Partnerschaft
Beziehungsprobe: Zusammenziehen
Sie liebt Weiß, er mag es bunt. Paare ziehen zusammen – und erleben das als Bewährungsprobe für ihre Beziehung. Kurios, was dabei alles passieren kann.
Seine knallrote Couch erschlug jeden Raum
Susanne (45) und Ingo (44) aus Hamburg
Als sie vor drei Jahren zusammen eine Altbauwohnung bezogen, passte eine Sache partout nicht in ihr Konzept: sein geliebtes Sofa
Susanne: „Als wir uns vor vier Jahren kennenlernten und ich öfter bei Ingo zu Hause war, sind mir seine Möbel gar nicht groß aufgefallen. Klar, sie waren anders als meine, aber über seinen Einrichtungsstil machte ich mir weiter keine Gedanken. Erst als wir zusammenzogen, wurde mir klar: Wir haben ein Problem. Ingos riesiges rotes Ledersofa erschlug einfach alles, egal, wo wir es hinstellten. Und es passte überhaupt nicht zu meinem weißen, französischen Landhaus-Stil. Für den Keller war es zu groß, an eine Entsorgung nicht zu denken: Als ich die Idee ansprach, bekam Ingo auf einmal feuchte Augen. Die rettende Lösung kam von meiner Mutter: ,Warum richtet Ihr nicht einfach ein Herrenzimmer für Ingo ein?‘ Natürlich, das war’s! Wir zogen die Schiebetür im Wohnzimmer zu und machten aus dem einen Raum Ingos ,Herrenzimmer‘. Ich werde nie sein glückliches Gesicht vergessen, als er dort seine Couch platzierte. Er war zufrieden – und ich konnte den Rest unserer Wohnung so hell einrichten, wie es mir gefällt.“
Ingo: „Eine Ledercouch war immer mein großer Traum. Das ist für Männer ja so etwas wie ein Must-have! Als ich diese tolle bordeauxrote Couch in einem Design-Laden entdeckte, war es Liebe auf den ersten Blick – genau wie später mit Susanne. Das Set zusammen mit einem Sessel und einem Chrom-Glas-Tisch kostete damals ein kleines Vermögen, über drei Jahre stotterte ich die Raten dafür ab. Vielleicht hänge ich auch deshalb so an der Couch. Außerdem wird sie immer schöner, weil das Leder mehr Patina bekommt, je länger man es ,besitzt‘. Nur ist sie leider auch sehr groß. Irgendwann merkte ich, dass sich Susanne niemals wohlfühlen wird in einer Wohnung, in der die rote Couch alles andere dominiert. Ich war traurig und ratlos. Natürlich hätte ich lieber auf das Sofa verzichtet als auf sie – aber es wäre mir schwergefallen. Dementsprechend selig bin ich jetzt mit meinem eigenen Zimmer. Da liegt mein Perserteppich, da hängen meine Bruno-Bruni-Bilder, außerdem Fotos und Postkarten bis hoch unter die Decke. Und wenn ich mal mit meinen Kumpels Skat spielen oder eine Zigarre genießen möchte, kann ich das machen, ohne Susanne zu stören. So eine Aufteilung ist für die Beziehung super-deeskalierend!“



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