Koma-Saufen nach der Schule
Mein Kind trinkt
Gut 20 Prozent der Jugendlichen greifen zur Flasche. Was Sucht für die Familie bedeutet, zeigt die Geschichte von Jana – erzählt von ihrer Mutter
Wenn mich vor zehn Jahren jemand gefragt hätte: „Kennst du eine glückliche Familie?“, ich hätte sofort gesagt: „Ja, uns!“ Wir lebten in der Nähe von München, im eigenen Haus. Mein Mann und ich, heute beide Mitte fünfzig, verstanden uns glänzend und hatten finanziell keine Sorgen. Als Ingenieur verdiente er gut, ich arbeitete als Grundschullehrerin. Wir waren stolz auf unsere Kinder: Theo, 19, machte Abitur und wollte Medizin studieren; Tom, 9, eiferte dem großen Bruder nach. Auch unsere Tochter Jana, 12, ging aufs Gymnasium. Sie war zart, klug, ein wenig schüchtern – und für meinen Mann und mich die Prinzessin. Mit den Kindern spielten wir am Wochenende Tennis im Club oder wir wanderten mit ihnen in den Bergen. Ich fühlte mich in unserer heilen Welt so sicher, dass ich lange nicht merkte, was mit Jana los war.
Mit 14 veränderte sie sich. Sie hatte „keinen Bock mehr auf Tennis“, zog sich immer mehr zurück. Das ist die Pubertät, dachte ich. Bis ich immer öfter wahrnahm, dass sie nach Bier roch, wenn sie nach Hause kam. Ich wurde misstrauisch, beobachtete sie nachmittags und fand heraus, dass Jana zu einer Clique gehörte, die sich an der Isar traf, um dort Alkohol zu trinken.
Ich war geschockt: Unsere zurückhaltende Jana? Da steckte bestimmt ihr neuer Freund dahinter! Der 18-Jährige war mir unsympathisch – mit seiner ruppigen Art, seinen Tattoos. Ich stellte Jana zur Rede – aber trotzig hörte sie nicht mal zu. Ihre Clique war ihr wichtiger geworden als ihre Familie.



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