Liebe 9 Tipps zum Thema Paartherapie

Immer mehr Leute gehen zur Paartherapie. Was genau passiert da? Neun Fragen und Antworten.

Paartherapie 9 Tipps zum Thema Paartherapie © Thinkstock

Beziehungsthemen
Glückliches Paar - was kann man aus der Beziehung zu seinem Partner lernen?

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Der Kuss am Morgen, liebevolle Worte und das Gefühl tiefer Verbundenheit – das war einmal. Aber wie konnte es so weit kommen? Und gibt es noch einen Weg zurück? Wenn die Liebe vorm Aus zu stehen scheint, wenn Streit, Vorwürfe oder Schweigen überwiegen, ist eine Paartherapie oft der beste Weg. Wann man ihn einschlagen sollte, was einen erwartet, worauf man hoffen darf –Dr. Mathias Jung, Psychologe aus Lahnstein, der seit vielen Jahren Paare berät, beantwortet hier die häufigsten Fragen.

Vor einem Jahr hat mich mein Mann betrogen. Ich habe ihm zwar verziehen, aber tief im Innern bin ich immer noch verletzt. Hilft uns eine Paartherapie? Oder bringt es mehr, wenn ich allein eine Psychotherapie mache?

Fremdgehen bedeutet für eine Beziehung eine große Belastung. Die Schmerzen dauern an, selbst wenn sich beide fürs Zusammenbleiben entschieden haben. Eine Paartherapie bietet die Möglichkeit, eine Art Inventur der Beziehung vorzunehmen: Was ist die Vorgeschichte des Betrugs? Oder: Warum geraten wir immer wieder aneinander? Wie zärtlich sind wir miteinander gewesen? Welche Gemeinsamkeiten haben wir noch? Welche Bedürfnisse werden in der Beziehung erfüllt, welche nicht? Was wünschen wir uns für die Zukunft? Wenn einer der beiden spürt, dass das Vorgefallene oder bestimmte Verhaltensweisen vor allem mit ihm selbst und seiner Vergangenheit zu tun haben, kann eine Einzeltherapie helfen, diese Fragen zu klären. Man kann beide Therapieansätze auch gut kombinieren.

Mein Freund sagt, er macht nur dann eine Therapie mit, wenn ich ihm genau erklären kann, wie sie hilft. Mir fehlen die Argumente ...

Wenn einer von beiden überzeugt ist, dass er Unterstützung von außen braucht, um die Beziehung zu retten, sollte dies als Argument genügen. Statt zu schmeicheln, zu werben oder zu bitten, ist es besser, sein Bedürfnis in klare Worte zu fassen: „Es ist mir wichtig, eine Therapie zu machen. Ich sehe für uns keine andere Alternative.“ Um dem skeptischen Partner entgegenzukommen, kann man ihm zum Beispiel anbieten: „Wenn du nach fünf Sitzungen immer noch das Gefühl hast, es bringt uns überhaupt nichts, dann brechen wir die Therapie ab.“ In den ersten Sitzungen zeigt sich, ob der Partner bereit ist, sich zu öffnen und an sich zu arbeiten – oder ob er die Sache einfach aussitzt und die Therapie damit ins Leere läuft.

Seit wir Kinder haben, streiten wir uns viel. Mein Mann will deshalb eine Therapie machen, aber ich finde es merkwürdig, mein Innerstes einem fremden Menschen anzuvertrauen. Können Freunde nicht ebenso gut helfen?

Freunde können zwar gute Gesprächspartner sein, aber ihnen fehlen die Distanz und die Neutralität ebenso wie das Wissen und die Erfahrung eines Profis. Was die Sorge, sich komplett zu öffnen, betrifft, kann ich beruhigen: Man muss in einer Therapie nicht alles erzählen. Geheimnisse, die man nicht preisgeben möchte, darf man für sich behalten. Grundsätzlich sollte man aber bereit sein, möglichst offen über die Beziehung zu sprechen, die eigenen Bedürfnisse zu artikulieren und dabei ehrlich mit sich und dem anderen zu sein.

Manchmal denke ich, meinem Freund und mir täte eine Paartherapie ganz gut. Aber ich habe Angst davor. Kann so etwas nicht auch nach hinten losgehen?

Wenn damit gemeint ist, dass man sich trennt, dann lautet die Antwort: Ja, das kann passieren. Denn manchmal stellt einer oder stellen beide im Laufe einer Therapie fest, dass die Beziehung zu wenig Substanz hat, um sie fortzuführen, oder die Probleme zu schwerwiegend sind, um sie gemeinsam lösen zu können. Dann wird aus der Paareine Trennungstherapie. An dem Auseinandergehen ist jedoch nicht die Therapie schuld! Sie hat den Prozess des Sich-Trennens lediglich beschleunigt, oft vereinfacht sie ihn, und im besten Fall sorgt sie dafür, dass zwei Menschen im Guten auseinandergehen, weil sie erkennen, dass es für beide die beste Lösung ist. Ich kann allerdings Hoffnung machen: Grob geschätzt führen etwa drei Viertel der Paartherapien dazu, dass die Beziehung positive Impulse bekommt und wieder aufblüht. Nur bei etwa einem Viertel der Klienten enden sie mit einer Trennung.

 

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