Scheidung
Die Ehe ist tot, oder?
Die meisten wollen ja eine Liebe für immer. Warum scheidet uns dann so oft der Richter – und nicht der Tod? So genau weiß das vermutlich keiner. Immerhin: Es gibt viele Meinungen dazu. Und was denken Sie darüber?
Manchmal erkennt man ja schon an Kleinigkeiten, dass eine Ehe nicht lange halten wird. Zum Beispiel daran, dass er bei der Trauung „Ja, okay“ statt nur „Ja“ sagt. Oder daran, dass sie glaubt, der Ring besiegele auch gleich mit, dass der überzeugte Steakliebhaber zum Vegetarier wird. Bei einem befreundeten Paar von mir hat der Kosename das vorzeitige Ende signalisiert. Sie nannte ihn „Hase“, obwohl er zwei Meter groß und 110 Kilo schwer ist und sie seit ihrer Kindheit lispelt. „Hase“, wenn er Wäsche waschen sollte, wenn seine Handballfreunde zu Besuch waren und wenn sie am Telefon mit ihrer Mutter über ihn sprach. Er nannte sie Simone. Die Ehe dauerte kaum ein Jahr, was die meisten, die beide näher kannten, erstaunlich lang fanden.
Statistisch sind die beiden mit ihrer Blitz-Beziehung deutlich aus dem Raster gefallen. Die meisten deutschen Ehen werden nämlich erst im verflixten 15. Jahr geschieden. Die Zeitspanne mag manchem als Ewigkeit vorkommen – sie ist aber gar nichts im Vergleich zur Silberhochzeit, die bei unseren Großeltern üblich war und gefeiert wurde. Das 25-jährige Jubiläum wird bald so exotisch sein wie Röhrenfernseher und Käseigel – sofern sich der Trend nicht umkehrt, dass jede dritte Ehe vor dem Scheidungsrichter landet. Und danach sieht es leider nicht aus.
Trauschein - Lösung oder Problem?
Die Zahl der Scheidungen steigt, bestätigen Experten und der Blick in einschlägige Wartezimmer-Literatur. Wer nicht „Traumhochzeit auf Barbados“ feiert, führt einen Rosenkrieg: Heidi Klum und Seal, wegen oder trotz ihrer legendären Halloween-Kostüme. Demi Moore und Ashton Kutcher, obwohl oder weil sie intimste Momente mit 14 Millionen Twitter-Freunden geteilt haben. Fehlt nur noch, dass Brad Pitt und Angelina Jolie das Handtuch werfen. Eine Scheidung ist ausgeschlossen, denn sie sind nicht verheiratet. Ist das vielleicht die Lösung oder eher das Problem?
Laut einer repräsentativen Umfrage des Allensbach-Instituts glauben 66 Prozent aller Deutschen an die große Liebe, also daran, dass man einen Partner finden kann, mit dem man für den Rest seiner Tage glücklich ist. Etwa 380000 deutsche Pärchen haben im vergangenen Jahr auf steigende Scheidungsquoten und düstere Prognosen gepfiffen und das Abenteuer Ehe gewagt. Die meisten mit Erfolg. Wenn’s nicht klappt, ist vielleicht nicht der Partner falsch, sondern die Erwartungen an die Institution sind zu hoch.
Psychologen und Therapeuten weisen fast einstimmig darauf hin, dass ein Standesamt nicht wie eine Autowaschanlage funktioniert: Der Partner geht mit all seinen Alltagsmacken und charakterlichen Schönheitsfehlern rein und kommt als perfekter, glänzender Ehemann wieder raus. Auch das Vollweib, Vorstandsmitglied, Dienstmädchen und opferbereites Muttertier in Personalunion ist nur eine Vision und nicht die Definition einer guten Ehefrau. „Wer die eigene Messlatte zu hoch hängt, kann am Ende nur drunter durchlaufen“, hat meine Großmutter mir vor Jahren mal gesagt. Und sie muss es wissen, sie war 68 Jahre lang verheiratet – mit nur einem Mann.



Kommentieren