Mann weg, Kind da
Alleinerziehende Mütter
Plötzlich war alles anders als geplant. Erst platzte der Traum vom Familienglück, ihr Freund trennte sich. Dann wurde Julia (43) doch schwanger und war plötzlich alleinerziehende Mutter.
Es hätte einer der schönsten Tage in meinem Leben sein sollen, ein Glück, so groß, dass man es kaum fassen kann: die Geburt von Tim vor fünf Jahren. Doch statt zusammen mit seinem Vater im Kreißsaal zu sein, war ich dort allein. Und wusste: Rolf ist gerade bei einer anderen Frau. Auch sie wird in diesen Tagen ein Kind von ihm bekommen.
Tim kam vier Tage vor seinem Halbbruder auf die Welt. Ich war überglücklich, wenn ich dieses kleine Wunder in meinen Armen hielt. Und tieftraurig. Rolf hatte nach der Entbindung nur einmal kurz in der Klinik vorbeigeschaut. Er hatte ein Plüschtier mitgebracht und gesagt: „Ja, das ist wohl mein Kind“, dann ließ er sich nie wieder blicken. Das letzte bisschen Hoffnung war damit gestorben. Eine Zukunft mit Rolf war ausgeschlossen. Alles, was wir uns so schön ausgemalt hatten – wie wir mit unserem gemeinsamen Kind und seinen beiden aus früheren Beziehungen eine fröhliche Patchwork-Familie sein würden –, all das war nur noch eine schmerzhafte Erinnerung.
Rolf war eines Tages in dem Sportverein aufgetaucht, in dem ich Pilates machte. Ende dreißig, attraktiv, unglaublich nett, hilfsbereit. Ich war damals 36, hatte mich nach sieben Jahren gerade von meinem Freund getrennt. Lange hatten wir versucht, Eltern zu werden. Irgendwann sagten mir die Ärzte, ich würde wohl auf Kinder verzichten müssen. Das war das Ende unserer Beziehung, wir schieden – wie man so schön sagt – im gegenseitigen Einvernehmen.
Also hatte ich mit dem Thema abgeschlossen und mich auf meinen Beruf konzentriert. In München hatte ich einen superbezahlten Job als Unternehmensberaterin gefunden, für den ich meine Heimatstadt Köln verlassen wollte. Doch genau in dem Moment tauchte Rolf auf. Es war Liebe, die ganz große. Meine rosarote Phase begann. Eine lange Kette perfekter Momente.



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