Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Hilfe, ich werd’ wie meine Mutter

Putzen, keifen, ermahnen - so wollte man doch selbst nie sein. Und nun: ganz die Mama. Wie konnte das nur passieren? Und wie geht man mit den „vererbten“ mütterlichen Macken um?

Frau putzen

Weshalb bin ich ihr bloß so ähnlich?

Mein Zeigefinger zielt auf ihre Wange. Ich will die Nutella-Flecken wegwischen, bevor Greta zur Schule geht. Doch meine achtjährige Tochter wendet sich abrupt ab. „Lass das, Mama! Ich mach das selbst“, sagt sie und geht ins Bad. Ich bleibe im Flur zurück – erst verdutzt, dann peinlich berührt. Nichts habe ich früher mehr gehasst, als wenn mich meine Mutter mit ihrem feuchten Spuckefinger gesellschaftsfähig machen wollte. Und jetzt ertappe ich mich selbst dabei. Kein schönes Gefühl. Denn ich hatte nie sein wollen wie sie. Aber so geht’s wahrscheinlich vielen Töchtern.

Es gibt sogar ein Wort für die Angst, so zu werden wie Mama: Matrophobie. Die Bonner Soziologin Marianne Krüll hat über die Beziehung von Müttern und Töchtern ein Buch geschrieben („Die Mutter in mir“, Verlag Klett-Cotta). Wenn sie während ihrer Vor träge fragt, welche Zuhörerinnen ihrer Mutter gern nach eifern, bleiben alle Hände unten. „Die meisten Frauen wollen anders sein als die Mutter, aber es ist unumgänglich, dass man ihr in einigen Charakterzügen ähnelt“, so Krüll.

Eine Blitzumfrage in meinem Bekanntenkreis gibt der Soziologin recht: Bei Anja schlug mit Ende 20 der Putzfimmel ihrer Mutter durch, als WG-Bewohnerin hatte sie den noch erfolgreich zugemüllt. Silke hört in ihrer eigenen Stimme die schrillen Keiftöne von Mama, wenn sie sich mit ihrem Mann streitet. Und Ina erwischt sich regelmäßig dabei, dass sie ebenso penibel auf Pünktlichkeit achtet wie ihre Mutter, obwohl sie das früher gehasst hat. „Ist doch egal, dann kommen wir halt später. Die Welt geht davon nicht unter“, konterte sie als Teenie. Heute wird sie wütend, wenn ihr jemand so lässig kommt.

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