Partnerschaft

Aus Beziehungen lernen

Von wegen beziehungsgeschädigt! Neue Studien zeigen, dass Frauen durch eine gescheiterte Partner schaft innerlich reifen. Und so in der nächsten viel zufriedener sind.

Glückliches Paar

Sonja ist am Telefon. Eine gute, eine schwierige Freundin. Die sich im letzten Jahr nach fast zehn Jahren von ihrem Freund getrennt hat. Und die mir jetzt vom neuen „Mann ihres Lebens“ erzählt, von Oliver. „Du weißt schon, der aus dem Golfclub.“ Schon klar. Nicht so klar: Warum sie es so eilig hat. „Ihr zieht schon zusammen?“, rutscht es mir heraus. Das Glück gönne ich ihr. Aber wenn ich an die vielen Gespräche und Tränen in den vergangenen Monaten zurückdenke, frage ich mich schon: Kann das gutgehen? Hat sie die Trennung schon verdaut? Und läuft beim zweiten Anlauf wirklich alles anders – und vor allem besser? Tatsächlich stürzen sich, da sind sich Paar-Therapeuten einig, viele Neu-Singles wieder zu schnell in eine Beziehung. Gründe dafür gibt es viele: Weil man zu zweit weniger allein ist. Weil es das Selbstwertgefühl aufbaut. Und weil sich Schmetterlinge im Bauch besser anfühlen als das Grummeln vom vielen Grübeln.

Buchtipps
  • Doug und Naomi Moseley: „Neuer Partner – neues Glück“, Klett-Cotta, 16,95 Euro.
  • Sandra Lüpkes: „Zweite Ehe – neues Glück“, Krüger-Verlag, 16,95 Euro

Trotzdem raten die Paar-Therapeuten jedem, nach einer Trennung erst einmal Luft zu holen und zu warten, bis sich die Seele beruhigt hat. Und das braucht Zeit. Etwa ein Jahr, wie Forschungen zeigen. Danach stehen die Chancen, dass es beim zweiten Mal besser läuft, ziemlich gut, hat die Autorin Sandra Lüpkes herausgefunden. Sie befragte bundesweit 70 Paare. Mit erstaunlichem Ergebnis: 72 Prozent halten ihre zweite Beziehung für stabiler. Wie kommt’s? Zum einen, meint Sandra Lüpkes, weil wir unsere Bedürfnisse besser kennen. Zum anderen, weil wir auch den Mut finden, darüber zu reden. Das deckt sich mit den Beobachtungen von Doug und Naomi Moseley: Die Paar-Therapeuten, selbst in zweiter Ehe verheiratet, stellten fest, dass Folgebeziehungen besonders dann glücklich werden, wenn beide Partner ihre Wünsche von Anfang an offenbaren.

Denn oft scheitert die erste Beziehung nicht daran, dass man einen falschen Anspruch hatte, sondern daran, dass der Partner ihn nicht erfüllt hat. Oder oft gar nicht erfüllen konnte, weil er von den Wünschen nichts wusste. In der Enttäuschung der ersten Liebe liegt der Hoffnungsanker für die zweite. „Weil man nach einer Bauchlandung realistischer wird“, sagt Sandra Lüpkes. Und gelassener –wie 60 Prozent der von ihr befragten Paare angaben. Wissend, dass es den perfekten Partner nicht gibt, wird man toleranter – auch den Macken des Liebsten gegenüber. Es fällt schon einmal Gebundenen viel leichter zu akzeptieren, dass es in jeder Partnerschaft Dinge gibt, die einen stören, und Phasen, die sich nicht gut anfühlen. Sandra Lüpke fasst die Vorteile so zusammen: „Man weiß, wo man steht, was man will und was man bereit ist zu geben.“ Sich selbst gut zu kennen ist für sie das Erfolgsgeheimnis glücklicher Beziehungen.

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