Problemkinder des Bildungssystem

Gleichstellung für Jungen

Kleine Machos in der Krise? Jahrzehntelang stand die Förderung der Mädchen im Blickpunkt. Dabei gerieten die Jungs ins Abseits. Jetzt soll das Gleichgewicht wiederhergestellt werden 

Dreimal in der Woche fährt Elke ihren elfjährigen Sohn Leon quer durch die Stadt. Nicht zum Fußballtraining, sondern zum Nachhilfeunterricht. Mit viel Büffeln hat er es gerade so aufs Gymnasium geschafft. Doch das Halbjahrszeugnis verheißt nichts Gutes. Während seine zehnjährige Schwester Mia in allen Fächern glänzt, ist bei Leon die Versetzung gefährdet, wenn er sich bis zum Sommer nicht berappelt. Fünf in Deutsch, eine knappe Vier in Englisch – und obendrein muss sich Elke in der Elternsprechstunde anhören, ihr Sohn falle im Unterricht hauptsächlich durch freche Bemerkungen auf. Leon ist wahrhaftig kein Einzelfall. Viele Jungen wachsen derzeit zu neuen Problemkindern unseres Bildungssystems heran: Sie bleiben häufiger sitzen als Mädchen, bekommen schlechtere Noten, benötigen mehr Nachhilfeunterricht, besuchen öfter Hauptund Sonderschulen. Sie schaffen es seltener aufs Gymnasium und brechen sogar häufiger die Schule ganz ab als ihre Mitschülerinnen.

Starke Mädchen, schwache Jungen? Jahrzehntelang galten die Mädchen als besonders förderungsbedürftig, Jungs liefen einfach so mit. Dass auch sie Probleme haben könnten, wurde lange ignoriert. Erst in den letzten Jahren hat sich das geändert. Jetzt nimmt sich auch das Bundesfamilienministerium der Sache an: Mit einem Referat zur „Gleichstellung für Jungen und Männer“. „Immer mehr Jungs werden bei der schulischen Ausbildung zu Verlierern. Hier müssen wir gegensteuern“, erklärt Familienministerin Dr. Kristina Schröder. „Jungen und Mädchen, Männer und Frauen sollen in unserer Gesellschaft die gleichen Chancen haben.“

1 2 3
Schlagworte: