Adoption, Heirat oder SOS-Kinderdorfmutter - Mama sein mal anders
Mütter ohne leibliche Kinder berichten
Es gibt viele Frauen, die selbst kein Kind haben – und doch Mutter sind. Aus tiefster Seele, mit Herz und Hand, auch ohne gemeinsame Gene. Zum Beispiel als SOS-Kinderdorfmutter, Adoptiv- oder Stiefmutter. Diese drei Geschichten zeigen, dass Muttersein eine Summe aus Fürsorge, Vertrauen und Liebe ist
Karin Puhlmann, 49, SOS-Kinderdorfmutter aus Harksheide/Norderstedt
„16 Kindern habe ich in den zwölf Jahren, seit ich SOS-Kinderdorfmutter bin, ein Zuhause gegeben. Manche kamen als Kleinkinder, andere erst mit 14. Einige schloss ich sofort ins Herz, bei manchen dauerte es auch ein bisschen. Doch heute liebe ich sie alle. Ich denke nicht, dass es einen großen Unterschied macht, ob man sie selbst zur Welt bringt oder nicht – solange man nur eine echte Beziehung zu ihnen sucht. Ich möchte den Kindern Geduld, Vertrauen, Strukturen und Sicherheit vermitteln. Dafür bekomme ich Geld, aber es war für mich nie ein Job, es ist mein Leben!
Mit Mitte 30 war ich Pflanzenzüchterin, aber nicht wirklich zufrieden. Eigenen Nachwuchs zu bekommen hatte sich nicht ergeben. Da las ich zufällig eine Annonce: ‚SOS-Kinderdorfmutter. Ein Beruf für Sie?’, und ich dachte sofort: Das ist es! Kinder fand ich schon immer großartig. Natürlich war es mit dem bloßen Gedanken nicht getan. Es ist ein Prozess, SOS-Kinderdorfmutter zu werden. Ich musste Eignungstests bestehen, noch mal eine Schule besuchen. Und mit das Wichtigste war, dass ich eineinhalb Jahre in einem SOS-Kinderdorf als Familienhelferin gearbeitet habe. So konnte ich in Ruhe prüfen, ob ich wirklich mein ganzes Leben umstellen möchte und für diese Aufgabe geeignet bin. 1998 gründete ich meine erste Familie. Denn genau das sind meine Kinder und ich: Wir essen gemeinsam, machen Ausflüge, reden über Probleme, kuscheln, streiten uns auch mal. Und alle wissen, dass ich immer für sie da bin, 24 Stunden am Tag, sieben Tage die Woche. Das ist wichtig, schließlich bringt jedes meiner Kinder einen Rucksack an Erfahrungen mit – meist keine guten. Das Jugendamt vermittelt an SOS-Kinderdorffamilien Minderjährige, die längerfristig einen Pflegeplatz brauchen. Manche wurden vernachlässigt oder misshandelt. Deshalb werden sie mir anvertraut. All die Gedanken, Sorgen und schlaflosen Nächte, die sie mir bereiten – das schweißt zusammen. Reibung erzeugt eben auch Wärme. Manche meiner Kinder kehren zurück zu ihren Eltern, aber die meisten werden bei mir groß. Wenn sie dann ausziehen, freue ich mich für sie, aber weh tut es trotzdem. Zum Glück kommen sie immer wieder nach Hause, etwa zu Weihnachten. Wie meine große Tochter, die uns inzwischen mit Mann und Baby besucht. ,Wieso machst du das?’, fragte sie mich, als ich ihr beim Auszug Geld für ihre erste Wohnungseinrichtung lieh. ,Das haben meine Eltern auch für mich getan‘, erklärte ich ihr. ,Das macht man so in einer Familie.‘“
*Namen werden aus rechtlichen Gründen nicht genannt



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