Karriere

Wie Teilzeit glücklich macht

Zuschauen, wie die Tochter schwimmen lernt. Einen zweiten Berufswunsch verwirklichen. Sich mit dem Partner selbstständig machen: drei Frauen, drei Wege.

 

„Meine Kinder inspirieren mich“

Seit elf Jahren passt Heike Gorißen-Syrbe (46) ihre Karriere beim Koblenzer Finanzamt den Bedürfnissen ihrer Familie an. Sie ist stolz auf den gelungenen Balance-Akt, und sie profitiert von ihm: Er gibt mehr Kraft, als er kostet.

Als sich vor 13 Jahren meine erste Tochter ankündigte, stand für mich fest: Ich will viel Zeit mit ihr verbringen, aber auch berufstätig bleiben. Zum Glück war es beim Finanzamt kein Problem, in Teilzeit zu gehen. Seit elf Jahren arbeite ich mit reduzierter Stundenzahl, mal 30, mal mehr oder weniger Stunden. Währenddessen habe ich noch zwei weitere Kinder bekommen. Trotz Teilzeit bin ich aufgestiegen, habe mich von der Sachgebietsleiterin hochgearbeitet, wurde 2010 Finanzamtsleiterin – die erste mit reduzierter Stundenzahl – und bin heute stellvertretende Personalleiterin bei der Oberfinanzdirektion. Zurzeit habe ich montags und mittwochs nachmittags frei. Mein Mann ist Richter und zeitlich flexibel, außerdem unterstützt uns eine Tagesmutter. Meine freien Nachmittage sind komplett für die Kinder reserviert. Unsere kleine Tochter ist fünf, ich gehe mit ihr oft auf den Spielplatz oder zum Schwimmunterricht. Neulich habe ich ihre ersten Züge miterlebt. Sie war so stolz – und ich erst! Und vor ein paar Tagen hat mein Sohn zu mir gesagt: „Schön, dass du heute hier bist.“ Solche Momente geben mir viel Kraft.

Und die braucht man, wenn man beides will: Kinder und ein erfülltes Berufsleben. Ich muss mir die Zeit genau einteilen, kann Privates und Berufliches selten klar trennen. Meine Mitarbeiter kennen alle meine Termine, auch die privaten. Ich bin immer erreichbar, zur Not auch im Urlaub. Aber das ist in Ordnung für mich, schließlich habe ich mich für eine Position mit Verantwortung entschieden.

Ich würde meinen Weg immer wieder so gehen. Ich bin ehrgeizig: Wenn ich meine berufliche Karriere aufgegeben hätte, wäre ich heute unzufrieden. Andererseits hätte ich niemals auf das Glück verzichten wollen, Kinder aufwachsen zu sehen. Dass ich durch Teilzeit beides kombinieren kann, macht mich glücklich. Ich habe dadurch auch viel gelernt. Früher habe ich lieber alles selbst erledigt, aber durch meine Kinder bin ich toleranter geworden. Sie haben mich mit ihrer Lebensfreude angesteckt und mir den Perfektionismus abtrainiert. Wenn heute im Job etwas schiefgeht, suche ich nach Lösungen, statt mich zu ärgern. Dieses pragmatische Denken und Handeln hat mir bei der Karriere sehr geholfen.

Heikes Teilzeit-Vorteil: „Ich kann mich beruflich verwirklichen und trotzdem Mutter sein. Zeit mit den Kindern zu verbringen macht gelassen – und das hilft auch im Job.“

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