Ernährungstipps

Gesundes Essen für Kinder

Wie bringt man Kinder dazu, ohne Meckern zu Brokkoli statt Burger zu greifen? Das ist leichter, als Sie glauben. Unsere Expertin verrät neue Erkenntnisse und Strategien.

Kind isst Donut

Ohne Frühstück in die Schule? Ist okay. Nachmittags sucht sich der Nachwuchs etwas zum Naschen aus? Ja! Und moppelige Kinder? Müssen keine Diät machen. Zu den modernen Regeln einer gesunden Kinderernährung gehört: mehr Lässigkeit. „Eltern sollten nicht zu viel Druck aufbauen und keine strengen Einschränkungen machen – selbst bei übergewichtigen Kindern“, rät Ute Gerwig, Leiterin Forschung und Entwicklung bei Weight Watchers. „Essen für Kinder sollte vor allem ausgewogen sein. Das heißt, es gibt über den Tag verteilt von allem etwas.“ Eine Untersuchung des Robert-Koch-Instituts ergab, dass 15 Prozent aller 3- bis 17-Jährigen in Deutschland zu schwer sind. Aber auch viele Normalgewichtige maulen, wenn es Vollkornbrot statt Burger gibt. Doch mit ein paar cleveren Tricks wird die Familienmahlzeit für alle zum gesunden Vergnügen.

Täglich Frisches auf den Tisch: Wie kriegt man das im Alltag hin?

Gemüse und Obst erntet die Familie im Garten, Fleisch kauft sie direkt beim Bio-Hof, und daheim kochen alle gemeinsam mit lau - ter frischen Zutaten. Klingt schön, ist aber in der Realität selten machbar. Deswegen darf man nach Job, Schule und Kindergarten am Herd ruhig auf Convenience Food zurückgreifen. Gebratene Geflügelbruststreifen und Tiefkühlgemüse ergeben zum Beispiel ein blitzschnelles, gesundes Gericht. Kochen mit Kindern ist trotzdem eine gute Idee. Wann immer Sie die Zeit haben, lassen Sie die Kleinen dafür ihr Lieblingsessen aus einem Kochbuch aussuchen und geben Sie ihnen kleine Aufgaben beim Zubereiten.

Frühstück im Schneckentempo, Portionen wie ein Spatz. Was hilft?

Wer hat schon Lust auf Frühstück, wenn Mama dauernd drängelt: Mach schneller, du musst gleich los ... Eben. Kinder brauchen Zeit zum Essen, Morgenmuffel noch mehr. Wenn selbst fröhliches Geschirr und Elterngesellschaft nicht helfen: Lassen Sie’s doch. Dann gibt es morgens eben nur einen Kakao und ein Stück Banane. Füllen Sie die Frühstücksdose mit Nüssen, Obststücken, bunten Gemüsestreifen (Karotte, Paprika) und einem Vollkornbrot. Und das Kind entscheidet dabei, was draufkommt.

Ute Gerwig

Als Leiterin der Abteilung Forschung und Entwicklung bei Weight Watchers sorgt sie dafür, dass die Serviceangebote des Unternehmens dem neuesten Stand der Wissenschaft entsprechen. Weitere Infos finden Sie unter www.weightwatchers.de.

Täglich einen Schokoriegel?

„Naschen gehört dazu. Sie sollten Ihren Kindern ruhig ein- oder zweimal täglich eine kleine Leckerei gönnen“, sagt Ute Gerwig. Verbote bringen nichts, denn Kinder müssen lernen, auch mit Süßem ganz normal umzugehen. Wichtig ist dabei die Portionsgröße. Und da ist die Kinderhand ein guter „Messbecher“: nie mehr Kekse, Gummibärchen oder Schokostücke, als in eine Hand hineinpassen. Mit dem Alter wachsen so die Portionen mit. Schulkinder sollten sich ihre Süßigkeiten selbst einteilen dürfen. Geben Sie ihnen eine Tages- oder Wochenration und lassen Sie sie selbst entscheiden – auch wenn sie gleich alles auf einmal vernaschen wollen. Wetten, dass sie es sich nächstes Mal besser überlegen?

„Das schmeckt nicht, ich will was anderes!“ – Wie reagiere ich darauf?

Bitten Sie Ihr Kind, erst mal zu probieren. Wenn es das Gericht nicht mag, belegen Sie ihm eine Scheibe Brot. Bloß nicht anfangen, stattdessen Nudeln oder etwas anderes Beliebtes zu kochen. Eine ganz wichtige Regel: Die Eltern bestimmen, was zum Essen auf den Tisch kommt, das Kind bestimmt, was und wie viel es davon nimmt.

Jede Erbse, jeder Karottenschnipsel wird aussortiert. Was tun?

Erst mal zur Beruhigung: Kleinere Kinder müssen neue Gemüsesorten etwa zehnmal probiert haben, bevor sie sie mögen. Denn viele Geschmacksrezeptoren entwickeln sich erst später. Kleiner Trick: Stellen Sie einen Teller mit Obst- und Gemüsespießen auf den Tisch und rufen Sie: Keiner kriegt was ab! Weitere Ideen: Zucchinistreifen unter Kartoffelpufferteig mischen, Pastinakenmus unter Kartoffelbrei.

Mein Kind ist moppelig. Sollte es eine Diät machen?

„Nein! Kinder sollten beim Essen keine strengen Einschränkungen bekommen“, sagt Ute Gerwig. Mehr Bewegung und eine Ernährungsumstellung helfen, damit das Kind in sein Gewicht „reinwächst“. Vollwertige Lebensmittel mit wenig Kalorien – also jede Menge Obst und Gemüse, Vollkornnudeln, Naturreis – sollten zum Kern der Ernährung werden. Zeigen Sie Ihren Kindern, dass Essen mit gemeinsamen Mahlzeiten verbunden ist. Reduzieren Sie die Snacks zwischendurch. Als Erstes sollten Eltern aber herausfinden, ob ihr Kind tatsächlich zu schwer ist. Der Body-Mass-Index (BMI), wie er für Erwachsene gilt, ist für Kinder nicht aussagekräftig. Auf der Website www.mybmi.de erfahren Sie, wie sich das Gewicht Ihres Kindes im Vergleich zu dem von Gleichaltrigen verhält. Wenn Sie Bedenken haben, sprechen Sie unbedingt mit Ihrem Kinderarzt.

Runter vom Sofa, raus an die Luft

Mindestens eine Stunde täglich sollten sich Mädchen und Jungen bewegen. Je weniger Zeit sie am Computer oder vor dem Fernseher verbringen, desto besser. Kinder gucken sich viel von den Eltern ab. Wenn Sie es sich lieber auf dem Sofa gemütlich machen, wirkt die Aufforderung, endlich mal rauszugehen, wenig glaubwürdig. Dabei muss Aktivität nicht anstrengend sein: „Kicken Sie gemeinsam, tanzen Sie im Wohnzimmer, fahren Sie mit dem Rad zum Einkaufen“, rät Ute Gerwig. Das Kind eine Sportart aussuchen lassen, die ihm Spaß macht. Schauen Sie sich gemeinsam das Angebot der örtlichen Sportvereine an. Was würden Sohn oder Tochter gern mal ausprobieren? Mehr Tipps? Bei www.fke-do.de kann man Ratgeber mit Ernährungsempfehlungen bestellen (4 Euro), unter www.ernaehrung-und-bewegung.de Broschüren kostenlos runterladen.