleibt. Ein Quickie kann auch ein Versprechen sein: „Am Wochenende machen wir weiter, mit viel Zeit und wunderbarem Vorspiel.“ Denn Lust macht Lust.
Die Erinnerung an die schnelle Nummer in Bett, Küche oder Bad beschwingt den Alltag: Plötzlich liegt bei uns auch an einem Donnerstagmorgen erotische Spannung in der Luft, ein Kuss auf den Hals, ein Tätscheln des Pos im Vorübergehen entladen sich abends. Und vielleicht wächst meine Begeisterung für die schnelle Nummer auch, weil man merkt, dass sie nicht nur eine Verlegenheitslösung ist.
Eine US-Studie hat belegt, dass eine Nacht voller Leidenschaft nicht zwingend zu besserem Sex und tieferen Orgasmen führt. Idealerweise dauert der Akt zwischen sieben und 13 Minuten. Ehrlich, da bleibt noch Zeit, den Krimi zu Ende zu lesen.



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