Beziehung
Mein Vater liebt meine beste Freundin
Sie gönnt dem geschiedenen Vater (65) sein spätes Glück. Doch dann entdeckt Marlene (39), wer die neue Frau an seiner Seite ist
„Es ist nur ein Anruf bei deinem Vater. Mehr nicht. Jetzt stell dich nicht so an!“ So redete ich mir zu, wenn ich seine Nummer wählte. Und trotzdem war da dieses enge Gefühl in der Brust, kamen diese tiefschwarzen Gefühle. „Bei Jansen“, hörte ich sie sagen. „Was für eine Anmaßung!“, dachte ich sofort. Sorry, ich konnte nicht anders. Nur weil sie jetzt bei ihm wohnte, bei Heiner Jansen, meinem Vater. Meine beste Freundin! Das war sie, bevor sich die beiden ineinander verliebten. Nach nur drei Monaten sind sie zusammengezogen. Als sie mir sagten, „Wir wollen demnächst heiraten“, bin ich ausgerastet: „Wollt ihr vielleicht auch noch ein Kind? Ich finde das alles zum Kotzen!“
„Ich fühle mich wie ein Zaungast – und das tut verdammt weh“
Von außen und ganz nüchtern betrachtet: Warum gönne ich den beiden eigentlich nicht ihr Glück? Eben weil ich nicht außen bin, sondern mittendrin. Die beiden waren die wichtigsten Menschen in meinem Leben. Jetzt sind sie sich selbst die wichtigsten – und ich bin nur noch Zaungast. Das tut so weh. Die Fixpunkte in meinem Leben haben sich verschoben, und ich weiß nicht mehr, worauf ich mich noch verlassen kann.
Ich war immer ein Papakind. Schon damals habe ich wohl instinktiv gespürt, dass er das emotionale Kraftpaket in unserer kleinen Familie war und meine Mutter nur das Notaggregat. Wir beide, mein Vater und ich, laut, redselig, liebebedürftig, waren ihr, dem leidenschaftlichen Bücherwurm, wohl immer ein bisschen zu viel. Deswegen war es kein großes Drama für uns, als sie kurz nach meinem achten Geburtstag nach La Gomera flog und nicht mehr zurückkam. Dadurch wurde ich zu einer Art „Ersatzfrau“ für ihn. Da mein Vater Lehrer war, kamen wir meist zur selben Zeit aus der Schule. Er korrigierte, ich machte Hausaufgaben und fand es super, dass ich bei jedem Schulproblem nur mein Heft über den Küchentisch schieben musste. Papa, kannst du bitte mal?



Kommentieren