Kolumne Amelie Fried

Altes Ehepaar - 20 Jahre nach der Hochzeit

Es gibt Dinge, über die Amelie Fried staunt. Zum Beispiel darüber, dass sie noch verheiratet ist.

Altes Ehepaar

Vor Kurzem hatten mein Mann und ich zwanzigsten Hochzeitstag, was uns beide gleichermaßen überraschte. Als ich vor zwanzigeinhalb Jahren seinen Antrag annahm, tat ich es mit den Worten: „Wenn’s nicht klappt, können wir uns ja wieder scheiden lassen!“ Sie sehen, ich bin von romantischer Wesensart.

Das zeigte sich auch, als ich auf einem Ehevertrag und Gütertrennung bestand – ich wollte nicht in die Verlegenheit kommen, nach der Scheidung meinen Ex-Mann und seine neue Geliebte alimentieren zu müssen. Als wir heirateten, war mein Mann nämlich ein armer Poet. Immerhin muss ich mir nicht nachsagen lassen, ich hätte ihn aus Berechnung genommen. Nein, es war eine Liebesheirat!

Trotzdem war ich mehr als skeptisch, dass unsere Ehe halten würde. Ich konnte es mir einfach nicht vorstellen, dass ein Mann es länger als zwei, drei Jahre mit mir aushalten könnte. Denn dass ich keine von den pflegeleichten, unkomplizierten Frauen bin, mit denen man bedenkenlos zu einem Hochgebirgs-Trekking aufbrechen würde (Und was anderes ist letztlich eine Ehe?), das hatte ich schon selbst mitbekommen. Auch meine Mutter war nicht besonders zuversichtlich im Hinblick auf meine Zukunft als Ehefrau.

Daher war sie vielleicht ganz froh, dass wir unsere Hochzeit nicht aufwendig und teuer in einem Luxushotel, sondern in einer runtergekommenen Studentenkneipe gefeiert haben. Unseren Trauzeugen, einen angesehenen Schweizer Verleger, haben wir danach übrigens nie mehr zu Gesicht bekommen. Er hatte sich unsere Eheschließung wohl etwas glamouröser vorgestellt.

Was ich damals nicht ahnte, ist, welchen Einfluss Kinder auf die Haltbarkeit einer Partnerschaft haben. Zuerst ist man so gestresst, dass man nicht die Kraft für eine Trennung hätte. Dann wartet man darauf, dass die Kinder aus dem Haus sind. Und wenn’s endlich so weit ist und man auf zwanzig oder mehr gemeinsame Jahre zurückblickt – dann wär’s ja auch irgendwie schade, aufzugeben!

Vielleicht liegt das Geheimnis unserer Ehe tatsächlich darin, dass wir uns jederzeit trennen könnten. Wir haben beide einen Beruf, keiner ist finanziell vom anderen abhängig, wir müssen nicht zusammenbleiben, sondern entscheiden uns jeden Tag neu füreinander. Für mich ist das ist die größte Liebeserklärung, die es gibt!

Schlagworte:
Autor:
Amelie Fried